Die Gründe, warum unser Sohn ein Waldkindergartenkind wurde!

Warum unser Sohn ein Waldkindergartenkind wurde mit Vor un Nachteilen

Waldkindergärten sind Kindergärten, bei denen die Kinder die meiste Zeit des Tages an der frischen Luft verbringen und das im oder in der Nähe eines Waldes, so wie es der Name schon verrät. Die Idee kommt ursprünglich aus Dänemark. Hier gibt es bereits seit den 50 Jahren Waldkindergärten. Der erste Waldkindergarten bei uns wurde 1993 in Flensburg eröffnet. Seitdem sind einige weitere Einrichtungen in Deutschland hinzu gekommen. An der Zahl inziwschen um die 350 Einrichtungen.

Die meisten Waldkindergärten besitzen einen kleinen Bauwagen mit Tisch und Küche in dem sie ihre Sachen lagern können oder die Kleinen bei schlechtem Wetter einen sicheren Unterschlupf finden. Einige Kindergärten bieten sogar seit neustem schon Mittagessen an. Somit ist eine Betreuung über Mittag in einzelnen Einrichtungen möglich. In unserem Kindergarten sind die Betreuungszeiten allerdings noch recht kurz und zwar von 8.15 bis 13.45.

Unser Tagesablauf im Waldkindergarten

Meist schaffe ich es erst um kurz vor neun meinen Sohn in seinem Waldkindergarten abzusetzen. Spätestens um neun sollte jedes Kind vor Ort sein, da die Erzieherinnen pünktlich den Morgenkreis starten. Für unser Kind immer wichtig pünktlich zu sein, denn im Morgenkreis wird unteranderem das „Verkehrskind“ bestimmt. Die zwei Verkehrskinder regeln, dass alle Kinder behutsam und sicher über die große Straße zum Wald gelangen. Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, dass mein Sohn für solch eine wichtige Aufgabe immer Feuer und Flamme ist.

Von 8:15 bis 9:00 Uhr dürfen die Kinder sich im freien Spiel verlieren. Schaukeln werden an den Bäumen aufgegangen. Die Erzieher lesen auf Wunsch das ein oder andere Buch vor oder im Bauwagen gibt es immer viele tolle Bastelangebote oder sonstige Spiele, die Kinder lieben. Natürlich kann auch mit Hilfe von Schaufeln ein Graben ausgehoben werden oder man kümmert sich etwas, um den Gemüsegarten, der gerade angelegt wird.

Von 9.00 bis 9.30 findet der Morgenkreis statt. Es wird gesungen, gelacht und viel erzählt.

Von 9.30 bis 10.00 Uhr dürfen die Kleinen noch einmal zurück ins freie Spiel.

Um 10.00 geht es auf in den Wald.

Eine Stunde wird nun etwa durch den Wald gelaufen. Meist suchen sie sich im Morgenkreis die Stelle aus, an die sie heute gerne gemeinsam gehen möchten. Es stehen immer zwei zur Auswahl.

Um 11 Uhr wird an der besagten Stelle halt gemacht und gefrühstückt. Es wird ein Kanister ausgepackt aus dem sauberes, frisches Wasser kommt. Die Kinder waschen sich vor dem Essen die Hände. Nehmen sich eine Sitzunterlage und setzen sich gemeinsam in einen Kreis. Frühstück wird von uns Eltern mitgegeben. Erlaubt ist alles, was nicht süß ist, da dies Bienen anlocken kann. Alles verpackte sollte am besten zu Hause ausgepackt werden, damit kein zusätzlicher Müll produziert wird. Zur Not ist es kein Problem, wenn die Kleinen es zurück in die Brotdose legen.

Dann wird in Ruhe gefrühstückt.

Ca. eine halbe Stunde später nehmen die Kleinen ihre Arbeit im Wald wieder auf. Dürfen über Baumstämme laufen. Toben. Häuser bauen. Ihrer Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Gegen 13.00 Uhr kommen die kleinen Menschenkinder wieder aus dem Wald zurück. Am Bauwagen dürfen sie noch einmal ihre letzte Energie raus lassen, um dann spätestens gegen 13:45 von einem Elternteil abgeholt zu werden.

Nachteile eines Waldkindergartens

Eigentlich war ich von Anbeginn an begeistert vom Konzept Wald. Allerdings sind auch mir einige Dinge etwas bitter aufgestoßen. Zum einen passt die Betreuungszeit wirklich nur sehr begrenzt in unseren Alltag. Zum anderen finde ich persönlich sehr schade, dass die Kleinen kein Mittagessen bekommen. Wie bereits erwähnt sind diese beiden Punkten immer individuell geregelt und müssten von jedem Interessenten selbständig erfragt werden für seine Region.

Vorteile eines Waldkindergartens

Als ich zum ersten Mal von einem Waldkindergarten hörte, dachte ich „perfekt“! Genau das will ich für meinen Sohn. Er ist ohnehin am liebsten an der frischen Luft. Doch mit wachsender Begeisterung meinerseits wurden mir die Kritiker nur so auf dem Silbertablett serviert.

„Was ist denn mit der Schulförderung, in dem Jahr vor der Einschulung?

„Ja, aber so ganz ohne Mittagessen bis zwei Uhr, geht das denn?“

„Sind die Kinder denn wirklich bei Wind und Wetter draußen? Die ARMEN.“

Und viele weitere Bedenken wurden unserer Entscheidung mit auf den Weg gegeben.

Meiner Begeisterung konnten all die Bedenken nichts anhaben. Wobei die Skepsis gegenüber einem Waldkindergarten am meisten wirklich daher rührt, dass Eltern Sorge, um die schulfähig ihres Kindes haben. Dabei gibt es inzwischen genügend Studien, die besagen, dass der Wald unsere Kinder hervorragend, wenn nicht sogar besser als ein Regelkindergarten, auf die Schule vorbereitet.

Woran das liegt? Peter Häfner schrieb darüber in seiner Doktorarbeit ausführlich. In seiner Arbeit geht er auf diverse Punkte ein, die aufzeigen, wie gut ein Kind tatsächlich in der freien Natur für die Schule/das Leben geschult wird.

Vorteile

Quelle: Ein Ausschnitt der Vorteile von Peter Häfner, gefunden auf beterle.de

[…] „In den Bereichen Motivation, Konzentration und Ausdauer weisen Kinder, die einen Waldkindergarten besucht haben, bessere Werte auf als Kinder, die einen Regelkindergarten besucht haben.

Kinder, die einen Waldkindergarten besucht haben, zeigen ein höheres Maß an sozialer Kompetenz als Kinder, die einen Regelkindergarten besucht haben.

K., die einen Waldkindergarten besucht haben, können in der Schule besser „still sitzen“ als Kinder, die einen Regelkindergarten besucht haben.

K., die einen Waldkindergarten besucht haben, können in einem höheren Maß Konflikte mit anderen Kindern friedlich lösen als Kinder, die einen Regelkindergarten besucht haben.“ […]

Wie man gut herauslesen kann, werden Kinder von der Natur zu sozialen Menschen geschult. Einfach, weil sie auf andere angewiesen sind. Unterstützung von der Gruppe brauchen. Sie müssen jeden Tag lernen sich an anderen und dem Können anderer zu orientieren, um gemeinsam weiterzukommen. Julia, von Beruf Lehrerin schrieb ebenfalls einmal auf meinem Blog in einem Gastbeitrag darüber, welche Vorteile sie in einem Natur verbundenen Kindergarten für Kinder sieht und wo sie in ihrem erlebten Schulalltag die häufigsten Probleme der Kinder von heute sieht.

Mich persönlich überzeugt am meisten das freie Spiel. Erzieher im Waldkindergarten haben so gut wie keine Vorgaben an die sie sich mit ihren Spielmaterialien halten müssen. Hier wird auf die Kreativität und Fantasie der Kinder gesetzt. Ich kenne keinen anderen Weg, um die Neugier des Kindes, seiner Entdeckungsfreude und Kreativität besser ausleben zu lassen, als auf solch einem Weg.

Unsere Entscheidung

Die Kindergartenzeit ist in meinen Augen einmalig. Nie wieder können Kinder so frei und unbefangen spielen, wie zu jener Zeit ihres Lebens. Sie müssen nichts. Können alles. Das finde ich persönlich sehr schön, weshalb ich mich von Anfang an sehr vom Thema schulfähigkeit distanziert habe. Doch dank der wirklich wunderbaren Vorteile konnten wir die Nachteile schnell außen vor lassen. Auch unsere Kritiker waren nach einigen Recherchen schnell ins Bot geholt. Oft ist es zwar etwas hektisch für mich, aber mein Kind ist beim Abholen so glücklich und zufrieden, dass er sich zu Hause gleich wieder ins freie Spiel verliert, während ich für uns koche. Das es im Kindergarten kein Mittagessen gibt ist für uns auch überhaupt nicht mehr schlimm, denn dafür war er den ganzen Tag draußen und wir müssen nicht mehr zwangsläufig raus an die Luft, was wir sonst gemusst hätten, denn auch wenn in jedem Kindergarten eine Spielzeit im freien vorgesehen ist, würde sie niemals für meinen Sohn reichen, um diesen auszupowern.

Unser Sohn ist nun seit einem halben Jahr ein echtes Waldkind. Nicht nur seine Abwehr wird überragend, auch seine Freude am Kindergarten ist ungebrochen.

Einen Tag im Wald können sich alle Interssierte auf Ardhieranschauen. Das Fernsehteam begleitet die Sonnenkinder aus dem Lauterbacher Wald an einem ihrer gewöhnlichen Tage. Habt ihr darüber hinaus noch Fragen? Kommt ein solcher Kindergarten für Euch in Betracht oder seit ihr ganz froh, dass euer Kind einen Regelkindergarten besucht?

Ich würde mich sehr über einen Austausch mit Euch freuen.
Eure Alina!

warum wir uns für einen waldkindergarten entschieden haben

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Alina

Bloggerin bei Liebling, ich blogge - jetzt!
Ich bin 29 Jahre jung und inzwischen Mama von zwei Kindern. Einem Sohn (01/14) und einer kleinen Tochter (08/16). Gemeinsam leben wir am Stadtrand von Köln. Streifen durch die Wälder. Kochen, backen und tanzen zusammen.
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Comments

  1. Liebe Alina, das hört sich richtig gut an! Ich hatte letzte Woche gerade das Entwicklungsgespräch bei uns in der Kita. Die Erzieherin sagte über meine Tochter, sie sei auch gut in einem Waldkindergarten aufgehoben gewesen, da sie so gerne draußen ist. Leider war es für uns organisatorisch nicht möglich (und unsere Kita ist auch wirklich sehr schön!), aber ich freue mich, dass Ihr Euch von den Bedenkenträgern nicht habt einschüchtern lassen. Liebe Grüße, Svenja

    • Judith
    • 1. Februar 2018
    Antworten

    Danke Alina, das hört sich alles wunderbar an. Ich freue mich darauf, dass unser Sohn Jannes ab März auch einen Waldkindi besuchen darf. Wir sind schon ganz gespannt darauf, wie es ihm gefällt. Liebe Grüße Judith

    • Hanna F.
    • 1. Februar 2018
    Antworten

    Das klingt richtig schön! Bei uns im Ort gab es im Herbst eine Umfrage unter Eltern mit Kindern ab eineinhalb, ob Interesse an einem Waldkindergarten bestünde. Es soll wohl eine Gruppe am Stadtrand geben. Aber so richtig Genaues weiß man noch nicht, eine Bürgermeisterwahl steht auch noch dazwischen. Ich bin gespannt, welche Möglichkeiten es für unsere Jüngste im Sommer gibt, wenn sie in den Kindergarten kommt.

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