„ Mama, mir geht es nicht gut.“

Bildrechte Pixabay.com
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Aus aktuellem Anlass, möchte ich auf meinem Blog das Thema vorstellen: Wenn Kinder sich nicht gut fühlen. Ich möchte das Thema aus seiner Sicht vorstellen. Er ist noch so klein, das man nicht weiß was er denkt und fühlt und um uns die Schwere der Thematik etwas näher zu bringen, schreibe ich diesen Blogartikel aus seiner Sicht. Ich hoffe, dass mir dieser Text dabei hilft, die vergangenen Erlebnisse zu verarbeiten.

Es ist ein wunderschöner Tag heute, denn meine Mama spielt den ganzen Tag mit mir, ich lache viel und sie wirbelt mich herum. Ich habe so ein Glück, das ich noch so klein und süß bin, denn die großen Menschen machen alles mit mir was Spaß macht. Ich glaube jetzt hat Mama keine Lust mehr, denn sie nimmt sich ihren komischen Apparat, den sie immer dann nimmt, wenn sie sich von mir abwendet. Dieser Apparat ist ganz komisch, denn er leuchtet, kann sprechen und ist bei allen Menschen gleichzeitig. Ich will das auch immer haben, weil das alle so lieb haben. Wenn Mama sich jetzt ihrem Apparat zuwendet, dann beschäftige ich mich kurz alleine, immerhin habe ich ein lautes Organ, das Mama schon rechtzeitig daran erinnern wird, das ich auch noch da bin und vieeeelll wichtiger bin, als der Apparat.

Ich lerne gerade mich hochzuziehen, kannst du das auch schon?
Ich kann es noch nicht, aber weil ich es mal wirklich gut können möchte, mache ich es überall wo ich dran komme. Manchmal schreit Mama ganz komisch. Papa sagt dann immer:“ Jetzt sei doch nicht gleich so hysterisch.“ Aber dann wird Mamas Stimme noch komischer und Papa rollt die Augen. Oft kommt dieses Geräusch aus Mama, wenn ich mich am Wohnzimmertisch hochziehe, der dreht sich so schön.

An diesem Tag habe ich mich schon an allem hochgezogen und so nahm ich mal ein kleines Ziel. Der Stuhl neben Mama sollte es werden. Gekonnt zeigte ich Mama meine Fähigkeiten und reckte mich in die Höhe, wie ein ganz großer Kerl. „ Na Mama siehst du wie groß ich schon bin?“

Doch irgendwie verließ mich meine Kraft und ich kippte wie eine Kerze nach hinten. Bum. Ich erschreckte mich fürchterlich und fing natürlich direkt an zu schreien, denn nun wollte ich nichts mehr als meine Mama. „ Maaaaammmaaaaa, auuuuaaaa, auuuaaa, Maaammaaa.“

Irgendwas war anders, denn es tat immer noch weh und ich konnte einfach nicht aufhören zu schreien. Mama sang: “ heile, heile Gänschen“, streichelte mir über den Kopf und wiegte mich sanft hin und her doch irgendwie wurde es nicht besser.

Doch jetzt! Auf einmal durchzog mich eine Eises Kälte, ich glaube Mama sah es auch, denn auf einmal klopfte sie auf meine Wangen und zitterte. Sie sprach zu mir doch ich verstand kaum ein Wort. Auf einmal wollte ich nur noch schlafen, an Mamas Brust.

Einfach nur schlafen.

Mama nahm mich, hin und her und haute mich, schrie, doch irgendwie drang nichts so recht zu mir durch. Irgendwann merkte ich einen süßen Geschmack auf meiner Zunge.

Oh das tat gut.

Langsam sah ich Mama wieder etwas deutlicher durch meine kleinen Äuglein, sie wirkte anders, verändert. Was war nur los mit ihr? Hatte ich ihr Sorgen bereitet? Meine Arme Mama. Sie zitterte am ganzen Körper so hatte ich sie noch nicht erlebt.

Es war doch gar nicht so schlimm hier war ich doch wieder: „ Hallo Mama, siehst du mich denn nicht?“ Als ich relativ klar war, legte sie mich kurz ab- ich glaube sie war auf der Suche nach ihrem Apparat.

Auf der Erde mit Beinchen und Füßen angekommen packte mich wieder diese Müdigkeit. Ich wollte vor, doch stattdessen entschied ich mich dazu mich auf meine Ärmchen zu legen. Zu bequem schien mir diese Variante im Gegensatz zum Erkunden. Mama sah es sofort und packte mich erneut. Mit ihrem Apparat und mir in der Hand tippte sie ganz oft auf dem Apparat herum. Irgendwann hatte sie jemanden dran, denn sie fing an zu weinen und irgendwas nasses berührte mich. Was war mit meiner Mama los?

Mama lacht immer und ist immer gut drauf und beschützt mich. So hatte ich sie noch nie gesehen. Ich glaube irgendwas war mit ihrem Apparat nicht in Ordnung.

Mama lief mit mir, nachdem Apparat Telefonat auf und ab in der Wohnung, streichelte mich, küsste mich, aber immer wenn ich die Augen schließen wollte gab es einen Klaps. Was war denn nur los mit ihr? Ich glaube sie war nicht mehr normal. Als es an der Tür klingelte schien sie das erste Mal etwas erleichtert. Hoch kamen zwei rote Männer, die mich ganz interessiert anguckten und ich sie daraufhin auch.

Mama sagte immer wieder, ich wäre nicht wie sonst, viel ruhiger, aber sie fanden mich süß. Tja so ist das als Baby =)

Wir fuhren mit Ihnen irgendwohin damit mich noch jemand anschauen durfte. Im großen Auto hielt mich Mama ganz fest auf ihrem Schoß und der andere Mann wollte mich bespielen, aber ich wollte nicht so recht, denn ich war immer noch etwas müde. Eigentlich bin ich sehr aufgeweckt und aktiv, aber heute war mir nicht danach.
Irgendwann kamen wir in einem hässlichen Gebäude an und Mama erzählte wieder was passiert sei. Die weiße Frau schickte uns erst einmal in einen Warteraum, weil noch kein Mann da sei, der mich angucken konnte.

Wir setzen uns in einen sehr, sehr vollen Raum und Mama fing wieder an zu schimpfen. Papa war auch irgendwie in dem Gebäude angekommen und so waren wir wieder vereint. So bin ich am glücklichsten. Irgendwann schimpften Mama und Papa, weil Leute weg gingen in den Raum aus dem wir kamen und sie meinten ich wäre komisch. Erwachsene sind komisch, nicht ich!

Irgendwann, ich weiß nicht mehr wann, zu lange dauerte die Wartezeit packte mich wieder diese schwere Müdigkeit. Ich wollte bei Mama bleiben, aber ich war so unbeschreiblich müde, dass ich einfach immer wieder die Augen schließen musste. Jetzt wurden Mama und Papa ganz: wie sagt Papa immer noch zur Mama? Hysterisch und liefen zu der Frau in Weiß. Die holte eine Frau aus dem Zimmer und sagte wir sollten dort hinein gehen. Mama haute mich wieder und Papa wurde zunehmend weiß, ähnlich wie die weiße Frau gekleidet war.

Ich erinnere mich nicht mehr, aber irgendwann weckte mich ein blauer Mann ganz ungestüm und zwickt mich unlieb in meine Schulter. Danach konnte ich nicht mehr einschlafen.

Mama und ich mussten hier bleiben. Die wollten mich noch etwas anschauen. So mussten wir da schlafen. Ich kam an piepsende Geräusche und Mama lag ganz weit unten neben mir auf einem Bett.
Ich hatte ein tolles Bett, ganz hoch und Mama und Opa schauten zwei Tage zu wie ich spielte. Sie machten nichts anderes außer mir zugucken. Ist das nicht toll? Und der Apparat von Mama war nicht dabei.

Nur ich zählte, in diesem winzigen kleinen Augenblick!

8 comments

  1. oh je, das war bestimmt furchtbar. Wie Nora es schon beschreibt beim Lesen des Artikels kommen einem als Mutter sofort die Tränen…hoffe Du musst das nicht nochmal erleben.
    Liebe Grüße und gute Besserung
    Nunu

  2. Hallo, kann sehr gut nachvollziehen wie das für dich gewesen sein musste! Meine Tochter ist an einer autoinflammatorischen Erkrankung erkrankt (werde darüber bald noch auf meinem Blog eingehen) somit gehört Krankenhaus, Ärzte, Medikamente usw. zu unserem Alltag… leider. Ich bin froh das deinem kleinen nicht mehr passiert ist und wünsche gute besserung!
    Liebe Grüße
    Vanessa

  3. Liebe Alina,
    da kommen einem als Mama ja die Tränen beim lesen! Ich kann sehr gut verstehen, wie euch zumute gewesen sein muss und freue mich sehr, dass es euch besser geht!
    Das hast du wirklich toll geschrieben!

  4. … Gänsehaut!

    Du hast schon Aids der Sicht von Samuel geschrieben. Ich habe deine Angst förmlich gespürt. Ich glaube ich wäre im KH amok gelaufen, wenn ich nochmal hätte in den warte Bereich zurück gemusst. Ohne zu wissen was mit meinem Kind los ist.
    Ich hätte warscheinlich schon garnicht den Rettungsdienstrufen können, weil ich die Nummer vergessen hätte. Ich hoffe, dass der kleine nix ernstes hatte und das ihr so etwas nicht nochmal mit machen müsst! *umarm*

    1. Danke für deine lieben, tröstenden Worte. Es war eine Gehirnerschütterung. Bleiben mussten wir nur um eine Blutung auszuschließen, aber bei Kindern reagiert man oft anders. Wobei ich auch schon früher im Dienst es immer eine beängstigende Situation fand, wenn jemand das Bewusstsein verloren hat. Egal ob klein,dünn,dick im ersten Moment läuteten immer die Notfallglocken. Und beim eigenen Kind gleichen die Glocken eher denen von Notre Dame, als denen des Christkindes. Solch eine Situation wünsche ich, aber wirklich niemandem!

      Liebste Grüße <3

    2. Das kam ich mir mehr als vorstellen ! Auf der Arbeit behalte ich in der Regel einen kühlen kopf, da beginnt das zittern erst nach der notsituation. Aber wenn bei meinen Mäusen etwas ist, was nicht nach einer schürfwunde, einem Hämatom oder so etwas kleinen aussieht, sondern etwas wirklich ernstes zu sein scheint, dad bin ich machtlos. Ich vergesse absolut alles. Und im KH bin ich die absolut schlimmste Mama die es gibt! Ich lasse die Schwestern und Ärzte „Köln sehen.“ .(Vielleicht verblogge ich mal meine Erfahrung mit dem KH)
      Und eine Gehirnerschütterung in dem alter ist nicht ohne, zumal der Kling ja noch nicht sagen kann, ob er noch Symptome etc. hat. Lg

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