Verdammter Mist! Warum sind Kinder nur so anstregend?

Ich erfuhr von meiner Schwangerschaft und im gleichen Moment dachte ich: ” Ach, das kriegen wir schon alles irgendwie hin” Ich verkündete mit leichter Panik meinem Freund von seinem Glück, dass er nun bald Vater werden würde. Er musste sich setzen, ein wenig bleich um die Nase, vielleicht sogar ein wenig geschockt. Seine Reaktion war nicht annährend so luftig, fluffig leicht wie meine ein paar Sekunden zuvor. Im Gegensatz zu meinen Worten, klangen seine eher so: “Meine Jugend ist vorbei und das mit 24 Jahren”

Mit 24 Vater die stolze Karriere eines Paares das nicht aufgepasst hatte.

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Doch nun war es so und wir mussten da durch. Alle Ausreden von Antibiotikaeinnahme bis hin zu, aber es ist doch sonst immer gut gegangen nützen nichts, denn nur war das Ei da und begann den Lauf seines Leben zu vollziehen.

Ich war davon überzeugt, dass wir das hinkriegen würde, er haderte immer mal wieder und wurde übermannt von Schwächeanfällen. Oft hörte ich die Worte: ” Naja, ein Kind ist kein Kind” und so nahm ich es noch lockerer. Wenn mein Freund mit Zweifeln an mich heran schlich, sagte ich immer und immer wieder die gleichen, zuvor an mich heran getragenen Worte: ” Ein Kind ist kein Kind, das läuft so mit.

Wer mich kennt, weiß vielleicht, dass es gar nicht so viele Möglichkeiten gibt mich von einer bestehenden Meinung abzubringen. Alle positiven Mantren bestärkten mich nur zunehmend in meiner Ansicht und machten es meinem Freund nur noch schwerer. Dass es ihm einzig und allein darum ging verstanden zu werden, verstand ich wie vieles andere erst zu spät.

Es läuft so mit

Heute kann ich zu dem Punkt, das Kind läuft so mit somit nur eins sagen und zwar, das es zwar mitläuft, aber mit 99%iger  Wahrscheinlichkeit leider genau in die andere Richtung, als du und sich damit zielstrebig in eine Gefahrensituation begibt.

Nämlich geradewegs zu auf viele starke Autos, die ich mit meiner Erschöpfung zwar nur noch als schnelle Schatten erahne, aber immerhin weiß ich aus meiner eigenen erlebten Erziehung, dass diese Schatten gefährlich sind und bleiben, egal wie und in welcher Art man sich ihnen nähert. Sie werden im wahrscheinlichsten Fall nur noch gefährlicher, je kleiner und unauffälliger du bist.Dass es bis zum Erkennen einer Gefahrensituation, so ein langer Weg zu sein scheint -stellt für mich eine Erkenntnis da, die erst einmal verinnerlicht werden muss.

Erinnerung6Das erste Jahr

Das erste Jahr verflog wie im Flug und die ersten Monate kam ich im Paradies an. Stillen tat weh und teilweise überkam mich eine Welle des Schmerzes wie viel ich denn noch auszuhalten hätte, aber dies ging wie alles andere auch – vorüber.

Die Nächte waren von Anfang an okay. Das Kind schlief und ich betrachtete es. Es war mein Accessoire. Den ganzen Tag lief ich draußen umher von einem Café ins nächste, wenn er anfing zu meckern legte ich ihn an meine Brust an und weniger später schlief er Seelen ruhig weiter. Es war herrlich – ich naiv, der schönste Sommer meines Lebens.

Als irgendwann die Zeit kam, als er mehr schaute – machte ich das Verdeckt auf und er schaute in den Himmel und die Baumkronen. Wirklich viel machte mir diese Inszenierung der Natur nicht aus, denn dieses interessante Bild hatte die Natur schließlich selbst geschaffen ohne großes Einwirken meiner Wenigkeit.

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Irgendwann wollte er meine Brust nicht mehr, so kamen die ersten Zweifel. Doch auch hier vertraute ich auf meinen Instinkt und fand eine Lösung. Mini vertraute mir und zog gehorsam mit Mama an einem Strang.

Er aß Brei und wirkte zufrieden mit dieser Erneuerung in seinem noch so kleinen Leben.

Hin und wieder ereilten uns schwierige Tage, vergleichbar mit einem Orkan der durch ein 100 Einwohner Dorf fegt und spurlos wieder verschwindet. Was zurück bleibt ist lediglich eine große Verwirrung und ein je nach Stärke zu behebender Sach & Emotionsschaden. Im Großen und Ganzen ging aber alles seinen gewohnten Lauf.

Neue Herausforderungen

Inzwischen läuft er, testet seine Grenzen aus, wirft sich auf die Erde und hat von Gefahr so wenig Ahnung wie ich in etwa von der Relativitätstheorie.

Mein an sich so fundierter und un-ausschöpfbarer Wortschatz hat sich inzwischen, zu meinem großen Verdruss, auf das Wort “Nein” in allen Tonlagen beschränkt und reicht von hysterisch zu wütend über Pantomimisch, wenn ich im Flur die Nachbarn höre.

Mein inneres Nervenkostüm hat sich in ein Hauch von Nichts aufgelöst und bis Fasching nächsten Jahres – mit großer Sicherheit verabschiedet. Inzwischen stehe ich vor ungeahnten Herausforderung. Ich muss mich entscheiden zwischen einem zu erwartenden geizigen Kind, da es zu oft nein in seiner Erziehung hören musste oder einem Kind, dass keine Grenzen kennt, da seine Mutter irgendwann den Erziehungs Auftrag an den Nagel hing und sich mit dem letzten Rest ihres Nervenkostüm in Luft auflöste.

Gefahrensituationen

Wäre da nicht der Punkt, Gefahren und Risiken kennen und einschätzen lernen wäre ich mit Sicherheit auch schon in irgendein Loch das sich des Öfteren vor mir auftut verschwunden. Doch nun muss ich da wohl oder übel durch. Manche Dinge sind mir auch einfach zu wichtig um sie dem Schicksal zu überlassen. Jetzt habe ich diesen Auftrag und werde ihn erfüllen, zur Not muss ich eben einen Superwomen Anzug in Auftrag geben bis mein Nervenkostüm sich dazu entscheidet wieder zu mir zurück zu kehren. Für alles findet sich eine Lösung, man muss nur weiter machen – irgendwie.

Aber scheiße nochmal: Ein Kind ist kein Kind? Das eine Kind hat schon ganz schön viele gute Idee die er meint heute, hier und jetzt umsetzen zu müssen. Vor ein paar Monaten habe ich noch jedem meiner Freundinnen einen Kinderwunsch schmackhaft gemacht: ” Es ist das Schönste was es auf der Welt gibt. Ach – so ein Glück habe ich bisher noch nie gefühlt” Heute würde ich ihnen gerne eine Urlaubsreise schenken mit jeder Menge Tequila um mal hier raus zu kommen. Weg – weg – weg einfach nur weg von gezwiebelt werden, Geschrei, Neins und was es sonst noch gibt.

Ab in den Süden, rein ins Leben

Doch so anstrengend es auch sein mag, so attraktiv ein Urlaub auf den Malediven mit viel Kopfschmerz und nackter Haut auch sein mag, wenn ich am Ende eines Tages von meinem Sohn mit dem breitesten Lächeln, dass diese Welt je gesehen hat empfangen werde und sich die süßesesten Händchen der Welt um meinen Hals schließen und sich ein kleines „Mama“ den Weg in mein Ohr bahnt, dann weiß ich, dass es für mich auf dieser Welt nur einen Platz zu geben scheint!

Hier bei euch!

Ich liebe euch und das von ganzem Herzen, selbst mit einem hauchdünnen Nervenkostüm seid ihr meine Nummer eins 😉

Schön, dass Du da warst! Sehen wir uns bald wieder?

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1 comment

  1. Wirklich toll geschrieben. Den Spruch “Ein Kind ist kein Kind” habe ich eh nie richtig nachvollziehen können, denn wenn ein Kind da ist, macht man sich doch automatisch auch mehr Gedanken und das Leben ändert sich eben, auch wenn einem vielleicht viel Arbeit abgenommen wird. Ich habe seit letztem Jahr einen Neffen und bekomme immer wieder mit, dass auch ein einziges Kind Nerven kosten kann. Ich glaube, die Antwort, ob ein Kind anstrengend ist, liegt irgendwo in der Mitte, Es ist kein Klacks, ein Kind großzuziehen, aber wie man im Blog Post hier ja wieder lesen kann, lohnt es sich und zwar ganz besonders für die schönen Momente, mit denen man als Eltern belohnt wird.

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