Mir geht es gut!

Zwei Monate ist es her, dass wir in unsere neue Wohnung gezogen sind. Eine Zeit, in der viel mit mir passiert ist. Abgesehen von meinem äußerlichen Wachstum durfte ich in meinem neuen zu Hause lernen wieder zur Ruhe zu kommen. In meinem kleinen Vorstadt leben, wo das Angebot nur halb so groß ist, wie in der Innenstadt lerne ich langsam wieder zu ruhen. Ein kleiner Garten durfte unsere süße Terrasse im sechsten Stock ablösen. Auf dieser Terrasse hatte ich immer die größte Angst um meinen Sohn. Nie durfte er auch nur eine Sekunde alleine spielen. Heute öffne ich die Fenster, und während er seinem Spiel im Freien nachgeht, koche ich, lege die Füße hoch oder hänge meinen Gedanken nach.

Ich finde, endlich wieder Zeit mich selbst als Mutter zu reflektieren. Mich als Mensch zu sehen. Das Leben in der Innenstadt mit Mann und Kind war bis zu einem gewissen Grad in Ordnung. Das erste Jahr mit Baby war beinah traumhaft: Wir schlenderten von Café zu Café. Aßen gut und günstig an der nächsten Straßenecke. Der Weiher, an dem man sich das ein oder andere sommerliche Feierabendbier gut schmecken lassen konnte, grenzte beinahe an unsere Wohnung. Irgendwann kippte die Stimmung in der Stadt für uns Eltern. Das Leid, die vielen Junkies vor unserer Tür waren für mich irgendwann nicht mehr auszuhalten. Immer und immer wieder musste ich meinen Sohn vor gebrauchten Spritzen schützen. Solch ein Projekt (safer use) mag wichtig sein, aber es sind nicht die Erfahrungen, die ich meinem Sohn mit idie ich meinem Sohn in seine Kindheit legen möchte.

Hinzu kam die Enge, die mir persönlich mit der Zeit die meisten Nerven raubte. Weder Patrick, noch das Kind, noch ich hatten einen Rückzugsort. Unsere Wäsche stapelte sich bis in die hintersten Ecken. Irgendwann musste meine Schwiegermutter eingreifen. Sie nahm mir die Wäsche ab. Heute haben wir eine neue Waschmaschine, die an unser Leben angepasst ist. Sie hat beinah ein Fassungsvermögen von 10 KG, ebenso der separate Trockner. Früher stellten diese Gegenstände überflüssige Luxusgüter für mich da. Jetzt haben sie mich im wahrsten Sinne des Wortes gerettet.

Raus in eine bessere Welt.

Weit ab von all den alten Problemen, merke ich wie befreiend es ist Sonntagsmorgends nur eine Möglichkeit zu besitzen an seine Brötchen zu gelangen. Sind die miserabel wäre dies wohl schlecht, fakt ist aber das große Angebot der Großstadt, hat mir zusätzlich suggeriert: “Tu was, erlebe was – sei rund um die Uhr beschäftigt” Ein Tag zu Hause wurde für mich zur sinnbildlichen Hölle. Inzwischen genießen wir solch einen Tag zu Hause mit viele Farbe, lustigen Spielen und jeder Menge wertvoller Zeit.

 

Zeit, die auch Mal im Streit enden kann. Samuel ist ein aufgeweckter Kerl, der gerne schaut, wo meine Grenzen liegen. Das hat sich nicht geändert. Er hat sich im Grunde nicht viel verändert. Ich glaube, er mochte sein altes Heim. Es wird ihm mehr darum gehen in unserer Nähe zu sein. ABER in unserer neuen Wohnung schaffe ich es ihm Rituale, einen geregelten Tagesablauf und vor allem eine in sich gefestigte Mutter zu vermitteln. Ich bin nach wie vor sauer, das ist mein Temperament, aber wir wissen beide nach unserem Streit “Es ist okay” 

Und das tut gut. Wenn wir uns wieder finden, ist meistens wieder alles gut. Er genießt seine Kindheit. Ich mein Leben als Mutter. Zwischendurch verteufel ich auch Mal wieder – alles was ich aufgebaut habe, weil mein Sohn furchtbar anstrengend ist, aber dann setze ich mich in meine Ecke und spüre, wie schön wir es haben. Das Leben als Mutter ist mein persönliches Auf und Ab, aber so lange wir ein zu Hause haben in dem wir immer wieder wissen zu ruhen wird sich die Welt zu gegebenen Zeitpunkt wieder grade rücken. Manchmal brauchen wir nur etwas mehr Geduld, als üblich.

 

 

Schön, dass Du da warst! Sehen wir uns bald wieder?

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6 comments

  1. Ich selber kann ja überhaupt gar nicht verstehen, wieso man in einer Großstadt in der City wohnen will. Selbst im Ruhrpott haben wir in nem Randbezirk gewohnt. Jetzt wohnen wir in nem kleinen Ort bei Stuttgart. Die Tage an denen ich den Trubel der Stadt brauche und der Tage, an denen ich es lieber ruhig mag, machen die Antwort auf die FRage ob Rand oder Stadt ziemlich leicht. Aber wenn ich dann auch noch was von Sprizen vor der Tür lese, da frag ich mich, in was für ner Gegend ihr da gewohnt haben müsst. Ich hoffe, ihr fühlt euch langfristig wohler, da wo ihr jetzt wohnt!

  2. Hallo liebe Alina,

    das ist sehr schön geschrieben! Und ich habe mich in ganz vielen Punkten wiedererkannt – inkl. der Spritzen, denn bei uns um die Ecke gibt es auch ein Entzugprogramm bzw. Anlaufstelle für Süchtige. Fand und finde ich nach wie vor super, aber wie du schon sagst: Für mein Kind möchte ich etwas anderes. Weniger Verkehr, weniger Dreck, weniger, ja, Stadt. Noch sind wir nicht umgezogen, aber eine Veränderung steht schon allein berufsbedingt bevor.
    Ich wünsch euch eine wundervolle Zeit in eurem neuen Heim und komme nun öfter hier vorbei (hab euch gerade erst entdeckt, zum Glück! :))

    Liebe Grüße
    Martina von leniundmo

  3. Hallo liebe Alina,

    wie schön, dass Du Dich, dass Ihr Euch in Eurem neuen Zuhause so wohl fühlt! Ich finde auch, dass es total wichtig ist, einen Ort zu haben, wo man ankommen und einfach man selbst sein kann. Für mich ist das unser Zuhause – oder eben das Meer, wo es mir immer gut geht. Und meinen Küstenkindern auch!

    Ganz liebe Grüße von der Ostsee
    Deine Küstenmami

    1. Liebe Küstenmami,

      oha ja das Meer. Wie schön! Ich glaube von hier aus geht es noch weiter, aber erst einmal ist es genau der richtige Zwischenstopp.

      Danke meine Liebe ?

  4. Guten Morgen!

    Dein Beitrag hat mir sehr gut gefallen, mit viel Gefühl und Ehrlichkeit. ♡ Kann mich zwar nicht in allem wieder finden, aber sehr gut nachvollziehen. ♡

    Alles Gute für Deine Familie.

    Liebe Grüße, Lenchen vom Testereiwahnsinn

    1. Danke Lenchen,

      ich kann gut verstehen, dass es nicht jedem so geht. Ich glaube irgendwann steigert man sich auch immer etwas rein. Aber immerhin sieht man jetzt neue Wege und die tun gut.

      Liebste Grüße, Alina!

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