Me Time – Zeit für mich? Was ist das? Kann man das essen?

Ich war eigentlich dafür bekannt, dass ich wusste wie ich es mir gut gehen lassen kann. Ja, ich wusste was es bedeutete mir lange Auszeiten, für teures Geld, nehmen zu könne. Schon das kleinste Anzeichen eines verspannten Nackens, war mir einen Sauna Besuch mit Massage wert. Geld spielte dabei keine Rolle, denn zu dieser Zeit stand mein Gehalt mir allein zur Verfügung. Egal wann und zu welcher Zeit, ich nahm mir Auszeiten! Man könnte fast behaupten ich war die Königin der Momente die nur mir gehörten. Ich und mein kleines entspanntes Königreich, manchmal bestehend aus einem guten Buch, einer gemütliche Decke und einer leckeren Tasse Tee oder wenn viel Stress anstand, startete ich auch gerne mal das große (königliche) Verwöhn-Programm mit viel Tamtam. Ich wusste wie es geht.

Heute fallen mir vor Stress schon die Haare aus, erst kürzlich entdecke ich eine kahle Stelle auf meinem Kopf und das mit Mitte zwanzig. Der Stress hat mich verändert, sobald mein kleiner auch nur einen halben Tag an meinem Rockzipfel hängt spüre ich meinen Herzschlag im ganzen Körper. Schwarzen Kaffee darf ich eigentlich überhaupt nicht mehr trinken, denn dann drohe ich fast durch meinen eigenen Pulsschlag zu explodieren. Oh ich bräuchte momentan so dringend eine Auszeit, aber was ist mit der Königen der Me Time passiert? Wo ist sie hin und was hat sie mit meiner Zeit gemacht?

Mit meinem kleinen zusammen zum Friseur oder andere Spielchen sind manchmal sehr nervenaufreibend . Am einfachsten ist es mit ihm in der Natur, während ich einen To-Go Kaffee genieße und eine nette Unterhaltung führen kann, ohne Unterbrechungen. Doch während ich mir einen kleinen Moment der Ruhe gönne, sind meine Freunde im Büro, lernen in der Uni Bib oder reisen durch die große Welt. Manchmal denke ich darüber nach, was ich so für mich hätte tun können und wo ich heute stehen würde, doch ich komme immer wieder zu dem Entschluss, dass ich nichts bereue! Ich liebe mein Mama-Dasein, nur manchmal, da wünsche ich mir, dass die Tage nicht so schnell vergehen und das die Dinge die man in liebevoller Kleinstarbeit eingeräumt hat, nicht sofort wieder auf dem Boden landen. Mein kleiner Mann spannt meine Nerven von Zeit zu Zeit wie ein Drahtseil und balanciert gekonnt und ohne Rücksicht auf Verluste rüber.

Diesen natürlichen Drang nach Alltäglicher Zirkusakrobatik gönne ich ihm, nur ab und an wünsche ich mir im Stillen das er meine Anspannung verstehen lernt und das Seil ein bisschen lockert. Den kleinen Momenten voll Ruhe und eigener Besonnenheit trauere ich nach. Eine Tasse Tee in völliger Ruhe genießen, ein Buch über den Spannungshöhepunkt hinaus lesen oder einmal nicht unterbrechen müssen, wenn es gerade am schönsten ist. Aber wer weiß, vielleicht schätze ich diese Momente durch die Unterbrechung viel mehr und kann ihre Schönheit viel klarer sehen als zu alten Zeiten in denen ich diese Momente, wie eine Königin ihr Gold, verprasst habe.

Mittlerweile sammle ich die Kraft die ich kriegen kann und hüte diese wie einen Schatz. Einatmen, Ausatmen und weitermachen, dies sind die Momente die mich heilen, die mich nähren und die mir Energie für alles weitere geben. Sie sind selten geworden und gehören sie zu den wertvollsten Geschenken des Alltags. Manchmal denke ich mir der Tag müsse mehr als 24 Stunden haben, so könnte ich mehr Ansprüchen gerecht werden, doch würde ich dann wirklich mehr Zeit haben oder nur noch mehr zu tun?! Vielleicht sind 24 Stunden schon mehr als genug und die freien Minuten, die kleinen warmen herrschaftlichen Ich-Momente, sorgen dafür dass wir durch den Tag kommen. Wenn ich nur einen dieser Momente am Tag erlebe bin ich schon glücklich. In Ruhe durchatmen zu können ist das Beste was es gibt!

Dieser Text ist Teil der Blogparade von Mama on the rocks, die mich wieder daran erinnern musste, dass ich lerne inne zu halten, denn ja, me time steht einer Mutter zu!

Eure Alina

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Bloggerin bei Liebling, ich blogge - jetzt!
Hier schreibt Alina, Mama von zwei Kindern, 28 Jahre jung und wohnhaft am Stadtrand von Köln. Meine Leidenschaft gilt dem Schreiben, Reisen und Leben in meiner kleinen Familie.
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Schön, dass Du da warst! Sehen wir uns bald wieder?

3 comments

  1. Hi Alina!
    Ich bin zwar noch keine Mutter und schwanke auch immer noch hin und her. Das Thema, dass Du hier beschreibst trifft genau meine Angst. Ich habe Angst durch ein Kind meine Freiheit und me time komplett aufgeben zu müssen. Einschränkungen sind in Ordnung nur der komplette Verlust macht mir doch Sorgen….
    Toll geschrieben!!!
    Liebe Grüße
    Sunny

  2. Liebe Alina,

    hier trifft der Spruch:“ die Frage ist die Antwort“ mal wieder vollkommen zu. Es fehlt keine Zeit, der Tag hat genug Stunden. Es ist die ständige Erreichbarkeit und das man Arbeit und Privat nicht richtig trennt. Leider ist der technische Stand soweit, das man schnell dazu verleitet wird in den Minuten der Pause noch schnell da eine Mail zu schreiben oder da noch was zu machen und diese Zeit anders zu nutzen als wir es eigentlich gerne hätten und auch brauchen. Natürlich ist mit Kind dieses zeit der Ruhe eigentlich ausschließlich vorhanden wenn er schläft, aber wenn das zweite Büro zu Hause ist zu der eigentlichen Arbeit wird die Zeit natürlich genützt verständlicherweise. Doch Prioritäten sind der Weg zum Erfolg. Man darf sich danach nicht über das ärgern was man erledigt hat. Nimmt man sich die Zeit zum Arbeiten, dann darf man es nicht bereuen. Manche Dinge bleiben auch einfach mal liegen aber die Gesundheit dankt es dir nicht wenn du versuchst alles unter einen gut zu bekommen.

    Ps:Sehr schöner Text, ich bin ganz bei dir!

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