Du warst ein Fehler, aber der Schönste der uns je passieren konnte

Oft sitze ich vor offenem Fenster, erinnre mich zurück wie es war, als du noch nicht bei uns warst: Ich fühle die Freiheit, die Liebe zum Leben, den Hass gegenüber mir selbst, doch am Ende dieser langen Gedankenkette komme ich immer wieder zu einem Punkt – es war ein Fehler. Geld, Liebe, Fürsorge all das spielt keine Rolle. Von all dem bekommst du mehr, als genug, denn wir lieben dich alle – mehr, als du es dir je vorstellen können wirst. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem du selbst ein kleines Würmchen in den Armen halten wirst. Du bist unser aller Stolz, unser aller Leben. Ohne dich wüsste ich immer noch nicht – wer ich eigentlich bin. Du hast mich zu dem Menschen gemacht – der ich heute bin, wenn ich stolz erfüllt in den Spiegel schaue.

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Ich vermisse nichts im Leben. Rein gar nichts, all das was ich vom Leben erwarte, gibst du mir Tag für Tag. In jeder einzelnen Sekunde gibst du mir den Sinn des Lebens. Der Duft deines Haares, deine frechen Augen, die kleinen Händchen, die sich liebevoll um meinen Hals schmiegen und mir zeigen wie wichtig ich für deine Welt bin. Wie du mit überschlagenen Beinchen deine Reiswaffeln mümmelst, erinnert mich immer daran, wie ich immer groß sein wollte und nun gibst du mir meinen Frieden zurück, nachdem ich so lange vergeblich gesucht hatte. Du nimmst mich bei der Hand. Führst mich an Orte die ich längst vergessen hatte. An Orte an denen man lernt zu verweilen. Immer wieder drückst du mir Dinge in die Hand mit denen ich mich beschäftigen soll, wirfst deinen prüfenden Blick über mich, ob ich dies auch zu deiner vollsten Zufriedenheit ausfülle – meine Aufgabe.

Wenn ich nachlasse stuppst du mich an und gibst mir zu verstehen, dass ich weiter machen soll. Ich habe es verlernt mich Dingen zu widmen, die mich nicht weiter führen. Doch wie achtsam sie mich im Detail machen werden, verstehe ich leider immer viel zu spät. Gerade habe ich dich auf meinen Schoß genommen, rieche deinen Duft, versuche ihn gedanklich fest zu halten, aber für all das gibt es keine Worte. Ich kann nicht beschreiben , wie sehr ich dich liebe, wie schön dein Duft in deinem blonden Haar doch für mich riecht. Du bist vollkommen. Du warst seit dem ersten Atemzug ein kleines vollkommenes Menschlein. Alles an dir passte in diese Welt, wie der rote Mohn am Wegesrand. Es schien, als ob wir immer auf dich gewartet hätten. Doch nun stelle ich fest, dass mein tiefer Wunsch dich zu haben ein Fehler zu sein scheint. Es war zu früh für uns – dich in diese Welt zu lassen. Geld, Liebe und die richtige Art der Erziehung in all das wächst man hinein oder bekommt es kostenlos mitgeliefert, denn ich vergöttre dich seit dem ersten Atemzug deiner kleinen Lungen.

Du bist meine Welt, doch es war zu früh für uns. Für deine Eltern. Für das Paar das dir zeigen sollte wie es geht mit der Liebe. Wir waren noch nicht so weit. Konnten oft beide nicht gut genug auf den anderen aufpassen. Haben uns immer geliebt, doch scheiterten an den kleinsten Kleinigkeiten. Heute bekommst du all das mit. Siehst wie deine Eltern sich streiten und saugst es auf wie ein Schwamm. Meine Ungeduld, wenn etwas unausgesprochenes in der Luft liegt. Nie hat es etwas mit dir zu tun und doch merke ich wie sich deine Welt formt. Wie Streit und Missgunst deine Stimmung trübt. Wie du all diese Dinge schon viel zu früh kennen lernst. Es gehört dazu mein Schatz, doch du solltest es noch nicht kennen lernen in diesem zarten Alter an dem die Weichen deines Urvertrauens gelegt werden.

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Man kann sagen es sei egal, es gehört dazu, diese wenigen Stunden die nicht so sind wie sie sein sollten, aber ich sehe dich. Ich sehe deine Position im Leben. Du kommst sehr auf mich. Auf die Art und Weise die Welt zu nehmen. Du nimmst sie stets fröhlich, doch im Wesen bist du ein wenig schwermütig. Du bist ein Schwamm, der aufsaugt was er kriegen kann. Ein Wesen voller Neugier und Lebensdurst. Ich kenne dich, denn in dir, in deinen Funkelnden Augen entdecke ich meinen Hunger auf das Leben. Doch nun sitze ich hier an meinem offenen Fenster und denke, es war zu früh für uns. Wir haben uns selbst noch nicht in unserer Paarrolle gefunden. Wir akzeptieren den anderen, aber nicht seine Schwächen. Wir wollen ihn biegen, brechen und neu zusammenstellen – so wie es passt. Wir sind voller Hoffnung auf das was kommen mag, aber nicht bereit zu verzichten. Das wir war noch nicht bereit. Alle sprachen davon, dass wir kein Geld haben werden, aber wie ist Fürsorge, Frieden, eine gesunde Basis zu kaufen? Wir brauchen nicht viel Geld um dich glücklich zu machen. Wir brauchen Stärke und den Mut an uns zu glauben. Wir sind bereit zu kämpfen für dich und ein Leben in unserer eigenen Familie, denn ich will für dich die schönste Welt die ich dir mit meinen eigenen Händen erschaffen kann. Das Leben kommt noch früh genug ins Spiel. Ich werde dich nicht vor allem beschützen können, aber das Vertrauen eine Basis zu haben, die möchte ich dir gerne schenken, denn wenn du am Ende eines Tages in meinen Armen liegt weiß ich, dass du das Beste bist was diese Welt je beherbergt hat.

Es wird nie den richtigen Zeitpunkt geben, doch wir sollten uns immer wieder hinterfragen ob das was wir tun im Interesse unserer Kinder ist. Sie brauchen nicht viel. Kein Geld. Nicht viel Spielzeug, aber sie brauchen Eltern die an sie glauben. Die an sich und ihre Beziehung glauben. Die zeigen das Liebe Berge versetzt und eine Kraft ist an die es sich lohnt festzuhalten. Am Welttag der Kinder sollten wir uns unsere Fehler eingestehen und daran arbeiten, dass es besser wird.

Schön, dass Du da warst! Sehen wir uns bald wieder?

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6 comments

  1. Wundervoller Text. Wahre Gedanken. Wiederspiegelnde Gefühle.

    In deinem Text fühle ich mich aufgefangen und nicht alleine 🙂

    Alles Gute Sina

  2. “Es wird nie den richtigen Zeitpunkt geben, doch wir sollten uns immer wieder hinterfragen ob das was wir tun im Interesse unserer Kinder ist”… Ein Satz mit ganz viel Wahrheit doch sehr wenig Beachtung, selbst wenn man ihn für sich selbst ausspricht. Doch die eigenen Interessen werden oft zu denen der Kinder gemacht ohne es vielleicht manchmal überhaupt zu merken. Die Entscheidung was das beste für das Kind ist wird von den Eltern natürlich erstmal abgenommen, weil es noch nicht entscheiden kann was das beste überhaupt ist, doch ach viele Eltern vergessen das. In erster Linke natürlich die Liebe das ist unabstreitbar. Eine, was heute nicht mehr selbstverständlich ist, intakte Familie. Fragt man sich was einen selber glücklich macht und wo man sich am wohlsten fühlt ist dies meist das zu Hause und die Heimat, da wo man aufgewachsen ist und letztendlich gilt das für unsere Kinder und auch für uns denn wir sind ebenfalls Kinder von Eltern die sich diese Gedanken einmal gemacht haben. Wer eine Entscheidung trifft sollte die gemeinsam treffen und dazu gehört es für das Kind ebenfalls zu entscheiden und meiner Meinung nach diese Entscheidung nach dem Wohl des Kindes auszulegen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Der Fehler einer anderen Mutter die richtige Entscheidungen für ihren Sohn getroffen hat

  3. Liebe Alina, ich musste nun doch ein wenig weinen. Deine Worte sind so klug und so traurig. Ein Kind zu haben ist tatsächlich eine harte Probe für die Liebe. Es geht auf einmal nicht mehr nur um das Paar, in der ersten Zeit nach der Geburt fast gar nicht mehr. Ich hoffe sehr, ihr findet Eure Basis und rettet Eure Liebe, für dieses kleine Menschlein in Eurem Leben und für Euch. Ganz lieben Gruß, Martamem

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