Irgendwas mit Weihnachten (18) : die Macht des Glaubens

{ Fröhliche Weihnachten }  Wie versprochen blühen zum Fest die ersten Knospen des Barbarastrauches... Es gibt nichts schöneres ❤️ Allen tolle Festtage

Unten im Wald ist es still, sehr still für die Verhältnisse von Eika dem Eichhörnchen, dem alten Dachs und all den anderen Tieren des verwunschenen Waldes. Ein Fest steht an. In ein paar Tagen ist Weihnachten und nun ist es kurz vor den Tagen verdächtig ruhig im Wald.

Fipu, dem Reh des Waldes klingt noch die gestrige Geschichte des Windes in den Ohren. Die Geschichte eines Freundes, eines ganz besonderen Freundes, Amorak. Wenn er ehrlich zu sich war, hatte auch er einmal genau solch einen Freund.

Er hatte im Leben die treuste Freundin gefunden. Eine Freundin die mit ihm gemeinsam ihren Lebensweg teilen wollte. Sie lernten sich vor vielen Jahren beim Fliegen kennen, als sie beide zum ersten Mal – an Weihnachten, den großen Schlitten des Weihnachtsmannes ziehen durften. Sie beide vorneweg. An Weihnachten die größte Ehre für ein Rentier.

Während sie flogen unterhielten sie sich den ganzen Weg. Sie redeten den Weg hin und zurück und noch bis spät in den Feierabend hinein. Es schien, als hätte Fipu seine Seelenverwandte gefunden.

Noch viele Tage nachdem gemeinsamen Gespann am Waagen des Weihnachtsmannes trafen sie viel. Fipu und Mali, so hieß sie – das hübsche Rentier aus dem Gespann vom Weihnachtsmann, lernten sich mit der Zeit immer besser kennen und lieben.

Nach fünf Jahren eines gemeinsamen, erfüllten Lebens wurde Mali schwanger. Sie trafen als Familie den gemeinsamen Entschluss das Leben im Himmel, in ihrem schönen Haus auf Wolke vier, gegen ein solides Leben im Wald einzutauschen. Sie zogen sich zurück, weit Weg vom Himmelreich und dem verwunschenen Job eines Weihnachtsrehs. Sie tauschten ihren Job, gegen das perfekte Familien Leben. Fipu und Mali waren sich einig – sie wollten sich und deswegen zogen sie an die schönste Lichtung des Waldes. Dort wo sich alle Tiere abends trafen und gemeinsam den Ausklang eines tollen Tages feierten. Der Dachs, das Eichhörnchen, die Maus, dort trafen sie sich abends alle wieder.

Kurze Zeit später geschah etwas unerwartetes: Fipu und Mali mussten dem Weihnachtsmann ein letztes Mal aushelfen. Sie mussten ihm unter die Arme greifen und ein letztes Mal den großen Schlitten ziehen. Fipu hatte bedenken, doch Mali kannte die zarten Seelen der Kinder zu gut. Obwohl Mali hoch schwanger war, sagte sie dem Weihnachtsmann zu. Sie schaffte es mit ihrer unbekümmerten Art Fipu zu überreden. Am 18.12 starteten Fipu und Mali ein vorletztes mal die große Kutsche des Weihnachtsmannes. Vor der großen Fahrt am Heiligabend fand immer eine Probefahrt mit allen ziehenden Rentieren statt, damit am grossen Abend alles glatt laufen konnte.

Unerwartet kamen sie bei dieser Probefahrt in einen großen Sturm. In einen Sturm, der ihr Leben veränderte. Mali erwischte es. Plötzlich kam aus dem nichts ein großer, brauner Ast. Er traf sie so schwer, dass sie sich nicht mehr auf der Himmelstraße halten konnte. Sie drohte die ganze Truppe mit in den Abgrund zu ziehen. Die ganze Truppe stand urplötzlich vor starken Schwierigkeiten. Mali musste von der Gruppe getrennt werden. Fipu konnte es nicht, er konnte sie nicht alleine in den Abgrund stürzen lassen und riss sich mit purer Entschlossenheit von dem Gespann des Wagens los. Gemeinsam stürzten sie in ein endlos wirkendes Loch.

Als sie unten im Wald mit einem großen Knall aufkamen, hörte Fipu die bekannten Geräusche des Waldes, die bekannten Geräusche der Nacht, doch das ihm wohl vertrauteste Geräusch, dieser auf einmal so klein wirkenden Welt, konnte er nicht mehr vernehmen: das leise, zufriedene Glucksen seiner geliebten Mali war verschwunden.

Dieser Tag veränderte Fipus Leben. Von jetzt auf gleich, war er nicht mehr der Alte. Er hatte die Liebe seines Lebens verloren. Die Frau, die ihn immer wieder daran erinnerte, dass das sein Leben einen Sinn zu haben schien. Hätte er nur einen Wunsch freigehabt, wäre er an der Stelle von Mali fortgegangen. Er konnte sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen.

Fipu vermisste sie. Er vermisste ihre Art die Dinge zu schildern. Ihre Art die Welt zu beobachten. Er vermisste jede Phase ihres Körpers. Ihre warmen, ruhigen Hände, die Geduld die sie mit ihm gehabt hatte. Ihre Worte und ihre Gabe ihre gemeinsame Zeit in jedem Moment, als das schönste anzuerkennen was diese Welt, je für sie bereit gehalten hatte.

Oft sagte sie zu ihm: “Weißt du mein lieber Fipu, du musst mir versprechen, wenn ich irgendwann einmal nicht mehr Teil deines Lebens sein sollte, dann erinnere dich an unsere Zeit. An dieses wundervolle Geschenk, dass uns Gott für immer zu Teil werden ließ. Egal wie lang wir eine gemeinsame Zeit haben, diese Zeit die wir haben, wird uns niemand mehr nehmen. Sie wird uns immer verbinden.”

Wenn er an ihre Worte, an ihre sanfte Stimme zurück dachte – musste schwer mit sich kämpfen, denn Mali hatte Fipu von der ersten Sekunde an zu einem besseren Menschen gemacht. Sie hatte ihn gelehrt zu lieben, zu geben und an die Welt zu glauben. Doch am aller wichtigsten, sie hatte ihn von Herzen geliebt. Sie hatte Fipu aus tiefstem Herzen geliebt und er hatte es zugelassen. Er hatte es zugelassen von Mali geliebt zu werden, eine Erfahrung, die er zwar heute gerne verdrängen würde, aber die sicherlich die Schönste Zeit seines Lebens gewesen sein musste.

Als sie von ihm fortging verblasste jedes Leben in Fipu. Von jetzt auf gleich schlug in seiner Brust kein Leben mehr. Habgier, Geiz und Hass machten sich tief in seiner Brust breit. Er zog sich zurück. Er zog in die hinterste Ecke des Waldes. An einen Ort den keiner kennen wollte. An einen Ort an dem im Jahr niemals die Sonne schien.

Fipu glaubte nicht mehr an die Tiere, an ihre Freundschaft und an das Leben, die Liebe im Wald. Das einzige, an das er sich noch traute zu Glauben war sein erspartes Geld, dass er geizig wie er geworden war – Tag ein Tag aus zählte und zu kleinen Häufchen zusammen legte.

Er war einsam und verbittert geworden, doch nicht genug, der goldene Rubel hatte alles Gute in seinem Leben zu ersetzen gewusst.
Fipu hatte jeden Glauben verloren und durch Gold ersetzt. er hielt sich an dem Glauben fest, dass man ihm dies nie weg nehmen konnte. Als er gerade seine Gedanken so weiterspann, klopfte es kurz vor dem Heiligenabend an seiner Tür des kleinen Häuschens, in der hintersten Ecke im dunkelsten Teil des ganzen Waldes.

Er hatte noch nicht einmal die Tür geöffnet, als er schon so laut schrie, dass ihn der ganze Wald hören konnte: “Ja bitte?”
Als er die Tür öffnete, sah er nur eine kleine, helle, glitzernde Linie, die ihm einen Weg weiste. Einen Weg tief hinein in die Tiefen des Waldes.
Sauer wie eh und je, doch gepackt von der Neugier schnappte er sich seinen Morgenmantel und machte sich auf den Weg der Spur zu folgen.

“Eh du, wehe du veräppelst mich..”

Nichts antwortete.
Als er nach zehn Minuten immer noch keine Ahnung hatte, wohin er sich gerade fortbewegte, wurde er nervös.
“Wer ist denn überhaupt da?

Ein ganz leises: “Psssst” … hallte durch den dunklen Wald.

“Willst du mich veräppeln? Wer bist du? Sag doch was, wohin gehen wir denn eigentlich. Ich schwöre, ich geh gleich um!”

Doch zu groß war die Neugier in Fipu um jetzt die Kehrtwende anzustreben. Er merkte das der Wald ungewöhnlich friedlich wirkte. Ähnlich, wie genau vor einem Jahr. Ein Tag an den er sich nicht gerne zurück erinnern wollte, denn es war mit Abstand der schwärzeste Tag seinen Jahres. Der Grund warum Fipu das Weihnachtsfest nicht mehr kannte.

Während er so ging, dachte er nach: Fipu jetzt halt die Klappe, Kopf sei leise, das kann doch alles gar nicht sein!

Er mochte sich nicht erinnern, deswegen verstummte er und folgte immer weiter dem so friedlich wirkenden Strahl des Waldes.

Noch zehn Minuten stampften sie durch das Dickicht des tiefen Waldes bis sie an eine Lichtung trafen mit alten Bekannten: die Maus, der Dachs, alle waren sie gekommen. Alle lächelten sie, als sie ihren alten Freund Fipu, nach so langer Zeit wieder sahen. Sie hatten ihn vermisst, denn was er nicht wusste, auch er hatte etwas ganz besonderes, ein Lachen das die Welt nie vergaß. Wenn er lachte, regnete es Sternschnuppen in allen Farben, die ihr euch vorstellen könnt. Seitdem 18.12, vergangenen Jahres hatte es dieses Feeuwerk nie wieder gegeben, denn nicht nur Mali verschwand für den Wald, auch Fipu verstummte für eine lange Zeit, irgendwo tief im Wald.

So könnt ihr euch die Freude der Tiere vorstellen, nich? Alle hatten sie Tränen in den Augen, als der gealterte Fipu die Lichtung betrat. Und als sie sich alle tief in die Augen sahen das unfassbare, die Lichtung erhellte in Farben die der Wald bisher noch nie gesehen hatte. Sie erhellte in den aller schönsten Farben, die mit Worten kaum zu beschreiben wären: die Lichtung glich einem Wunder und Mitten aus diesem Wunder trat Mali.
Mali, die süße Renfrau, so wunderschön, wie an jenem Tag, als Fipu sie zum letzte Mal, an ihrem letzten gemeinsamen Morgen auf die Stirn geküsst hatte.

Da stand sie und erhellte mit ihrer Schönheit die ganze Lichtung in eine wunderschöne Lichtermeer. Das schönste, dass der Wald je gesehen hatte.

Glaubt mir Kinder und liebe Leser, wenn ihr an diesem Ort gewesen wärt, wüsstet ihr, wie sich Wunder anfühlen müssen.

Langsam glitt Mali auf ihren geliebten Freund Fipu zu: “Mein armer, kranker Freund. Mein geliebter Fipu was ist nur mit dir passiert?”
“Aber Mali, Mali.. Du….”
“Psssst…”

Und da erkannte er dieses bedächtige, ruhige, besonnene psst des Waldes. Sie war es, die an seiner Tür geklopft hatte und hier her gebracht hatte.
“Fipu, mein geliebter Freund, erinnerst du dich denn überhaupt nicht mehr an meine Worte? An meine Worte, wenn ich nicht mehr sein sollte? Du solltest weitermachen, du solltest Leben!”

Er wurde böse: “Das sagst du so einfach Mali. Du hast ja gar keine Ahnung wie schwer es ist, einfach weiter zu machen. Denkst du, dass habe ich nie versucht? Aber wie soll ich es schaffen, wenn ich stetig deinen Geruch in der Nase habe und jeden Tag mit dem Gedanken aufwache, dass du nie wieder neben mir aufwachen wirst, das du nie wieder da sein wirst, du mich nie wieder berühren wirst, dass ich dir nie wieder meine Geschichten erzählen kann und du wieder mit mir Lachen wirst. Sag mir Mali, wie soll ich einfach so weitermachen?”

“Aber mein lieber Fipu, du kannst mir doch all deine Geschichten erzählen. Ich höre jede Minute deiner Gedanke. Ich bin immer bei dir!”
Vorsichtig berührte sie sein zu Stein erstarrtes Herz. Tränen stiegen in ihm auf. Sein Herz begann zu bröckeln: “Mali, ich vermisse dich!”
“Ich weiß mein Herz, deswegen bin ich heute hier. Erinnerst du dich noch an unseren gemeinsamen Tanz?”
“Oh Mali, ja das tue ich.”

Von irgendwoher begann Musik zu spielen. Fipu fasste Mali vorsichtig an ihre zarten Hüfte und sie tanzten, tanzten eine lange Zeit, bis die ganze Tierschaar rund herum um die Lichtung mit einstimmte. Als die Musik drohte zu verstummen begann Fipu aus tiefstem Herzen zu lachen.
Er lachte aus tiefstem Herzen und mit seinem Lachen schauten die Menschen in den Himmel und riefen einander aufgeregt zu:

“Sternschnuppen..  Seht mal. Wir dürfen uns alle etwas wünschen”

Mit Fipus Lachen erinnerten sich die Menschen wieder an ihre Wünsche. An ihren Glauben und die Kraft der Hoffnung. Hoffnung die, die Menschen unerklärlicherweise auf der Erde lange verloren schien.

An jenem Tag lernte Fipu wieder zu glauben. Er prägte sich tief in sein Gedächtnis jede Phase der wunderschönen Mali ein. Er prägte sich den Moment ein, indem ein Wunder  sie wieder zueinander brachte.

Sie verbrachten den ganzen Tag miteinander, erzählten, lachten, wie in alten Zeiten. Warum hatte ihnen das Schicksal diesen Tag geschenkt? Kinder, das will ich euch verraten: weil Mali nie aufgehört hatte an Wunder zu glauben, schenkte Ihnen das Schicksal diesen Tag für die Ewigkeit.

So lange bis Fipu für immer zu ihr kommen würde, doch bis dahin wird noch eine lange Zeit vergehen, denn er hat noch viel zu tun. Fipu zog wieder hinauf in den Himmel. In das wunderschöne Häuschen auf Wolke vier. Und liebe Kinder, wenn ihr heute die Pracht der Sternschnuppen seht, erinnert euch daran, dass wir niemals aufhören dürfen, uns Dinge zu wünschen.

Wir dürfen niemals aufhören zu Glauben.

Und wenn ich heute die Augen schließe, sehe ich Fipu, der auf seiner Wolke sitzt und glücklich lacht!

Adventsgeschichte

Morgen geht es bei der lieben Jessi, auf dem Blog feiersun.de mit der Geschichte weiter …

Schön, dass Du da warst! Sehen wir uns bald wieder?

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3 comments

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