Hätte ich das gewusst, dann …

säße ich jetzt ganz bestimmt nicht mehr hier.säße ich am Strand
Am Wochenende hatte ich Besuch von einer wirklich wahren und einzigartigen Freundin. Manchmal denke ich sogar sie ist mehr als das, denn bei ihr kann ich sein wie ich bin. Also wirklich so sein wie ich bin. Sie hat ihren Weg, aber alles andere ist auch okay. Und ihren Weg geht sie auch nicht, weil sie es muss, nein einfach weil sie es möchte: ohne Zwang und Druck.

Wir beide kennen uns aus Kindheitstagen, wenn wir genau sind, dann kennen wir uns seit unserer Geburt, seit dem ersten Tag unseres Lebens, denn unsere Eltern waren seit je her miteinander befreundet. Zwischenzeitlich haben wir uns eine Weile aus den Augen verloren doch nun begleiten wir den jeweils anderen wieder auf seinem Gang des Lebens. Warum ich das alles erzähle? Weil es mir mit ihr anders geht. Wenn sie da ist, bin ich ein anderer Mensch. Ich hatte es nicht für möglich gehalten doch am Wochenende war ich so entspannt und zufrieden wie seit Wochen nicht mehr. Mein kleiner Mann machte mich auf diesen Zustand aufmerksam, denn er war es auch.

Wir beide waren einfach nur da: ohne Zwänge ohne Verurteilung. Einfach nur wir – wir waren da. Und dann war sie wieder weg und ich dachte dieses Gefühl bleibt ein wenig, doch nur einen Tag später schon fing ich an zu merken, dass ich mich verändert hatte. Am Abend eines sehr anstrengenden Tages, weil wieder jeder an mir am rum ziehen war merkte ich auf einmal wie die alte Anspannung langsam aber sicher in mir hoch stieg und Besitz von mir ergriff. Nun ist sie wieder da wie eh und je und ich frage mich: Was hat sie was ich nicht habe? Woher nimmt sie diese Ruhe? Und wieso fällt es mir so unwahrscheinlich schwer mich von diesen Forderungen und Wünschen abzukapseln und mich innerlich davon frei zu machen.

 
Ich weiß woher mein Problem kommt. Mein Problem kommt aus verschiedenen Tiefen unserer Familienstruktur. Jeder hat etwas zu einem Thema zu sagen und schaut nicht darauf wie es mir damit geht. Nebenher laufen diverse andere parallel Strukturen, wie ein Mann im Aufzug der mich permanent darauf hinweist, dass ich noch einmal hoch in die Wohnung müsste um meinem Kind seine vergessene Mütze anzuziehen.

 
Mich fragt er nicht ob ich meine vergessen habe. Würde ihm sicherlich auch nie einfallen, denn ich bin ja schon groß. Mein Kind aber nicht! Nun in diesem Satz steckt aber quasi der Kern der Sache ebenfalls mit enthalten und zwar MEIN Kind. Nichts seins, nicht das meiner Mutter, nicht das der Mutter meines Freundes und auch nicht das Kind eines anderen Menschen dieses Universums. Nein – Meins!

 
So und trotz all der lieb gemeinten Ratschläge haben wir nun ein Problem, denn ein Ratschlag ist gesagt, arbeitet nach, stellt eine Forderung auf und lebt. Dieser Ratschlag ist einfach so gesagt und auch sicherlich gut gemeint doch damit leben muss nur einer und das bin ich.

 
Wenn es so weit ist und mein Kind eine anstrengende Zeit verlebt sind nämlich die Menschen die sagen was ich tun und lassen soll nicht da, sondern nur ich und eben jene Ratschläge. Man könnte nun meinen: Wirf sie doch einfach über Bord, aber Leute ganz ehrlich, so sind wir Menschen einfach nicht gestrickt.

 
Auch das ist ein gut gemeinter und toller Ratschlag, aber das nervige an ungewollten Ratschlägen ist eben die Tatsache, dass wir sie uns zu Herzen nehmen. Unbewusst oder bewusst, das ist das Übel. Einmal ausgesprochen leben solche Sätze wie: „ Ich finde ihr macht das super, aber…“ eine ganz schön lange Weile und dagegen kann man im Zweifel auch nicht viel tun, denn schon ohne solche Sätze kritisieren wir Mütter und Tag für Tag und fragen uns ob wir in der oder der Situation richtig gehandelt haben oder es Verbesserungen gibt, die wir anstreben müssten. Auch das ist entweder ein sehr bewusst erlebter Prozess oder ein unbewusst erlebtes Dilemma, denn am Ende machen wir unseren Job sehr gut, sonst würden wir uns nicht mit solchen Dingen zu Hauf auseinandersetzen. Es zeigt eben nur wie reflektiert und bewusst wir an dieses Thema: Unsere Kinder heran treten und wie viel Herz dabei mitspielt.

 
Nebenbei gesagt weiß ich auch, dass keiner dieser liebevollen und mitdenkenden Ratschläge eine Böse Tat ist und doch kann ich sie einfach nicht mehr ertragen. Ich bin voll, innerliche Überladen und rastlos. Zeitweise habe ich das Gefühl nur noch zu funktionieren. Das traurige daran ist nur, dass der der an dieser Tatsache leidet mein Sohn ist, denn er ist bei mir und bekommt meine Hilflosigkeit und die nacharbeitenden Ratschläge ab.

 

Wenn sich daran noch Dinge anschließen wie: „ Kannst du eben mal schnell deine Schwester dahin fahren und das schnell und jetzt und ..“ hilft das der gesamt Situation nicht weiter, denn hier bei mir sehe ich niemanden der nach meinem Befinden, meinem Innerlichen wohl sich erkundigt, aber vielleicht ist auch das, dass Leben einer Mutter, denn wenn ich sage, dass ich nun in meinen Beruf wieder einsteige und direkt 6 Tage am Stück arbeite mit drei Nächten ist die Frage: „ Oh dein armer kleiner und die Betreuung? Er braucht Beständigkeit und Regelmäßigkeit.“ Ja das braucht er, aber was brauche ich? Ich war ein Jahr lang mit ihm zusammen und nicht nur er muss sich lösen. Ich auch und das fällt mir schwer, sehr sogar!

 
Zurzeit lebe ich in einer mir völlig fremden Situation, denn mein Kontingent an Ratschlägen oder Sätzen wie: „ Oh der Kleine hat ganz kalte Hände“, „Oh der Kleine hat gar keinen Fußsack“ „ Sollten wir nicht lieber“ „ Ihr macht das toll, aber …“ etc. ist voll. Dieser Topf der diese Sätze lieb und behütet aufgenommen hat ist nun überfüllt und aus diesem Grund könnte passieren, dass ich den armen Mann im Aufzug das nächste Mal etwas unlieb darauf hinweisen muss, dass mein Sohn als heutige Erziehungsmaßnahme bei -10 Grad ohne Mütze an die frische Luft muss.

 
Ich weiß nicht, ob ich auf der Stirn stehen habe: „ Ich bitte um Ratschläge“ oder warum sonst tausende von diesen auf mich niederrieseln, ich weiß nur eins: hätte ich das gewusst, wäre ich vor meiner Schwangerschaft ausgewandert und säße jetzt friedlich mit einem Cocktail mit Schirmchen und einem hübschen Kleid am Strand vor einer wundervoll dekorierten Strand Hütte und würde mir die Sonne auf meinen Streifen besetzten Astralkörper scheinen lassen.


Ich selbst muss irgendwie einen Weg finden um aus dieser Spirale auszubrechen, dafür nutze ich das am Wochenende erlebte Gefühl und begebe mich nun auf diese lange und anstregende Reise zu mehr Ruhe. Meine Aufgabe kenne ich inzwischen, nun muss ich mich auf den Weg begeben um sie zu lösen und wenn alle stricke reißen, habt ihr vielleicht schon eine leise Ahnung wo ihr mich finden könnt – in diesem Sinne, auf ganz bald.

Eure an euch denkende Alina!

Alina
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Bloggerin bei Liebling, ich blogge - jetzt!
Hier schreibt Alina, Mama von zwei Kindern, 28 Jahre jung und wohnhaft am Stadtrand von Köln. Meine Leidenschaft gilt dem Schreiben, Reisen und Leben in meiner kleinen Familie.
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Schön, dass Du da warst! Sehen wir uns bald wieder?

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