Mittwochsfrage // Bin ich falsch, nur weil ich „anders“ bin!

Ich bin nicht falsch, nur weil ich nicht so bin wie ihr

ICH BIN NICHT FALSCH! Mein ganzes Leben laufe ich mit dem Gedanken durch die Welt, dass ich „falsch“ bin. So wie ich bin, nicht richtig. Dünner wäre besser. Anders wäre besser, aber so langsam dämmert es mir, dass ich SO wie ich bin, vielleicht doch richtig bin. Und zwar für mich.

Ich bin nicht dünn. Entspreche nicht DEM Schönheitsideal der Gesellschaft. Stetig und ständig habe ich mir die aller größte Mühe gegeben, um genau diesem Bild zu entsprechen. Habe mich gehasst für das, was ich im Spiegel zu Gesicht bekam. Nicht weil ICH es falsch fand, sondern weil ich das Gefühl hatte, dass es falsch zu sein scheint.

Aber, was ist denn überhaupt „richtig“? Wer bestimmt denn überhaupt was schön eigentlich bedeutet?

All die aufmunternden Worte meiner Mutter halfen nichts. Sie taten nur noch mehr weh, da ich dachte, wenn sie sich schon dazu äußert, ist wirklich irgendwas nicht richtig mit mir. Ich sah meine Kilozahl auf der Wage und versaute mir damit meinen eigenen Tag. Meine fröhliche Laune von jetzt auf gleich ausgelöscht über Jahre. Es tat mir weh mein Spiegelbild ertragen zu müssen. Das ganze Fett, das da an mir herumhing. All das, was ich mir vom Leben wünschte – zu Nichte gemacht, einzig und allein durch ein paar Kilo zu viel auf der Wage. Ich wollte dazugehören. Sein wie die Anderen, aber irgendwie schien ICH nicht zu reichen.

Meine Träume zeichneten mir auf, wie ich gerne sein würde. Offenbarten mir die Frau, die ich gerne sein würde. Schlank mit wunderschönen Kurven und langen braunen Haaren. Ein Mensch an dem die Welt nicht vorbei kam, ohne sich nach ihr umzudrehen.

Irgendwann vor ein paar Jahren, an einem Tag, an dem ich meinen kleinen Mann mal wieder die ganze Nacht durch die Gegend gechleppt hatte, mein ganzer Körper erschöpft war von zu wenig Schlaf, aber so glücklich, dass keine Gedanken für schlechte Gefühle blieb, begegnete mir eine junge Dame. Wir kamen ins Gespräch und irgendwie durch Zufall polterte es plötzlich aus ihr heraus: „Weißt Du eigentlich wie schön Du bist?“ Leicht verdutzt, begann ich schallend zu lachen. Heute? Jetzt? Im Ernst? An einem Tag an dem ich mir nicht einmal Mühe mit meinem Make-up gegeben hatte?

„Ja, heute – jetzt und hier und ich denke eigentlich immer“

Ich dachte zurück an all die seelischen Schmerzen, die ich mir im Grunde nur selbst angetan hatte. An all die Jahre in denen ich all die gesagten Worte viel zu ernst genommen hatte, um mir meinen eigenen Tag zu zerstören. Mein Selbstbild. Jetzt, just in diesem Moment in dem ich dort so müde stand, wie noch nie in meinem Leben, so unvorbereitet auf diese Worte, die mich mitten ins Herz trafen, wusste ich plötzlich, dass ich nie „falsch“ war.

Dass kein Mensch je falsch ist, weil er dem Schönheitsideal der Gesellschaft nicht entspricht. Wir alle haben so viel mehr zugebeben. So viel mehr zu erzählen, als ein lästiges Ideal, dem wir im Grunde alle nicht entsprechen.

Heute schaue ich auf so viel mehr Kilos herunter als es vor zehn Jahren auch nur ansatzweise der Fall zu sein schien mit nur einem Unterschied, ich habe keine Zeit mehr drüber nachzudenken. Ich fühle mich nicht mehr „falsch“, denn warum auch? Ich leiste täglich weit mehr als meine Kräfte manchmal meinen zulassen zu können und dennoch bewältige ich die Herausforderungen, die anstehen. Ich bin nicht falsch und ich bin es nie gewesen.

Obwohl es mir meine Jahre, in denen ich sehr gelitten habe nicht zurück gibt, gibt es mir meinen Frieden, denn heute laufe ich des Laufens wegen, nehme ab, der Gesundheit wegen.

Ich bin angekommen. Hier – bei mir und das ist schön. Es fühlt sich gut an. Richtig. Endlich weiß ich, dass es kein Schönheitsideal gibt dem ich entsprechen muss, es kommt drauf an, dass ich mich wohl fühle. Wir alle sollten lernen einander mehr zu akzeptieren, findet ihr nicht auch?

 

In Liebe, eure Alina!

Schön, dass Du da warst! Sehen wir uns bald wieder?

6 comments

  1. Liebe Alina, ein wunderschöner Beitrag und das stimmt tatsächlich „Du bist eine schöne Frau!. Auch ich habe mehr als 10kg mehr drauf als in der Schwangerschaft. So langsam gewöhne ich auch mich selbst zu mögen. Auch meine Tochter sagt, ich sei eine schöne Mama 😉 Das gibt mir Kraft!

  2. Hast Du sehr schön geschrieben. Die Verletzungen anderer, tut immer noch weh,aber jetzt mit über 40 denke ich,so bin ich und so bleibe ich,mit all meinen Fehlern,mit all meinen Farben 😉 …ich mag mich…der Weg dahin war lang und ich hoffe das kein Mädchen mehr so fühlen muss, Filme wie Embrace oder solche Beiträge wie Deine helfen dabei..Danke

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