Liebling? Ich halte es nicht mehr aus!

 

Sie macht mich wahnsinnig. Liebling, unser Kind treibt mich in den Wahnsinn. So oder so ähnlich sah es die letzten Wochen bei uns zu Hause aus, wenn der Mann von der Arbeit kam. Keine fünf Minuten zu Hause und schon überfiel ich ihn mit meinen Belangen. Der Grund? Das andauernde Gemecker unserer kleinen Tochter. Von morgens bis abends. Abends bis morgens. Beim Auto fahren oder zu Hause. Egal bei was. Sie meckert. Stetig unzufrieden. Und ich? Die Mama? Am Durchdrehen.

Warum ist mein Kind bloß so unzufrieden? Warum ist es so weit gekommen, dass sie nur noch übers Meckern alles erreichen will? Ich ertrage dieses Geräusch nicht mehr. Also lese ich mich ein. Hole mir Tipps von anderen Eltern und komme zu dem Entschluss, dass ich erst reagiere, wenn sie aufhört zu meckern. Dank dieser super tollen Erziehungsmethode schaukeln wir beide uns bis zur Eskalation hoch.

Sie kurz vorm Durchdrehen, weil ich nicht auf ihren Wunsch reagiere. Ich beinahe vor einem Nervenzusammenbruch, weil ich dieses furchtbare Geräusch nicht mehr ertragen kann. Keine Minute länger. Keine Milli-Sekunde länger. Ich schreie. Würde am liebsten, um mich hauen. Am Ende liegen wir beide in unserer jeweiligen emotionalen Eskalation gefangen auf der Erde und sind mit dem Leben unzufrieden. Der einzige Unterschied bei uns beiden ist, dass sie das Kind ist. Ich die Erwachsene.

Ich fasse einen Entschluss.

Ihr Gemecker stört mich nicht mehr. Von heute an, ist es mir egal. Es ist Musik in meinen Ohren. Ich bin nicht nur dafür da meine Kinder in guten Zeiten durch den Tag zu begleiten. Auch schlechte Momente muss ich aushalten lernen. Sie müssen all das doch erst lernen. Also nehme ich mir die Zeit und die Geduld und begleite sie durch ihre schlechte Laune.

Am ersten Tag beim Autofahren meckert sie eine Weile und ich? Bleibe ganz ruhig. Ich erzähle ihr, warum ich nicht handeln kann und das es mir Leid tut sie traurig zu sehen. Ich mache das Radio etwas leiser, um ihr zu signalisieren, dass ich ihr zuhöre.

Am zweiten Tag fällt sie hin. Ich tröste sie. Nehme sie hoch. Singe unser Trösterlied. Sie lässt sich nicht mehr beruhigen. Sie schreit. Schreit. Und? Richtig schreit. Und ich? Bleibe ruhig. Ich sage ihr, dass es mir Leid tut, dass sie sich so weh getan hat und wir beide so lange hier sitzen bleiben oder sie auf meinem Arm sein darf, bis sie sich wieder alleine lostraut.

Am dritten Tag spielt sie die meiste Zeit, das sie weint und guckt mit einem Auge, wie ich drauf reagiere. Ich schmunzle.

Am vierten Tag meckert sie kaum noch. Das Geräusch berührt mich aber auch nicht mehr. Ich habe verinnerlicht, dass ich sie da durch bringen muss. Es aushalten. Ganz egal, was es kostet. Irgendwie hat sich auf diesem Weg meine innere Einstellung zu diesem Meckern gewandelt. Inzwischen weiß ich, dass sie nur so krass gemeckert hat, weil sie ganz genau wusste, wie sehr es mich stört. Egal, was ich in meiner Wut getan habe, sie hat weiter gemacht. Nun ist es Musik in meinen Ohren. Ich atme weiter. Ganz egal, was kommt. Ich atme und denke mir:

Mein Kind, ich bin da, um dies auszuhalten.

 

 

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Mamaleben erfahrungsbericht echte mama alltag

Alina

Ich bin 29 Jahre jung und inzwischen Mama von zwei Kindern. Einem Sohn (01/14) und einer kleinen Tochter (08/16). Gemeinsam leben wir am Stadtrand von Köln. Streifen durch die Wälder. Kochen, backen und tanzen zusammen.

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