Was tun, wenn die Kraft schwindet?

Was tun wenn die Kraft einer Mutter schwindet?

Morgens halb sechs, die erste zarte Hand berührt meinen Kopf. “Dadeiiiii” das erste leise, immer lauter werdende Tönchen klingt an mein müdes Ohr. Es ist noch eine Stunde vor dem Wecker, das erste Kind ist hellwach, dabei wurde es gestern spät, denn meine Maus fühlte sich ganz und gar nicht wohl in ihrer Haut. Seit der Große im Kindergarten ist, komme ich mir zuweilen vor wie ein gutlaufendes Uhrwerk.

Halb sieben aufstehen. Kaffee. Anziehen. Brote schmieren. Zum Kindergarten bringen. Mit Kind zwei zurück. Einkaufen, vorbereiten, dazwischen Zeit zum Arbeiten finden und wieder zurück zum Kindergarten. Jeder Handgriff sitzt. Jede Bewegung, die danach lechzt sich zurück zu schmeißen und selbst mal auszuruhen. Man wünscht sich einen Leerlauf, dabei ist alles so dicht getaktet, dass kaum Zeit für einen selbst übrig bleibt.

Und im Nacken, die Angst. Sorge, dass hier alles nicht mehr bewältigt zu bekommen. Panik davor die Kinder könnten einem auf der Nase rum tanzen, während man sich nur noch versucht mit dem Kopf über Wasser zu halten. Jede Berührung zu viel. Jeder laute Ton eine Strapaze.

Die Tage sind lang, die Nächte kurz. Die Kraft schwindet immer mehr. Ich sehe mir dabei zu, wie sich der Alltag in ein unerträgliches Hindernis verwandelt.

STOPP

Ich will das nicht mehr. Mag nicht mehr kraftlos sein. Stetig mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen aufgrund meiner körperlichen Erschöpfung umherwandern wie ein betrunkener Geist. Ich möchte das HIER und JETZT genießen. Ständig höre ich, wie schnell die Zeit doch vergeht. Ich schaue auf meinen Großen und merke selbst wie groß er doch schon ist, dabei denke ich mir, aber was ist, wenn man es, wenn man es nicht schafft bis die Zeit um ist von der alle sprechen?

Was ist, wenn man sich zu sehr verausgabt? Zu viel gibt ohne auf sich selbst zu achten?

Ich mag kein Uhrwerk mehr sein. Ich möchte nicht mehr funktionieren und sobald ein Rädchen ins stocken gerät, hackt das ganze System. Einmal nicht den Haushaltsplan eingehalten und schon läuft das ganze gut laufende System den Bach hinunter. Es soll doch Freude machen, dieses HIER UND JETZT oder?

Ich wage einen Ausbruch. Angefangen mit einem Yoga Kurs in der Mitte der Woche. Ich möchte etwas für mich tun. Suche Dinge, die ich gerne tue. Leidenschaften, die mir im Leben Freude bereiten. Ich denke, nur wenn ich selbst Freude versprühe, kann ich dies an meine Kinder weitergeben. Ihnen zeigen, wie es geht glücklich zu sein, wird sie doch am Ende weiterbringen, als stets alles dafür zu tun, sie glücklich zu machen.

Langsam wächst in mir die leise Vermutung, dass wir Eltern öfters an uns selbst denken sollten. Dass wir besser unsere Ressourcen kennen sollten, um auch mal zu sagen: “Nein, das mache ich jetzt für mich” oder “Das mache ich jetzt nur mit einem Kind, anstatt mit beiden” um am Ende des Tages wieder überhaupt keinem gerecht zu werden. Im Grunde ist es doch ganz einfach – je besser es uns geht, desto eher profitieren unsere Kinder davon. Vielleicht brauchen sie nicht all den Stress, den wir uns machen, wenn weniger bedeuten würde, dass wir unterm Strich gesehen viel glücklicher wären? Vielleicht sollten wir öfter in uns hinein hören und uns fragen: “Schaffe ich dies jetzt? Ist es auch mein Wunsch heute x y umzusetzen oder zu unternehmen?”

Der Schlüssel

Vielleicht ist am Ende eines Tages der Schlüssel zum Glück, dass wir viele Dinge eher “für uns bzw. gemeinsam” tun sollten, anstatt für einander? Dass wir mehr BEI UNS bleiben, anstatt zu überlegen, was die Anderen denken/meinen/fühlen/wollen/sagen oder tun.

Wir werden es niemals schaffen es allen recht zu machen. Wir werden die Anderen nie ändern. Im Streit werden wir es nie unbedingt schaffen Andere von unserer Meinung zu überzeugen, aber wir können damit beginnen bei uns zu bleiben und uns zu fragen, was tue ich für diesen Streit. Was ist mein Anteil an der Situation? Sollten wir vielleicht damit anfangen mit uns glücklich zu sein, und lernen uns zu verändern oder zu hinterfragen?

Ich denke jetzt ist ein ganz guter Zeitpunkt dafür. Nicht morgen, nicht übermorgen oder wann anders – heute ist es an der Zeit zu lernen sich selbst die Frage zu stellen: “Was brauche ich jetzt eigentlich?” und nicht mehr “Was ist das Beste für …?”

 

Schön, dass Du da warst! Sehen wir uns bald wieder?

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6 comments

  1. Dein Artikel spricht mir aus der Seele… Wir sollten als Eltern gut auf uns selbst aufpassen, denn damit geht es letztlich der ganzen Familie besser! Mein Herzensthema ❤️

    1. Liebe Lena,
      DU sagst es. Leider denken wir viel zu oft an die Anderen und vergessen uns selbst, aber ich denke, wenn wir es schon einmal benennen, sind wir auf einem guten Weg!

      Liebst, deine Alina!

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