Und plötzlich ergab alles einen Sinn – Happy Birthday

In letzter Zeit hab ich viel über postnatale Belastungsstörungen gehört und gelesen, gerade durch den aktuellen Fall von Hayden Panettiere wird wieder öffentlich über diese schwere Erkrankung und das Gefühl einer Mutter ihr Kind nicht lieben zu können gesprochen. Ich denke es ist wichtig offen und ehrlich über postnatale Belastungsstörungen zu sprechen, denn laut Statistik soll jede dritte Frau betroffen sein. Es ist von belang Auswege aufzuzeigen und das Tabuthema „nicht-lieben-können“ zu brechen.

Bei mir selbst war es genau anders herum, ich konnte mich selbst nicht lieben bis da dieses kleine Würmchen kam und mir zeigte wie viel Liebe in mir steckte, so lernte ich nicht nur andere, sondern auch mich selbst lieben. Mit ihm in meinem Leben ergab auf einmal alles einen Sinn. So schlimm das Gefühl nicht lieben zu können auch sein mag, so viele Möglichkeiten eröffnet es auch, denn auch das Überwinden negativer Gefühle kann uns als Mensch wachsen lassen.

Kurz nach dem Tod meiner Oma fing bei mir die Suche nach Antworten auf die Sinn-Frage an. Die anstrengende Suche und das ewige in Frage stellen begleitete mich Tag und Nacht, so verlief ich mich, mit gerade mal 18 Jahren, auf meinem steinigen Weg in eine nicht gerade leichte Depression.

Anfangs verstand ich die lähmende Müdigkeit nicht, die sich immerzu in meinen Körper schlich, wusste nicht was sie zu bedeuten hatte und mit welcher Wucht sie mich aus dem Leben reißen sollte. Für mich war es zu Anfang eine Phase – eine Zeit die vorbei gehen würde. Ich durchlief tiefe Täler, erwachte wenn die Sonne unterging und der Tag vorbei war, hasste die Sonne und überhaupt alles was mit dem Tag zu tun hatte. Das es meine Abneigung gegen das Leben das ich führte war, verstand ich zu dieser Zeit noch nicht. Wenn die Sonne endlich unterging schien alles nicht mehr so mühselig, nicht mehr so anstrengend. Wir waren Freunde – die Nacht und ich.

Als die Nächte länger und die Tage kürzer wurden, fing mein Vater an sich zu sorgen, er äußerte seine bedenken und schlug mir vor eine Therapie zu machen. Ich hatte bereits eine Therapie hinter mir, allerdings endete diese mit der Diagnose „Selbstmord gefährdet“, die sich wiederum schnell als eine Fehl-Diagnose herausstellte, denn die Therapeutin suchte sie Schuld nur in der Erziehung meiner Mutter, was zu keiner gemeinsamen Lösung führte. Trotz dieser negativen Erfahrung stand ich einem neuen Versuch offen gegenüber, denn die Sinn-Frage wurde nicht leiser.

Der zweite Versuch verlief anders, denn mit 18 steht man an einem anderen Punkt als mit 14 – irgendwie selbsterklärend. Diesmal hatte ich den festen Willen wieder Teil meines eigenen Leben zu werden und stellte mich meinen Problemen. Mittlerweile brauchte keine anderen Schuldigen um meine Probleme erklärbar zu machen, ich wusste das es alleine an mir lag und so wurde die Therapie ein voller Erfolg. Ich lernte mit den gelähmten Momenten umzugehen und meine Müdigkeit als Schutz und Abwehr gegen meine Umwelt zu erkennen.

Während ich mit Leben beschäftigt war absolvierte ich mit Ach und Krach, sowie einem unterirdischen NC und Unmengen an Fehlstunden, mein Abitur. In meiner Ausbildung half mir die praktische Arbeit dabei die Theorie zu erdulden. Ich ging einen soliden Weg der sich lohnte, die unerträglichen Momente wurden auf ein Minimum reduziert, so dass ich mich irgendwann ins Leben zurückfallen ließ und mich verliebte.

Ich stürzte mich Hals über Kopf in meine erste Beziehung, in der ich es dem Mann an meiner Seite nicht einfach machte. Er hatte vieles zu erdulden, doch er liebte mich und tut dies heute noch, in genau der gleichen Intensität wie damals.

Zu akzeptieren geliebt zu werden war schwieriger, als den anderen zu lieben. Wir schafften es und gingen einen gemeinsamen Weg, der heute in den Augen unseres Kindes zusammenführt.
Die Müdigkeit tauchte nur noch selten auf und ich lernte meine Tage in gute und schlechte zu unterteilen, die guten Tage ließen sich mit der Zeit häufiger Blicken. Mittlerweile kenne ich das Gefühl der schlechten Tage nicht mehr, denn mit der Geburt meines Sohnes kam eine Zufriedenheit in mein Leben die alles veränderte. Mit ihm im Herzen habe ich das Gefühl atmen zu können, so viel und solange ich will. In keinem Moment legt sich ein Schleier über mich der mich daran hindert zu denken.

Seid mein Sohn in mein Leben getreten ist gibt es keine guten und schlechten Tage mehr – es gibt nur noch Leben. Leben, jeden Tag und es rast mit einer Intensität an mir vorbei die mir Angst macht, aber an jedem Abend freue ich mich auf den nächsten Tag. Ich freue mich wenn die Sonne aufgeht und freue mich über den Tag genauso wie über die Nacht.

Endlich ist es soweit das ich weitermachen kann, manchmal würde ich am liebsten überhaupt nicht schlafen, weil alles so schön ist. Die Zeit mit ihm, die Zeit alleine, alles ist so anders und intensiv das ich manchmal die Augen schließe und mich frage: „Kann es noch besser werden“?
Ich bin keine Mutter die an der Supermarktkasse steht und anderen Müttern davon vorschwärmt wie toll und einfach alles ist. Im Gegenteil so manches ist ganz schön nervig und anstrengend. Im Grunde bin ich auch als Mutter immer auf der Suche nach mehr Zeit und stabileren Nerven. Keine Unterteilung in gute und schlechten Tage mehr erleben zu müssen ist das größte Geschenk.

Ich bin glücklich und heute zu meinem Geburtstag merke ich, wie zufrieden ich bin mit dem Punkt an dem ich in meinem Leben stehe bin. Es fühlt sich richtig an, als wäre ich ankommen. Angekommen im Leben, im hier und jetzt, endlich fühlt es sich so an als wäre ich die, die ich immer sein will.

Endlich habe ich meinen Platz im Leben gefunden.

Happy Birthday liebe Alina

 

Alina
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Alina

Bloggerin bei Liebling, ich blogge - jetzt!
Hier schreibt Alina, Mama von zwei Kindern, 28 Jahre jung und wohnhaft am Stadtrand von Köln. Meine Leidenschaft gilt dem Schreiben, Reisen und Leben in meiner kleinen Familie.
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Schön, dass Du da warst! Sehen wir uns bald wieder?

1 comment

  1. Liebe Alina,

    ich wünsche dir einen wunderbaren Geburtstag und viel Glück im neuen Lebensjahr. Genieße die Zeit mit deinen Lieben, und blogge weiterhin so toll wie bisher. Ich freue mich immer wieder deine Beiträge zu lesen.

    Alles Liebe aus Köln
    Mary

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