Nordrhein-Westfalen // In der Betreuung der Kinder muss sich etwas ändern

Viele von Euch wissen sicherlich, dass wir uns schwer getan haben einen Kitaplatz für unseren Sohn zu finden. Letzendlich haben wir einen Platz in einem Kindergarten bekommen, der toll für ihn ist mit einem super Betreuungschlüssel, allerdings nicht wirklich kompatibel mit unseren Arbeitszeiten, da er maximal 5 Stunden am Tag dort bleiben kann. Nichtsdestotrotz bin ich erleichtert, dass er endlich mit anderen Kindern in Kontakt kommt.

Die andere Seite ist natürlich die finanzielle Komponente, da hier im Rhein-Bergischen Kreis die Kindergärten nicht kostenfrei sind. Mit der Hilfe der Familie und Zähne zusammen beißen, schaffen wir aber all das sehr gut bis jetzt.

Wie leicht/schwer hat es heutzutage eine Familie mit zwei Kindern?

Gott sei Dank, denn es sind auch einige Kinder (etwas über 200 Kinder ohne Kitaplatz in unserer Region geblieben). Damals auf die Frage, wie es mit dem Rechtsanspruch auf einen Platz aussieht, wurde mir unmissverständlich klar gemacht: „natürlich – machen Sie ruhig, aber was sollen wir Ihnen anbieten, wenn wir keine städtischen Kitas haben und keine Plätze, die wir vergeben können?“

Grund für mich auch mal auf der anderen Seite nach zu fragen: Wie sieht es denn eigentlich in den Kitas aus? Wie geht es den Erziehern, Müttern und wo würde man sich mehr Unterstützung wünschen. Gerade jetzt nach unserer Bundestagswahl und dem immer wieder so oft erwähnten Kitarechtsanspruch, der jeder Familie ab einem Jahr zusteht, was offensichtlich zumindest hier in meiner Region nicht so viel bringt, möchte ich weiter auf das Thema aufmerksam machen.

Wahlsprüche sind gut und schnell gesagt, dokumentiert, aber wie wichtig ist das Thema Betreuung in einer Zeit, in der meist beide Elternteile arbeiten gehen müssen, wirklich für Familien?

Heute möchte sich eine Erzieherin, hier aus meiner Region zu Wort melden. Sie schreibt darüber wie es bei ihr auf der Arbeit aktuell aussieht, was sie sich wünscht und was sie als Alternative zur u3 Betreuung sieht. Gerne können sich auch andere Erzieher – aus anderen Regionen, Ländern zu Wort melden, gerne auch Mamas oder Papas, die ebenfalls das Thema Betreuung als wichtig erachten und auf einen Missstand, oder ein gut laufendes System aufmerksam machen möchten. Ich möchte niemanden an den Pranger stellen oder denunzieren. Ich möchte, dass es unsere Kinder gut haben. Sie gut leben und es uns Eltern gut geht, wenn wir arbeiten und unsere Kinder in eine Betreuung geben.

Ich möchte, dass sich hier etwas ändert, wir von anderen Systemen lernen können, aber in aller erster Linie möchte ich, dass endlich verstanden wird, dass sich etwas ändern muss. Es hilft niemanden immer wieder darauf zu setzen, wie toll die Theorie aussieht, wenn es sich in der Praxis nicht umsetzten lässt.

Oder, was meint ihr?


„Kinder sollen glücklich sein, oder?“

Ich arbeite bei der ev Kirche. Ich bin in einer Kita eingesetzt. In meiner Gruppe sind 22 Kinder, davon 6 unter drei!! Theoretisch arbeiten wir zu dritt. Einer mit 39 Stunde. Ich mit 30 Stunden und die dritte Stelle wird jedes Jahr stundenmässig neu berechnet. Mal 20 std mal weniger. Wir sind zwei Gruppig. Also auch nur 7 Mitarbeiter. 4 in Vollzeit. Du bist selten zu dritt. In absolut katastrophalen Situationen bist du alleine.

Standard in der Nachbar-Gruppe.

Da arbeitet man zu 2 mit 25 Kindern!!! Das ist eine Veränderung der letzten Jahre. Mehr Kinder aber weniger Personal. Klar, wir werden mega schlecht bezahlt, aber jeder von uns hätte gerne mehr Personal, denn von mehr Geld kann man sich leider keine neue Gesundheit oder Nerven kaufen.

Die Arbeit mit den Eltern wird auch immer schwieriger. Man merkt mangelnden Respekt. Zu spät kommen ist völlig normal. Entschuldigt wird sich selten. Die Zahl von sogenannten auffälligen Kindern steigt. Durch die Gruppen Größe bist du damit überfordert und in vielen Fällen leider nicht ausreichend ausgebildet. Die Betreuungssituation auf dem Land ist denke ich oft schwierig. Hier herrscht Mangel. Ich kann mich da nicht beschweren, da ich als Erzieherin bevorzugt behandelt werde.

Mehr Plätze anbieten wird schwierig, da es definitiv an Personal mangelt. Es will keiner mehr machen. Je nachdem welche Kita ist die u3 Betreuung echt super. Wenig Kinder – mehr Personal. Ich fände es super wenn Elterngeld drei Jahre gezahlt werden würde. Es ist traurig, dass man dazu genötigt ist, sein Kind so früh abzugeben. Der Job des Erziehers wird kaputt gemacht. Leidtragende sind die Kinder. Denn die kommen zu kurz. Kita verkommt zu einer Bewahranstalt. Ich mache diesen Job nicht mehr wirklich gerne, da er mir die Kraft für meine eigenen Kinder raubt, denn meist kämpfen wir gegen Windmühlen. Das ist echt mega schade, denn der Beruf macht unter besseren Bedingungen Spaß.

Es gibt nichts schöneres als lachende Kinder …

Alina

Ich bin 29 Jahre jung und inzwischen Mama von zwei Kindern. Einem Sohn (01/14) und einer kleinen Tochter (08/16). Gemeinsam leben wir am Stadtrand von Köln. Streifen durch die Wälder. Kochen, backen und tanzen zusammen.

9 Comments
  1. Ich bin frisch ausgelernt und bin somit auch sehr motiviert, dass beste aus meinem Job zu machen. Jedoch kann ich sagen, dass viele Kolleginnen in den verschiedensten Einrichtungen unzufrieden sind mit der Gesamtsituation – Das Wort Aufbewahrung kommt sehr häufig vor – Fakt ist: Würde der Betreuungsschlüssel sich verbessern, hätte man noch mehr Möglichkeiten! Möglichkeiten den Kindern die Betreuung zu ermöglichen, die sie bekommen sollten. In der Einrichtung in der ich zur Zeit tätig bin, ist der BS gut – definitiv. 15 U-3 Kinder mit 3 Erziehern + Jahrespraktikantin. Ich glaube das gibt es definitiv schlechtere BS. Aber dennoch wäre es schön, wenn sich etwas tut, denn ich hoffe nicht, dass mir eines Tages der Spaß am Job genommen wird durch diese politischen Probleme.

    Liebe Grüße
    Nicci von http://www.gossip-gaga.blogspot.de

  2. Das hört sich wirklich nicht toll an. Mein Sohn wird im nächsten Sommer ein Jahr alt und ich muss leider wieder arbeiten gehen, des Geldes wegen. Hätte ich eine andere Möglichkeit, würde ich auf jeden Fall noch bis zum 2. Lebensjahr zu Hause bleiben. Eventuell auch noch bis zum dritten, je nachdem wie sich seine Bedürfnisse entwickeln. So aber, kann ich nur hoffen das wir einen Platz bekommen und er dort genug Aufmerksamkeit bekommt…

    Liebe Grüße Kristina von KDSecret

  3. Ich hab meine Erzieherin Ausbildung durch meine Schwangerschaft unterbrochen. Aber ob ich jemals zurück will weiß ich auch nicht.
    Die Zustände sind echt katastrophal. Bei meinem kleinen in der KiTa geht es noch, aber ich kenne viele KiTas wo es anders aussieht.
    Ich denke auch da muss gehandelt werden, genauso wie in den Pflegeberufen.
    Die Ausbildung im Erzieher Bereich ist eben auch sehr lang und dadurch das es eine Schulische ist und man maximal BaFöG bekommt nicht reizend

  4. Ich habe aus finanzieller Sicht leider keine andere Möglichkeit & muss das 2.kind 2019 in den Kiga unterbringen, da es im Dezember geboren wird & ich nicht wirklich große Chancen sehen es nach einem Jahr abzugeben bin ich gezwungen 1 1/2 Jahre zuhause zu bleiben und das heisst weniger Elterngeld.. habe jetzt schon Angst mich wieder bei vielen Kitas anzumelden und zu hoffen das ich 2019 einen Platz bekomme…beim grossen hatten wir nicht wirklich Glück und mussten mit Tagesmutter überbrücken bis wir mit 2 1/4 Ein kita-platz bekommen haben… Sabrina 34, Bochum NRW

    Ich finde es muss sich definitiv was ändern, es sollte auch Müttern die Möglichkeit geben auch im laufenden Jahr ein kita-platz zu bekommen…da heut zu Tage nicht viele Möglichkeiten haben finanziell 3 Jahre Zuhause zu bleiben und schon nach 1 Jahr oder früher arbeiten müssen…

    1. Sehr schön zu lesen, dass eine Erzieherin eine Betreuung u3 nicht favoritisiert und dies damit begründet, dass die Kinder ganz dringend soziale Kontakte brauchen!

  5. Ich sehe das Problem sowohl aus Familien- als auch Einrichtungssicht.

    Familie:
    Für die Große habe ich 5 Wunscheinrichtungen angeben dürfen. In keiner gab es einen Platz für meine damals 3jähruge, die vorher bei der Tagesmutti war. Uns wurde dann eine Ausweicheinrichtung zugeteilt. Das bedeutete für mich (damals alleinerziehend, 30h arbeitend und nebenher noch eine Zusatzqualifikation machend) eine zusätzliche Fahrt von 30-40min. Das habe ich etwa 1 Jahr gemacht und dann schließlich mit in die eigene Einrichtung genommen (außerhalb der Stadt). Der einzige Pluspunkt war, dass ich dadurch meinen Mann kennengelernt habe bzw hat meine große Tochter ihn für mich ausgesucht ;) (wenn ihr Männergeschmack so bleibt, können wir zufrieden sein). Aber die Platzvergabe war damals schon frustrierend. Derzeit sind wir wieder in diesem Verfahren und haben einen Platz für die Krippe zu 01/18 angemeldet und eine Zusage für 03/18 bekommen. Es war von Anfang an klar, dass ich die Kleine auch mit in die Einrichtung nehme in der ich arbeite. Aber natürlich wollten wir wissen, ob wir diesmal mehr Glück bei der Vergabe in der Stadt haben ;)

    Einrichtung:
    Zu viele Kinder auf zu wenig Plätze. Das ist nicht nur für die Eltern frustrierend. Bei uns gibt es Kinder, die bereits für 11h in der Krippe angemeldet sind. Schön ist anders. Die Platzvergabe macht so auch keinen Spaß. Aber man muss als Kita dann natürlich auch wieder betriebswirtschaftlich denken, da steht ja auch noch der Träger dahinter. Pädagogisch weiß man allerdings, dass familienergänzend nicht die Hälfte vom Tag sein sollte. Ich wäre dafür die Krippe generell abzuschaffen und das Geld in die Familien zu stecken. Auch Krabbelgruppen finde ich Quatsch. Die sind für den Austausch der Erwachsenen, mehr nicht. Alles was Kinder bis 3 (oder sogar älter!?) benötigen bekommen sie von Mama und Papa. Wenn Eltern denken das die Kinder in der Krippe miteinander spielen, wollen sie in der Regel nur das selbe Spielzeug, nicht weil sie „Freunde“ suchen ;)

    Ich arbeite übrigens in einer Kita in Sachsen mit einer Kapazität von knapp 300 Kindern. Da bekommt man viel mit von den Ideen, Ängsten und Einstellungen von Kindern, Personal und Eltern.

  6. Ich habe gerade erst davon berichtet wie die Eingewöhnung des Großen verlief und was ich in der kleinen Kita erlebt habe. Für mich ist es unbegreiflich wie oft es vorkommt, dass Kinder schreien und weinen müssen, weil ‚Sie da durch müssen‘. Dieser altmodische, narzisstische Erzieherschnack ist doch total furchtbar! Als Mutter wird man belächelt und für nicht kompetent genug gehalten sein eigenes Kind so lange über den Trennungsschmerz hinweg zu trösten bis es wirklich bereits dazu ist in der Betreuung zu bleiben. Eingewöhnung in 4 Tagen sind nicht selten. Und nach zwei Wochen gibt es nur noch Geschrei.
    Dabei gibt es so viele Möglichkeiten. Man kann so etwas wie Freizeitzentren mit 2-3 Betreuern einrichten, die zum Spielen und Basteln anleiten, wo Eltern jederzeit mit ihren Kindern hin können, um Unterstützung in der Entwicklung zu erhalten, eine halbe Stunde zu verschnaufen, andere Eltern zu treffen und Kinder Freundschaften schließen lassen kann. Eltern bereiten nach Anleitung vor, helfen beim Aufräumen, Kinder müssen nicht unter Trennungsschmerz leiden und Erzieher sind nicht so heillos überfordert.
    Denn auch das nicht arbeitende Volk bringt die Kinder in die Kita, weil es auch für nicht arbeitende Menschen wirklich anstrengend ist, sich 24 Stunden mit Kindern, Haushalt und all dem anderen Kram auseinander zu setzen. Das wäre eine wahre Entlastung für arbeitende Eltern, Kitas und die kitafreien Familien.
    Und dieser Zwang der Gesellschaft, dass Kinder unbedingt!!! mit dem ersten Geburtstag in die Krippe müssen, ist doch auch total furchtbar.
    Es muss generell ein Umdenken geschehen.

  7. https://lieblingichbloggejetzt.com/wenn-das-system-familie-an-die-existenz-geht/
    Ich bin über diesen Beitrag bei deinem Blog gelandet und hab ein bisschen weiter gelesen. Auch wenn etwas Zeit dazwischen liegt, muss ich sagen, dass ich doch etwas sprachlos bin.
    Es ist klar, dass Kinder Geld kosten. Dieser Tatsache sollte man sich bewusst sein, bevor man welche in die Welt setzt. Was bitte soll Vater Staat noch alles leisten?
    Ich arbeite in einer öffentlichen Kita in Österreich. Ich betreue als Pädagogin 20 Kinder, teilweise mit erhöhtem Förderbedarf, mit Unterstützung einer Assistentin und einer Hilfskraft mit 20 Stunden.
    Wenn ich Vollzeit arbeite, dann muss ich mein Einkommen halt so kalkulieren, dass am Monatsende auch noch das Essensgeld und die Nachmittagsbetreuung übrig habe. Dann kann ich mir als Elternteil halt nicht regelmäßig neue Handys und teure Markenkleidung leisten bzw muss halt die kleinere und billigere Wohnung nehmen.
    Ich kann nicht einfach mein Leben mit einem permanenten Minus auf dem Konto blauäugig in den Tag hinein leben und erwarten, dass mein Kind mit fremden Geld unterstützt wird. Kitaplätze kosten Geld, kleinere Betreuungsschlüssel kosten Geld, längere Öffnungszeiten kosten Geld – Wer hat was davon, wenn ich die Qualitätsanforderungen so lange herunterschraube, nur damit Eltern, die ihre Kinder in Kitas betreuen lassen, dass sie arbeiten können, plötzlich nichts mehr für die gebrachte Leistung bezahlen müssen?
    Lg Carmen

    1. Hi Carmen,
      Also ich fand selten einen Kommentar so frech, wie deinen. Entschuldige bitte, dass ich dies so klar kommuniziere, aber erstens:Du kennst mich nicht und weißt nicht welches Handy ich habe und wie oft ich mir eins leisten. Zudem leben wir zu viert in einer 90m2 grossen Wohnung, da mehr nicht drin ist. Wir gehen beide voll arbeiten und momentan gehen 250 Euro in die Betreuung der Kinder, was für uns echt viel Geld ist, da wir eben nicht so viel haben, aber natürlich mit zwei Einkommen berechnet werden, ist am Ende das zu zahlen. Was für uns einfach viel Geld ist. Zudem kommt das Ärgernis das der große eben keinen Kitaplatz über Mittag bekommen hat und seine Kita um halb zwei schließt. Also nochmal für mich eine Tatsache, was die Arbeit für mich erschwert. Aber gut. Ich arbeite seit ich denken kann und habe vom armen Vater Staat noch nie etwas genommen, sondern nur eingezahlt und wenn ich mir eben etwas Entlastung wünschen könnte, würde ich die Kitabeiträge senken, denn ich muss ja arbeiten gehen für die wohnung und alles. Für die Kita muss ich aber nochmal extra Arbeiten gehen und das finde ich schade. Und ich bin bestimmt kein Härtefall.

      Nun ja. Es ist wie es ist.

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