Mia´s Geburt // Vom Hoffen, Bangen und Loslassen!

Mias Geburt liegt inzwischen eine Woche zurück. Schon jetzt quält mich das unangenehme Bedürfnis ständig und jedem davon zu erzählen, wie schnell die Zeit vergeht. Ich bin so unwahrscheinlich glücklich. Obwohl die Geburt der kleinen Maus am Ende alles andere als einfach war. Ich habe für einen großen Traum wie eine Löwin gekämpft und am Ende? Das dürft ihr für Euch entscheiden, ob ich versagt habe, oder doch die selbstbestimmte Entbindung erleben durfte, die ich mich so sehr gewünscht habe.

Der Anfang // Der Geburtsbeginn …

Ich habe nicht das Gefühl versagt zu haben!

Mein geliebter Schatz feierte am 19.08 in einer gemütlichen Runde seinen 26igsten Geburtstag. Ich hatte schon die ganze Zeit die leise Vermutung, dass das Augustmädchen im Stillen genau diesen Tag abwarten mag, bis sie sich auf den Weg macht. Und so war es auch. In der Nacht vom 19ten auf den 20igsten wurde ich um 2 Uhr plötzlich von heftigen Bauchschmerzen geweckt. Mir war sofort klar: ” es geht los” nachdem die erste Wehe mich ziemlich in die Kissen beißen ließ, damit Sammy nicht wach wurde, schaffte ich es bereits bei der nächsten Wehe Patrick unsanft aus dem Schlaf zu reißen.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, sobald ich Wehen bekomme in Ruhe alleine durch die Wohnung zu marschieren. Immerhin war mir durch meine Bücher bewusst, dass je wohler ich mich fühlte, desto natürlicher würde es ablaufen.

Bereits die erste Wehe signalisierte mir: “Ohne Patrick schaffe ich es nicht” Wir standen gemeinsam auf. Nach kurzer Zeit begann ich mich nach jeder Wehe zu übergeben. Ein Grund, warum ich nur noch aus der Wohnung flüchten wollten. Die Wände schienen mich zu erdrücken.

Der Traum nach einer spontanen Geburt: “Ich habe das Gefühl für einen Traum alles gegeben zu haben!”

Gegen kurz nach drei machten wir uns auf den Weg Richtung Klinik. Dort angekommen wollte ich noch etwas spazieren gehen, um den Muttermund zu öffnen. Immerhin passierte genau dies bei Sammy nicht. Der Muttermund öffnete sich nicht. Ich lief also brav durch die Nacht und hielt mich in drei minütigen Abständen an Patrick fest.

Das Brechen hörte nicht auf. Es raubte mir viel zu viel lebenswichtige Kraft. Letztendlich, als ich kaum noch eigene Reserven zur Verfügung hatte, gingen wir in Richtung Kreißsaal. Oben angekommen merkte ich das nächste Übel. Ich sah nichts mehr. Die Kopfschmerzen konnten also nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Die Ankunft im Kreißsaal …

So war es. Zwischen heftigen Wehen, heftigen Brechreizen bekam ich einen Migräneschub. Gott sei Dank halfen mir die anwesenden Hebammen schnell. Der Geburtsbefund sah auch gar nicht so schlecht aus. Der Muttermund war bei der Ankunft im Kreißsaal bereits auf 4cm. Ich war stolz, wie Bolle als die Hebamme dies aussprach. Ich bekam eine Infusion, die einwenig half. Leider sah ich immer noch so gut wie nichts. Dieser Zustand hielt sich auch bis gut neun Uhr morgens.

Die Ärztin kam, nahm Blut ab. Hing mir eine Glucose Infusion und Flüssigkeit an. Gegen 10 Uhr ging es mir endlich besser. Leider war der Muttermund bis dahin nur auf 5 cm weiter aufgegangen. Ich fing an zu turnen. Und damit meine ich wirklich turnen. Der Schweiß lief mir die Stirn hinunter. Irgendwann setzte ich mich auf diese großen Bälle und drohte vor Erschöpfung einzuschlafen. Ich sackte weg. Patrick fing mich auf.

Ich schaffte es neue Kraft zu tanken. Ab 12 Uhr gab ich noch einmal alles. Zusätzlich gab es Globuli, die ich nach jeder Wehe nehmen sollte. Nebenbei turnte ich, kreiste mein Becken, hob die Beine hoch und runter, ging in die Hocke, auf den Ball.  Ich war noch nicht bereit aufzugeben.

Um 14 Uhr stieg ich in die Wanne. Eine Wohltat. Die Wehen gingen zwar so gut wie weg, aber ich sammelte neue Kraft. Mein Gesicht bekam etwas Farbe. Der Elan kam zurück und die Hebamme versuchte vorsichtig anzudeuten, dass wir nun kurz vor einem Geburtsstillstand standen und neue Wege suchen müssten.

PDA in Kombination mit einem Wehentropf, die Option für einen weiteren natürlichen Geburtsverlauf.

Die PDA, die mich damals weit, weit weg schoß. Aufgrund der traumatischen Erfahrung bei der letzten Geburt legte mir der Chefarzt höchstpersönlich die PDA. Sie brauchten vier Versuche, da es wirklich schwer bei mir ist. Nach gut einer Stunde lag sie. Mit ihr kam der Wehentropf ins Spiel. Ich spürte nichts und ließ die Medikamente für mich arbeiten. Bis gegen halb sechs die Fruchtblase platzte.

Grünes Fruchtwasser, folgt nun der Kaiserschnitt?

Ich schöpfte dennoch neue Hoffnung, da es ein ganzes Stück natürlich vorangegangen war. Die Hebamme tastete nachdem Muttermund 6-7cm. Noch keine große Veränderung. Aber dann hörte die PDA auf zu wirken. Es begannen heftige Wehen. Aber siehe da, nach einer Stunde war der Mutteermund komplett eröffnet. Diese Wehen ohne PDA hatten mir gut getan.

Die Hebamme tastete erneut. Mia hatte sich gedreht. Inzwischen lag sie als kleines Sternengucker Kind, was mir das Eintreten des Kopfes ins Becken als sehr schmerzhaft vorkommen ließ. Und ja, so ganz wollte sie da nicht rein. Die Hebamme leitete mich an bei jeder Wehe ordentlich nach unten zu pressen. Ich ging ans Seil und kreiste das Becken. In den Wehen saß ich auf dem Gebärhocker und presste, was das Zeug hielt.

Zu diesem Zeitpunkt war weit nach acht Uhr durch. So langsam merkte ich die vielen Stunden, die wir bereits auf den Beinen waren. Das Pressen verlangte mir jetzt wirklich alles ab.

Nach 20ig Stunden Wehen: “Ich habe das Gefühl über mich hinaus gewachsen zu sein!”

Nach einer halben Stunde, verließ uns die Hebamme um ihren Chefarzt zu holen. Er sollte sich die Sache mit ansehen. Das tat er.

Die Situation: 20ig Stunden Wehen. Ein nicht eintretendes Köpfchen ins Becken mit dem Blick nach oben und einer alten Kaiserschnittnarbe. Das Kind hatte bereits einmal während der Geburt Stress erlebt, sodass sich das Fruchtwasser grün färbte. Ich hatte eine alte Narbe, die sich noch über weitere ungewisse Stunden größten Strapazen aussetzen müsste. Es fehlte nur noch ein Zentimeter, den das Köpfchen ins Becken treten müsste, dann hätte man anfangen können von unten mitzuziehen, ABER keiner wusste genau, wie lange sich das hinziehen würde. Das Risiko zu groß?

Der Chefarzt und die Hebamme sahen mich gleichermaßen bedröppelt an, während ich mich für meinen zweiten Kaiserschnitt vorbereitete.

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Ich hatte über 20ig Stunden alles gegeben. Bin ans Ende meiner Kräfte gegangen, obwohl es am Ende wieder nicht für eine spontane Geburt gereicht hat. Als mir um 21:27 meine bezaubernde, super fitte, bereits nach der Brust suchende Tochter auf den Bauch gelegt wurde, wusste ich, warum ich diesen Weg gegangen bin.

Am Ende hat es für eine spontane Entbindung nicht gereicht. Warum auch immer. Ich habe bis zuletzt für diesen Traum gekämpft. Ich weiß jetzt, wie sich träumen anfühlt. Das ist ein verdammt beflügelndes Gefühl. Es verleiht uns Flügeln. Und schafft, dass wir Menschen Berge versetzen können.

Es lohnt sich immer für seine Träume zu kämpfen. Auch wenn es am Ende nicht ganz reicht. Nach dieser Geburt bin ich eine andere Frau: stärker, erwachsener, tougher als letzte Woche. Denn ich habe ALLES gegeben und NOCH viel mehr!

 

“Nenne dich nicht arm, wenn deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind; wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat.”

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Schön, dass Du da warst! Sehen wir uns bald wieder?

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7 comments

  1. Bei uns in etwa genauso mit ein bisschen mehr Dramaturgie. Ich hatte lange damit zu kämpfen wie es ausging und deine Worte hier sind wie ein streicheln meiner Seele. Und ich möchte dir noch mit auf den Weg geben, dass “wir” richtig entschieden haben. “wir” haben das Gefühl einer spontan Geburt nicht fühlen dürfen, aber “unser” Körper war in der Lage diese Operation zweimal zu bewältigen. Und das mag ja erstmal was bedeuten!!!

    1. Was soll ich da noch hinzufügen? Du hast so Recht und ich drücke dich aus der Ferne und hoffe, dass du jetzt nicht mehr damit zu kämpfen hast. Es ist wie es ist. Und für irgendwas wird es gut gewesen sein.

      Liebste Grüße, deine ALina!

  2. Schnief.
    Du bist unglaubich stark. Nach so langer Zeit hätte ich selbst wohl schon viel früher “aufgegeben”. Du hast meinen allergrößten Respekt dafür. Du kannst stolz auf dich sein.

    1. Sie war letzendlich bei 3860 Gramm, 56 cm und 35 Kopfumfang. Eigentlich hätte es gut passen können, aber der Chefarzt meinte dann noch, das mein Becken doch nicht das größte sei. Nun so ist es gekommen und auch gut so 🙂

      Liebe Grüße und danke für das ganze Mitfiebern und Beten!
      Von ganzem Herzen DANKE!

      Alina

  3. ? schön das es euch beiden gut geht ? Das ist die Hauptsache. Jedes Kind und jede Geburt hat seine eigene Geschichte und das ist es was es so besonders und einzigartig macht 😉 finde es super das du eure Geschichte mit uns teilst. Ich glaube ich werde nächste Woche auch unsere Geschichte zum 1.Geburtstag aufschreiben… Glg Vera

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