Mach´s gut Du fieses schlechtes Gewissen!

Mein Sohn, ich begleite Dich, während ich mein schlechtes Gewissen hinter mir lasse.

Vor ein paar Tagen las ich auf meinem Blog einen Kommentar an mich: „Darf ich fragen, warum ihr Euch einen Waldkindergarten ausgesucht habt?“ Natürlich darfst du! in aller erster Linie haben wir uns diesen Kindergarten ausgesucht, weil er unmittelbar um die Ecke ist. Zum anderen habe ich mich dafür eingesetzt, weil mein Sohn unheimlich gerne an der frischen Luft ist. Unsere Tage zu Hause sind oft geplagt von schlechter Laune und einem unausgeglichenen Kind. Ist man erst einmal draußen, möchte er überhaupt nicht mehr nach Hause. Früher habe ich oft Tage mit ihm draußen verbracht. Leider konnte ich ihm diese Intensität, die er sich gerne gewünscht hat, zunehmend nicht mehr leisten. Vor allem nicht mehr, seit unser zweites Kind da ist.

Je älter er wurde, desto schwerer fiel es mir ihn so unausgeglichen zu Hause zu sehen. Es zerrte an meinen Nerven, dass er immer zu raus wollte. Immer mehr kam ein Gefühl durch, dass ich mehr und mehr verabscheute. Ich wurde unzufrieden, weil ich merkte, dass ich ihm nicht mehr gerecht wurde. Stetig und ständig eckten wir aneinander an. Ich konnte nur noch den kleinen Jungen in ihm sehen, der mich bis auf Mark provozierte. Mit der Zeit ging mir meine Empathie verloren, weil wir nur noch Ärger hatten.

Dann der Tag der Eingewöhnung und ich? Mit einer Lungenentzündung im Bett. So sehr hatte ich mir diesen Tag herbei gewünscht. Für ihn, meinen Sohn. Für mich, die Mutter und die kleine Schwester, die ständig Zeuge der Konfrontation wurde. Mein sehnlichster Wunsch war es, dass endlich Ruhe bei uns einkehren sollte. Am Ende verging die Zeit recht schnell und nun? Ist mein Großer seit 3 Wochen ein Waldkindergartenkind.

Der Kindergarten wird nicht alles lösen

Vorher hörte ich oft die Sätze: „Der Kindergarten wird nicht alles lösen“ oder „Mal schauen, wie es wird. Immerhin ist er nicht sehr lang“ ABER! Es ist perfekt. Der Kindergarten geht gerade mal fünf Stunden. Genug Zeit, um sich mit der kleinen Schwester und dem Haushalt zu beschäftigen. Genug Freizeit, um in Ruhe eine Tasse Kaffee für sich zu trinken. Der Hinweg durchlüftet schon am frühen Morgen die Atemwege der ganzen Familie. Ein herrlicher Start in den Tag. Später, wenn ich meinen Sohn abholen, ist er bereits eine ganze Zeit lang an der frischen Luft mit Freunden gewesen. Er hat viel zu erzählen und wir Zeit, um den weiteren Tag nach unseren Ideen zu gestalten. Nach dem Mittagessen ganz ohne schlechtes Gewissen, denn mein Sohn ist glücklich.

Jeden Tag komme ich mehr zur Ruhe. Jeden Tag komme ich wieder ein Stückchen mehr zurück zu mir. Es tut so gut, endlich wieder Ich sein zu können ohne stetigen Drang nach mehr. Es tut so gut endlich wieder unbeschwert lachen zu können ohne das Gefühl haben zu müssen ich werde keinem mehr gerecht. Es tut so gut auch mal für das zweite Kind da sein zu können, ohne schlechtes Gewissen, dass erste könnte sich zurückgestellt fühlen. Oh wie tut es gut, dass wir endlich wieder als Familie lachen und leben können.

Niemals hätte ich gedacht, dass uns diese Veränderung so gut tun wird, aber es ist so, der Große fühlt sich pudelwohl. Es geht ihm gut. Er ist unbeschwert. Erzählt von Waldfeen, Rutschpartie im Wald und ich? Lausche seinen Geschichten, während mein Herz glücklich tanzt, weil ich mich so sehr darüber freue, dass er endlich wieder Kind sein darf. Und zwar DAS KIND, dass er sein möchte.

Jeden Abend geht er ins Bett, während er sich schon so auf seinen nächsten Tag im Wald freut. Während ich abends die Augen schließe und an all die glücklichen Momente des Tages denke, in denen meine Kinder einfach nur sie waren ohne, dass sie anders sein mussten.

 

Jetzt schaue ich nach vorne. Nicht mehr zurück. Einfach, weil es uns glücklich macht!

In Liebe, eure Alina

Apropo Liebling | Ich habe Angst

Erkältet und nun? Tipps und Tricks für eine schnelle Genesung

In rund einem Monat ist es soweit, beide Kinder gehen in die Betreuung. Ein großer emotionaler Schritt. Er erfordert sicherlich eine große Umstellung in meinem Innenleben. Nichtsdestotrotz ein Weg, den wir sicherlich emotional bewältigt bekommen. In aller erster Linie möchten wir auf unsere Kinder hören. Sie uns genau anschauen, um zu sehen, was die neue Betreuung mit ihnen macht. Ob es ihnen gut geht.Wir würden gerne unser Herz sprechen lassen. Nicht die Vernunft. Ich denke, mit diesem Zeigefinger, werden wir am Ende für unsere Kinder den richtigen Weg einschlagen.

Der Umstand, der mir noch viel mehr Bauchschmerzen bereitet ist die zusätzliche finanzielle Belastung, die mit einem Betreuungsplatz hinzukommt. Es ist paradox. Auf der einen Seite müssen beide Eltern arbeiten gehen, um Wohnung, Essen, Freizeit und Kleidung bezahlen zu können. Auf der anderen Seite bereitet einem die zusätzliche Belastung Probleme. Nur ohne Betreuung überhaupt kein Geld. Mit Betreuung Geld plus Belastung.

„Wir hatten rein gar nichts“

Als unser erster Sohn auf die Welt kam, hatten wir rein gar nichts. Ich kam gerade aus der Ausbildung. Mein Freund befand sich noch in der Ausbildung. Wir sind in eine schöne Wohnung von meinem Stiefvater gezogen, was uns wirklich gerettet hat. Unterm Strich hat unser Geld gerade so zum Überleben gereicht. Zwischenzeitlich hatte ich sogar drei Jobs, was letztendlich zu einer extremen Stressreaktion meines Körpers geführt hat. Die Belastung, der Druck Geld haben zu müssen, um mein Kind ernähren zu können, legte sich wie ein dunkler Schleier über unsere Familie.

Wir haben zwar Wohngeld, Kinderzuschlag und all das, was man noch zusätzlich beantragen kann, versucht zu bekommen, aber am Ende hatten wir keine Chance. Warum? Ich weiß es nicht, denn laut einer Tabelle lebten wir zu dritt am Existenzminimum. Auf Nachfrage bei den Ämtern, warum sie unsere Äntrage ablehnten, hatten wir genug Geld.

Inzwischen hat sich unsere Situation verbessert. Mein Freund ist aus der Ausbildung raus. Mein Blog steht auf eigenen Füßen, für mich der größte Segen überhaupt. Ich konnte die letzten Monate zu Hause bleiben und musste trotzdem keine Angst mehr davor haben, morgen nichts zu Essen Daheim zu finden. Nicht zu wissen, ob man seinem Kind ein Mittagessen zubereiten kann, ist mit unter wirklich das schlimmste Gefühl, das ich je in meinem Leben erfahren musste.

Schlaflose Nächte

Umso größer ist meine Angst, ob wir erneut die zusätzliche Belastung, die unsere Betreuung kosten wird, finanziell bewältigt bekommen. Denn ja, etwas Geld ist natürlich da. Geld, das von der Stadt anhand einer Tabelle berechnet wird. Unter einem Brutto Einkommen von 10.000 Euro im Jahr für ein Elternteil oder 20.000 Euro für Beide oder alleine, wenn Alleinerziehend, ist die Betreuung in unserem Kreis kostenlos. Alles was drüber ist wird gestaffelt berechnet.  Nur leider sind Wohnungen inzwischen sehr teuer. All die Dinge, die von einem Lebensunterhalt bezahlt werden müssen, kosten Geld. Bei uns reicht es gerade so zum Leben. Ob es am Ende auch für mehr reicht, werden wir sehen. Fakt ist, ich mache mir Sorgen. Habe schlaflose Nächte. Sogar etwas Angst. Also, sitze ich am Schreibtisch und rechne. Hin und her. Rauf und runter. Ohne auch nur einen Ansatz einer Lösung zu finden. Ich muss arbeiten, um Geld zu verdienen. Also bin ich auf die Betreuung meines Kindes, die eine zusätzliche Belastung dastellt angewiesen.

Es gibt Menschen, denen geht es noch schlechter als uns. Die haben keine Familie, die Ihnen immer wieder aushelfen. Denn ja, genau das macht unsere Familie. Sie geben uns Urlaubsgeld. Sind da, wenn wir mal wieder nicht schlafen können. Übernehmen auch mal ein paar Schuhe für die Kinder oder..oder..oder. Aber dieses Glück hat wahrlich nicht jeder. Und manche Menschen stehen im Job so unter Druck, dass sie überhaupt keinen Kopf mehr für ihre Familie haben. Ich bekomme immer mehr das Gefühl, dass ein sogennantes System Familie in Deutschland viel mehr eine Belastung für einen Einzelnen darstellt, als dass sie das ist, was sie sein soll. Ein Gewinn.

Kostenpflichtige Betreuung

Entscheidet man sich heutzutage für eine Familie, muss diese Entscheidung wahrlich gut getroffen sein. Es ist nicht selbstverständlich, dass man sich all dass leisten kann. In vielen anderen Ländern ist die Betreuung der Kinder nicht kostenpflichtig. Es ist umsonst, wird vom Staat übernommen. Ich finde, dass es heutzutage keine Luxus Entscheidung mehr ist, ob man arbeiten gehen kann oder möchte, sondern bei den Kosten, die im alltäglichen Leben anfallen, müssen alle Beteiligten einer Familie arbeiten gehen, vor allem wenn man jung Eltern wird, sollte die Betreuung eines Kindes, die Eltern nicht in schlaflose Nächte versetzen.

Die Frage, ob und wie mein Kind eine Betreuung erhält, sollte keine Entscheidung des Geldes sein. Ich wünsche keinem Menschen, die Erfahrung machen zu müssen, dass man morgen nicht mehr weiß, wie man leben soll. Also sollten Familien besser unterstützt werden. Ansonsten haben wir vielleicht irgendwann immer mehr frustrierte Menschen, die ihre Kinder durchs Leben schleifen.

 

Eine Expertenmeinung ::: „Schulvorbereitung ist viel mehr als nur der Besuch einer Vorschule!“

Schule ist mehr als nur der Besuch einer Vorschule - die Expertenmeinung einer Lehrerin

Wir suchen schon lange einen Kindergartenplatz für unseren Sohn. Inzwischen ist er drei Jahre alt. Läuft uns über Tische und Stühle. Leider rieselt es vor einiger Zeit noch jede Menge Absagen, da ich mich mit unserem zweiten Kind in Elternzeit befinde: „Sie haben doch Zeit. Sind zu Hause. Andere Eltern haben Vorrang.“ Wir mussten nach einer Alternative schauen. Die geeignetste ist der Waldkindergarten, keine 5 Minuten zu Fuß von uns entfernt. Dort bekamen wir aufgrund der ungünstigen Betreuungszeiten, von 8.15 bis 13.45 – ohne Mittagessen, Eintrittsalter ab drei Jahren, direkt eine Zusage. Es dauerte nicht lange bis nähere Verwandte ihren Unmut Ausdruck verliehen: „Aber wie sieht es denn mit der Schulvorbereitung in solch einem Waldkindergarten aus?“ „Schneiden, Zählen, Schreiben? Ist das dort gegeben?“

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Ängste & Sorgen und die große Chance auf einen Neuanfang!

Bald bist Du ein richiges Kindergartenkind im Waldkindergarten - Gedanken einer Mutter zu einem nicht gängigen Kindergartenplatz.

Es vergeht kaum eine Minute am Tag an der ich mich nicht in irgendeiner Ecke wiederfinde. Tief durchatmend. Total erschöpft. Ich habe das Gefühl, ich werde niemandem mehr gerecht. Am allerwenigsten mir selbst. Dem Großen genau so wenig. Dem Rest des Systems mal mehr – mal weniger. Wir leiden – alle. Es vergeht kein Tag an dem ich nicht am Kalender herum schleiche. Die Tage zähle bis es endlich August ist.

Der große Tag an dem der Große endlich ein Kindergartenkind wird. Die alleinige Last von meinen Schultern fällt. Der Große Teil einer Gruppe wird. Einen neuen Platz im Leben einnimmt. Einen Ort den er nur für sich hat. Ohne kleine Schwester. Seine Freunde. Sein Kindergarten.

Bald ist er ein Kindergartenkind

Mein Sohn ist ein lebendiges kleines Menschenkind. Ein Junge, der gefordert werden möchte. Der Zeit intensiv verleben möchte. Viel an die frische Luft muss, um am Ende eines Tages müde zu sein. Eigentlich wäre er schon viel früher in einem Kindergarten gut aufgehoben gewesen. Auf Nachfrage und die dringende Bitte ihn doch irgendwo aufnehmen zu können. Bekam ich nur die Aussage: „Ist doch schön, wenn man es sich leisten kann.“

Das letzte Jahr haben der Große und ich uns durchgekämpft. Mal als Team. Ab und zu gegeneinander. Blicke ich zurück? War es eine harte Zeit. Eine Zerreißprobe. Ich wollte immer nur das Beste für meinen Sohn. Ihn begleiten, lieben, wertschätzen. Irgendwann ist mir die tägliche Herausforderung über den Kopf gewachsen. Hätte mir mehr Unterstützung gewünscht. Habe sogar drum gebettelt. Aber es half nichts. Schließlich bin ich ja in Elternzeit. Kann es mir erlauben. Also müssen wir da durch. Und haben es gemeistert.

Ich bin stolz auf uns. Auf ihn. Wie er all die Veränderung meistert. Sich lernt mit Höhen und Tiefen auseinanderzusetzen. Ich will endlich nicht mehr zurück blicken. Möchte nach vorne schauen. Auf das was kommt. Den baldigen Eintritt in den Kindergarten. Daher blende ich alle Bedenken bezüglich des Waldkindergartens aus. Sorgen und Ängste der Verwandten – er wird nicht ausreichend auf die Schule vorbereitet. Für mich ist er ein Kind. Ein Kind, dass spielen soll. Lachen. Die Welt entdecken. Neugierig sein.

Mein Wunsch? Er darf die Neugier nicht verlieren!

Gibt es dafür einen besseren Ort als den Wald? Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass wir es versuchen werden. Wir werden diesen neuen Lebensabschnitt als Chance für uns nutzen. Uns als Familie im Leben neu positionieren. Neu finden. Wieder aufstellen. Einatmen … Durchatmen. Es vergeht kein Tag an dem ich mir nicht wünsche wieder fröhlich zu sein. Ausgeglichen. Momente in denen ich Kraft tanken kann, um wieder die Mutter zu sein, die meine Kinder verdienen.

Du wunderbarer neuer Lebensabschnitt, wie freue ich mich auf Dich! Bald haben wir also tatsächlich ein Kindergartenkind in unserer Mitte.

 

Oh Boy {Du machst es mir nicht leicht}

Ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich? Eine Mutter schildert ihren Alltag

Bevor man sich im Leben für Kinder entscheidet, stellt man sich natürlich irgendwas vor. Malt sich aus, wie es werden wird. Der Alltag. Der Moment, in dem man der Liebe zu seinem Partner noch ein i-Tüpfelchen aufsetzt. Wobei es bei uns von vornherein nicht so rosig war, wie man es sich vielleicht wünscht. Die Tatsache, dass bei uns Nachwuchs unterwegs zu sein scheint, war eine harte Probe für unsere Beziehung. Eigentlich waren wir noch nicht so weit. Hätten uns nach zwei Jahren Beziehung noch ausleben müssen.

Nichtsdestotrotz entschieden wir uns damals gemeinsam für das Kind. Inzwischen haben wir zwei. Sind glücklich als Familie. Wachsen jeden Tag ein Stück weiter zusammen. Tauschen uns aus. Reden miteinander. Mal mehr, mal weniger gut. So ist das im Leben einer Familie. Es gibt gute Tage. Weniger gute. Schlechte.

An dem Tag, an dem mein Sohn in unser Leben trat, wusste ich vom ersten Moment an, dass ich ihn lieben würde. Für mich stellte sich mit meinem positiven Schwangerschaftstest nie die Frage, ob oder ob nicht, nur wie. An dem Tag, als ich seine braunen Augen zum ersten Mal sehen durfte – wusste ich, dass ich ihn nie wieder loslassen würde. So kam es: Ich hielt ihn. Nach der Geburt. Die erste Zeit. Die ersten Monate. Ich legte ihn kaum ob. Ständig schaute ich ihn an. Erzählte ihm Geschichte. Schnupperte an seiner zarten Haut. Es war, als wäre ich, dank ihm neu geboren.

Mein Sohn. Mein erstes Kind

Er gab mir alles zurück, was ich glaubte verloren zu haben. Meine Liebe zu mir selbst. Mein Glaube an das Leben. Die Hoffnung, dass alles gut werden würde. Mit ihm in meinem Leben wusste ich plötzlich wieder, wofür es sich lohnt zu kämpfen. Aufzustehen. Die Augen aufzumachen. Das Leben zu bestreiten. Oh Boy, was tat das gut.

Mit der Zeit wurde er größer. Wir entwickelten uns. Er wurde selbstständig. Autonom. Mit drei Jahren ist er ein kleiner Wirbelwind, der ganz genau weiß, was er möchte. Mit der Veränderung ein großer Bruder zu sein entwickelt sich sein kleiner Charakter ab und zu, zu einem wahren Tyrann. Immer öfter gab es Situationen, in denen ich mir nicht mehr zu helfen wusste. Laut schreie. Wütend wurde. Aus Angst, der kleinen Schwester könnte etwas zustoßen.

Der Alltag

Die Wände unserer kleinen drei Zimmerwohnung scheinen mich manchmal erdrücken zu wollen. So schlecht ist die Atmosphäre zu Hause. Er haut. Er pitscht. Schreit. Schuppst den Kinderwagen auf die Straße. Oft kann ich überhaupt nicht so viele Augen haben, wie ich sie bräuchte. Mein Sohn lechzt nach Liebe und Anerkennung, wo er nur kann. Es ist nicht seine Schuld. Sondern meine. Es gibt Situationen. Momente, in denen, meine anfängliche bedingungslose Liebe für ihn in Hass umschlägt. So leid es mir tut. So schwer es mir fällt mit Tränen in den Augen hier vor meinem Bildschirm zu sitzen und meinen Gefühlen einen Namen zu geben, so sehr verlangt es mein Inneres Ordnung in dieses Gefühlschaos zu bringen.

Ich weiß, dass es nicht seine Schuld ist. Hauen. Spucken ist sein Weg ist, um aufzufallen. Sein Weg, um mir zu zeigen – „mir fehlt was. SIEH HER!“ Gerade stecke ich viel Zeit in seine kleine Schwester. Übergehe ihn oft, weil es gerade einfacher für mich ist, sie selbst zu füttern, als ihm die Manscherei zu überlassen. Eigentlich kenne ich einen besseren Weg, als den für den ich mich letztendlich entscheide. Klügere Ansätze.

Ich bin auch nur ein Mensch

Am Ende eines Tages bin ich nur ein Mensch. Eine Frau mit Sehnsüchten. Einem Verlangen nach Zeit für mich. Ein paar Minuten, in denen ich durchatmen kann. Am Tag. In der Nacht. Entscheide mich bewusst für den falschen Weg, weil er einfacher ist. In diesem Moment. Da es dieser Moment ist, der mir die Luft zum Atmen nimmt. Ich weiß, dass es falsch ist. Ich es uns nur noch schwerer mache. Mir fehlt die Kraft, um zu sagen: „Komm, wir machen es gemeinsam“.

Eine kluge Frau sagte mir einmal: „Nur etwas, dass Du so sehr liebst. Kannst Du so sehr hassen“ Ich denke, da ist was dran. An manchen Tagen überrollt mich die Wucht meiner negativen Gefühle. Natürlich fühlt es sich falsch an. Das schlechte Gewissen stellt sich unmittelbar ein. Stets habe ich versucht meine Tochter, das Baby und meinen Sohn zusammenzuführen. Schöne Zeit mit ihnen gemeinsam zu verbringen. Jetzt bin ich dabei einen anderen Weg für uns zu suchen. Es besser zu machen. Dem Sohn Zeit zu schenken, die nur ihm gehört. Uns.

Der klügere Weg

Seit dem Wochenende gehen wir freitags zusammen zum Kindertanzen. Samstags ist Schwimmtag. Erst wollte ich ihn alleine ins Wasser lassen. Gott sei Dank habe ich mich dazu entschieden den Kurs mit ihm gemeinsam zu machen. Vergangenen Samstag absolvierten wir unseren ersten Schwimmkurs – gemeinsam. Samuel war wie ausgewechselt. Er klammerte sich in meine Arme, wie nie zuvor. Reibte seine Nase an meine. Lachte aus tiefstem Herzen, wie er es lang nicht mehr getan hatte. Als er ins Wasser sprang. Gerade zu in meine Arme freute er sich bei jedem Sprung aufs Neue. Ich schaute ihn an. Diesen Jungen, der so groß geworden schien. Wie er dort oben am Beckenrand stand. Bereit von meinen Armen aufgefangen zu werden. Und plötzlich war er wieder ganz klein. Mein Sohn, der im Alltag nichts weiter sucht, als meine Aufmerksamkeit. Meine Bestätigung. Die Liebe seiner Mutter. Rein und Bedingungslos – egal, wie er sich am Ende eines Tages aufführt.

Nur Du

Diese Sicht auf ihn darf ich nicht verlieren. Am Ende eines jeden Tages ist auch er nur ein Kind. Ein kleines Wesen, welches nur versucht „gesehen“ zu werden. Ohne Absicht. Scham. Aus einem einzigen Grund, weil es – mich braucht.

Pseudokrupp bei Kleinkindern // „Ich begleite dich durch die Nacht, mein Schatz“

Pseudokrupp bei Kleinkindern - Erfahrungsgeschichte einer Mama

Die letzten Tage kam wieder einiges zusammen. Das Baby schläft schlecht. Zähne sind wieder einmal auf dem Weg zu uns. Eine Zeit lang kann man schlaflose Nächte gut überbrücken. Doch irgendwann geht es einfach nicht mehr. Die Kraft schwindet. Die eigene Energie gibt den Geist auf. Meistens wird es irgendwann besser. Leider kommt bei uns seit zwei Tagen der Große mit unruhigen Nächten und großen Sorgen hinzu. Es ist immer der selbe Ablauf, wenn sich bei ihm eins ankündigt – ein Pseudokrupp Hustenanfall.

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Verletztes Vertrauen

verletztes vertrauen mutter

Letzte Woche Freitag war es endlich so weit. Die geplante Operation von meinem Sohn stand an. Was sollte gemacht werden? Seit Wochen hatte sich bei ihm ein unwahrscheinliches Hördefiziet entwickelt. Eigentlich waren wir seit Monaten sicher, da stimmt was nicht. Seine Sprache war im Gegensatz zu anderen Kindern sehr verzögert, obwohl man das Gefühl hatte, er will. Nur kam nichts. Zusätzlich fragte er viele Sachen mit einem „Häää“ nach.

In den letzten Wochen wurde es so schlimm, dass jeder mitbekam, dass er alles nur noch über unsere Lippen ablas. Den Straßenverkehr bekam er überhaupt nicht mehr mit. Rannte oft einfach so drauf los. Wenn ich etwas mit ihm besprechen wollte, musste ich beinah schreien. Augenblicke, die ich kaum noch aushalten konnte. Der Ohrenarzt stellte letztendlich die Diagnose dicke Paukenergüsse beidseits. Er gab uns eine Überweisung für die Klinik mit. In meiner Wunschklinik wurden wir vorstellig. Ein Haus, das mit dem Leitsatz: „Der Mensch in unserer Mitte“ mein vollstes Vertrauen genießt. In der Vergangenheit schickte ich bereits meinen Freund dorthin. Und auch sonst empfehle ich dieses Krankenhaus immer gerne weiter.

Ich ging also mit einem guten Gefühl in die Dinge, die uns bevorstanden. Bei der Vorstellung in der Ambulanz versicherte uns der diensthabende HNO Arzt, dass auch er eine Operation für unabdingbar hielt. Hierbei würde man die Polypen, letztendlich die Ursache für die Ergüsse bei Kleinkindern, als auch zwei Paukenröhrchen mittels eines kleinen Schnittes im Trommelfell, einsetzen. Ich erkundigte mich nach dem Ablauf der Operation und fragte gezielt nach: „Bis wann darf ich bei meinem Sohn bleiben“ die klare Antwort, die keine Fragen offen ließ: „Bis er eingeschlafen ist“

Bei der Aufklärung durch die Oberärztin der Anästhesie fragten mein Lebensgefährte und ich noch einmal nach: „Bis wann wird unser Sohn durch uns begleitet?“ Auch sie versicherte uns, bis er eingeschlafen ist. Am Tag der Operation war Sammy gut drauf. Er genoss sichtlich im Mittelpunkt zu stehen. Er bekam einen Saft zur Beruhigung. Leicht angeduselt, sehr lustig drauffuhr ich ihn gemeinsam mit der diensthabenden Schwester in die Schleuse vor dem OP. Dort angekommen sagte man mir, dass das Team der Anästhesie ihn gleich übernehmen würde. Ich stutzte. Eigentlich hatte ich damit gerechnet mich gleich mit umziehen.

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Müde

Die letzten Tage, ach was Wochen sind sehr anstrengend gewesen. Der Kleine war krank. Das Baby ist krank geworden. Zeit zum Durchatmen blieb nicht. Und nun könnte man meinen es geht allen besser, die anstrengende Zeit liegt hinter uns. Aber nein die Autonomie meines Sohnes geht in die nächste Phase.

Und so lieb ich ihn habe, so gerne ich meine Aufgabe als Mutter mache, so eindringlich muss ich mir eingestehen: ich kann nicht mehr! Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich keine Lust mehr habe Dinge zu erklären.

 

Ich bin müde geworden.

Meine eigene Stimme ist die, die ich zurzeit am wenigsten Leiden mag. Doch so manches kann ich doch nicht einfach hinnehmen, oder? So schön die Theorie klingt sich runter zum Kind zu setzen, auf Augenhöhe ihm Dinge zu erklären, sich auf „Verhandlungen“ einzulassen, so anstrengend ist es. Ich fühle mich veräppelt, wenn er mich im gleichen Atemzug haut oder spuckt.

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