#Planänderung

Warum ich an meiner Familienplanung zerbrechen werde, wenn sie sich, als wahr herausstellt

Eigentlich wollte ich an dieser Blogparade #Planänderung von Chaos² nicht teilnehmen, da ich nicht wirklich etwas zu diesem Thema zu sagen haben.

Unser Kind kam zwar unvorhergesehen und nicht zum „richtigen“ Zeitpunkt, aber der Plan wurde lediglich vorgezogen, anstatt komplett geändert. Wir wollten immer Kinder nur eben nicht jetzt, aber ein neuer Zeitpunkt hieß für mich nicht gleich – ein neuer Plan. Ich machte es einfach früher und nun bin ich auch glücklich damit.

Ich bin eine Planerin, denn ich mache immer Pläne und Listen zu jeder Tages und Nachtzeit. Oft kann ich nicht einschlafen, da ich in Gedanken noch eben schnell einen Plan entwickle. Einen Plan, der mir dabei hilft die Dinge besser anzunehmen oder zu organisieren.

Wenn ein Plan droht schief zu laufen, versuche ich ihn anders zu verstehen, neu zu formulieren um ihn nicht ändern zu müssen, denn Änderungen bedeuten Erneuerung und sind meist keine gute Geschichte. Vielleicht kommt es auch auf den Blickwinkel an. Ich weiß es nicht, denn eigentlich sind all dies Planänderungen und doch habe ich sie nie als solche verstanden, da ich die Kontrolle nicht abgeben musste. Irgendwie habe ich es immer geschafft.

Doch nun scheint alles anders. Eine Planänderung die ich nicht mehr unter Kontrolle zu haben scheine. Eines Tages bin ich aufgestanden und auf einmal stand ich in einem neuen Buch, einem völlig neuen Kapitel mit einer vollkommen neuen Rolle, die mir zugeteilt wurde. Ich war in meinen Hauptrollen immer die Starke. Die – die wusste wo es lang zu gehen hat. Doch nun, wenn sich diese Änderung, als wahr erweist, stehe ich zum ersten Mal planlos da.

Dann stehe ich da ohne Worte, ohne das Lächeln das immer zeigte, mir geht es gut. Dann stehe ich zum ersten Mal da – ohne meine Fassade, denn dann weiß ich nicht mehr wie ich diese aufrechterhalten soll. Die klassische Familienplanung besteht aus dem Zuwachs in seiner eigenen selbst ausgesuchten Familie. Du und dein Partner beschließt eure Familie auszubauen oder es passiert eben einfach so, unvorhergesehen, ungeplant, doch was ist, wenn sich Dinge ändern mit denen ihr nie in eurem Leben gerechnet habt?

Dinge die eure Familie betreffen, die ihr nicht in der Hand habt, die ihr nicht auf dem Schirm habt – diese Pläne, die einfach über euch einstürzen. Ohne Vorwarnung. Einfach so. Erst vor wenigen Tagen schrieb ich einen Text über den Verlust von Menschen die einem etwas bedeuten. Ich dankte meiner Mama und meinem Papa für die gemeinsame Zeit – für meine Kindheit.

Heute ein paar Tage später denke ich, es war vielleicht Bestimmung. Ein höherer Plan der mir sagte: „ Sag doch mal Danke und zwar jetzt und heute“, denn heute, ein paar Tage später, liegt meine Mutter im Krankenhaus. Nach ein paar Untersuchungen sahen sie auf einmal einen Schatten auf der Leber. Dieser Schatten verändert alles, denn er kann alles sein, von gut bis schlecht, von böse bis bösartig, von Glück bis Unglück, von Leben bis ich kann es mir nicht vorstellen.

Meine Mutter ist 51 Jahre alt, wir sind drei Geschwister von 18 – 26, wir haben unser ganzes Leben noch vor uns und haben uns dieses Leben nicht ohne sie vorgestellt. Ich bete jeden Tag für Sie und egoistischer Weise auch für mich, vielleicht im Stillen sogar mehr für mich, als für sie, denn ohne sie bin ich eine leere Hülle. Immer habe ich sie angerufen, wenn mit mir etwas war. Immer war sie da, auf ihre ganze eigene besondere Art rette sie mich.

Heute ist es anders, denn der Plan hat sich geändert.

Ich ertappe mich dabei wie ich denke, dass es nur etwas Gutes sein kann, doch manchmal merke ich wie ich mich kaum noch fühle, wenn andere Gedanken meinen Kopf erobern.

Zum ersten Mal in meinem Leben weiß ich nichts, denn ich kann nur raten und selbst das kann in alle Richtung ausweichen. Wir sind auf andere angewiesen und haben nichts mehr in der Hand. An manchen Tagen fühle ich mich kaum und an anderen Tagen existiert einfach nur eine luftleere Hülle und eben jener 17 mm große Schatten auf der Leber.

Alina
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Alina

Bloggerin bei Liebling, ich blogge - jetzt!
Hier schreibt Alina, Mama von zwei Kindern, 28 Jahre jung und wohnhaft am Stadtrand von Köln. Meine Leidenschaft gilt dem Schreiben, Reisen und Leben in meiner kleinen Familie.
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Schön, dass Du da warst! Sehen wir uns bald wieder?

15 comments

  1. Du hast Dein Entsetzen und Deine Angst gut in nachvollziehbare Worte gekleidet. Ich kann nicht sagen, dass ich genau nachfühlen könne, wie es Dir geht, aber ich habe etwas Ähnliches mit der Mutter meiner besten Freundin erlebt, die an Krebs starb, als wir gerade 20 waren.

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft, um mit der Situation umgehen zu können, hoffe aber natürlich, dass sich der Schatten als etwas Harmloses herausstellt.

    … und natürlich wünsche ich Dir, dass Deine eigene kleine Familie Dir Halt und Zuversicht schenken mag!

    Ich drück‘ Dich!
    Corinna

  2. was soll ich sagen. Die Zukunft wird zeigen, wie es weiter geht und ich drücke die Daumen, dass hier niemand leiden muss und deine Mama noch sehr lange bei euch ist,
    Was Verlust bedeutet weiß ich nur zu gut und ich wünsche es Dir nicht.
    Sei weiter stark, das bist Du und das macht dich aus.
    Ich drücke dich ganz fest.
    Dani

  3. Liebe Alina,

    auch ich wünsche deiner Mama alles Gute und drück euch feste die Daumen, dass der Schatten nichts Schlimmes ist. Viel Kraft für die Zeit des Wartens auf die Diagnose.
    Fühl dich fest gedrückt.

    Liebe Grüße, Heike

  4. Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute und hoffe, dass mit Deiner Mama alles gut wird. Fühl´ Dich mal virtuell gedrückt – Worte zum Trost gibt es in solch´ einer Situation nicht – aber Du sollst wissen, dass es Menschen gibt, die Dich noch nicht mal persönlich kennen, Dir / Euch aber trotzdem von Herzen alles Gute wünschen und an Euch denken

    Liebe Grüße, Anna

  5. Als ich jung war, habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, wie es ist, wenn ein wichtiger Mensch krank wird oder stirbt. Man lebt einfach unbeschwert und es gibt keine dunklen Gedanken an Dinge, die passieren werden. Ja, sie werden passieren. Nur der Zeitpunkt, bis es soweit ist, scheint so weit in der Ferne zu liegen, dass er nicht real wirkt. Dann plötzlich ist es soweit. Man wird unsanft aus der heilen Welt erweckt. Krankheit oder Tod. So war es auch bei mir. Mit 42 war ich plötzlich Witwe. Meine Kinder im Altern von 19, 12 und 11 Halbwaisen. Es ist eine Situation eingetreten, die wir vielleicht erst in 30 oder 40 Jahren für möglich gehalten hätten. Doch letztlich spielt es gar keine Rolle, WANN. Es zählt nur DASS. Ich wünsche deiner Mama und natürlich auch ihren Kindern, dass sich alles zum Guten wendet. Doch wenn nicht, werdet ihr Kinder damit lernen, umzugehen. Ihr müsst sie nicht ganz gehen lassen. Denn ein ganz großer Teil bleibt da! Liebe Grüße & viel Kraft, Steffi

    1. Ich hab Gänsehaut. ICh mag mir gar nicht vorstellen welchen Weg du gehen musstest und ja so ist es wohl immer. Vorher sagen wir, dass schaffen wir nicht und dann geht es doch irgendwie mit einem weinenden und trauerndem Herzen. Dann kommen wieder gute Tage und wieder schlechte, doch daran mag ich noch nicht denken. ICh bin wie in Trance, dass alles gut werden muss, denn ich fühle mich nicht bereit dazu – wie wohl jeder.

      In liebe Alina

  6. Ach Mensch, Alina. Ich wünsche Dir und Deiner Mutter von ganzem Herzen alles Gute.

    Momente, in denen man befürchtet, nahe Angehörige zu verlieren, kenne ich persönlich auch. Mein Mann war vor Jahren plötzlich sehr schwer krank und ich wusste tagelang nicht, ob er überleben würde – es war wirklich ein furchtbarer Albtraum. Unsere Kinder waren damals 6,5 und 1,5 Jahre alt. (Er wurde wieder ganz gesund, aber als er auf der Intensivstation lag, da sah die Situation ganz anders aus…)

    Meine Eltern habe ich bereits beide verloren, wenn auch nicht durch eine physische sondern durch psychische Krankheiten, die einen Kontakt für mich zu einem unnötigen Leiden gestalteten.

    Zurück zu Dir:
    Bisher gibt es doch Hoffnung, dass dieser Schatten nichts sein muss, dass Deine schlimmsten Ängste bestätigen wird. Oft klingen medizinische Diagnosen schrecklich und beängstigen sehr, aber sind im Nachhinein nicht so schlimm.
    Ich wünsche Dir und Euch ganz herzlich, dass es im Falle Deiner Mutter genau so sein wird.

    Ganz liebe Grüße
    Saskia

    (von https://essentialunfairness.wordpress.com/)

  7. Ach liebes!
    Ich sitze einfach nur bei dir und gebe dir meine Schulter.
    Ein dich aus, lehne dich an, zieh dir Kraft.
    Du bist nicht allein!
    *einfach nur feste halt*

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