Von Mutter zu Mutter; zwischen Hoffen und Bangen

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Manchmal schlägt das Schicksal zu und im Nachhinein betrachtet wissen wir gar nicht mehr so recht, wann eigentlich der schlimmste aller untragbaren Momente war.

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Ich möchte Euch heute eine junge Mama, namens Nea, vorstellen:“ Ich bin Nea, 27 und komme aus Bochum.“

Nea wurde schwanger ,weil es ihr sehnlichster Wunsch war -dieser Welt ein Kind zu schenken. Wie jede Frau freute sie sich auf das beginnende Wunder, dass ihr bevorstand, doch aus irgendeinem Grund sollte alles anders kommen, als erwartet: “ Ich hatte in der 24ten Woche (23+3) Wehen und bin am nächsten Tag zum Arzt gefahren, weil ich Schmerzen hatte. Er sagte mir, dass ich Wehen habe und der Gebärmutterhals nur noch auf 0,9 cm war. Ich sollte sofort ins Krankenhaus fahren. Dort angekommen sollte ich nur noch liegen und bekam eine Tokolyse.

Die Geburt

Kinder, so sagt man, sind ab der 25ten Woche lebensfähig, aber was bedeutet das „Lebens fähig“? Eigentlich dauert eine Schwangerschaft bis zur 40ten Woche, ab der 36ten ist es keine Frühgeburt mehr. Man kann sich die Angst einer Mutter kaum vorstellen, die sie erleidet, wenn sich eine Geburt anbahnt in dieser Woche der Schwangerschaft. Doch Nea hatte bereits ein Gefühl: „Durch die Tokolyse war ich ziemlich durch den Wind. Nur am zittern und Herzrasen. Ich hatte von Anfang an im Gefühl,dass die Geburt nicht mehr lange dauern kann. An dem Abend vor der Geburt fingen die Wehen wieder an und ich hielt erst mal die Nacht durch. Dann ging es nicht mehr und ich rief die Schwester. Der Arzt untersuchte mich und sagte, dass der Muttermund komplett auf sei und sie ihn jetzt holen müssen, da er eine normale Geburt wohl nicht überstehen würde.

Mit Hilfe eines Kaiserschnitts wurde der kleine Mann aus seiner Höhle geholt, viel zu früh, das sieht auch Nea so: „Er wurde mir viel zu früh aus dem Leib gerissen und das tut mir heute noch weh, aber versagt hab ich, denke ich nicht, denn ich konnte nichts an der Situation ändern.“

Ein Kaiserschnitt ist ein Fortschritt der Medizin, denn ohne ihn hätten manche Kinder keine Chance aufs überleben. Doch Nea gibt kritisch zu bedenken: „Eine Schwangerschaft ist anstrengen, nur wenn ich höre, dass manche wollen, dass ihr Kind kommt obwohl es noch nicht so weit ist kann ich dabei nur den Kopf schütteln. In diesem Moment, in dem die Geburt los ging, die Angst was mit meinem unreifen Kind passiert, wird er sterben oder nicht? Angst vor den Schmerzen, die Leute um mich herum waren mir fremd und keiner konnte mir sagen wie es weiter geht. Das ganze drum herum war das schlimmste. “

Das Wunder

Als die Ärzte sich erst einmal für das Holen des Kindes entschieden: „ging alles schnell, ich war nur am Schreien und am Weinen vor Angst. Rief meinen Mann an, dass er kommen sollte. Dann wurde ich umgezogen und in den Op gefahren. Dann kam die Narkose und ich war weg.“

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Er war 510 Gramm leicht und 30 cm klein. Eine normale Geburt hätte er nicht überlebt!

Und dann? Wie ging es weiter? „Er hatte einen sehr schweren Start. 7 Wochen Beatmung und dann nochmal 9 Wochen Sauerstoff. Er nahm auf 405 Gramm ab. 2 Ops am Darm, da er 8 Löcher im Dünndarm hatte. Er bekam einen künstlichen Darm Ausgang der nach 5 Wochen wieder zurückgelegt werden konnte. Ein Riss in der Lunge kam danach und wir sollten uns von ihm verabschieden. Was ich nicht tun wollte…. danach folgte OP Nr. 3 an den Augen. Durch die lange und hohe Beatmung reifte die Netzhaut zu schnell und er drohte zu erblinden. Dann kam OP Nr. 4 ein Leisten und Narben Bruch.

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Aber sie schafften es, sie durften nach Hause gehen: „Er wurde mit 2440 g und 44 cm entlassen mit einem Überwachungs-Monitor.“

Die Zeit ist nicht mehr rückgängig zu machen, man kann es nicht beschönigen, dass es eine Frühgeburt war, er ist gesund, aber „Jetzt ist es immer noch sehr anstrengend zum Teil. Er hängt noch zurück, braucht Physiotherapie, Logopädie, braucht heute eine Brille und hochkalorische Nahrung.“

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„Viele sollten sich im Klaren sein, dass eine Frühgeburt jeden treffen kann.Vor der Geburt wusste ich nicht, dass es so kleine Kinder gibt. Man sollte acht auf sich nehmen und nicht alles für selbst verständlich sehen.“

Jedes gesunde Kind ist ein Wunder, Nea hat auch ihr Wunder erlebt, ihr kleiner Mann lebt, aber dennoch ist es ein Wunder das prägt, aber auf ganz andere Art und Weise:“ Was zu verarbeiten hab ich auf jeden Fall, nicht nur die Horror Geburt, sondern auch das was danach war. 18 Wochen intensiv gehen nicht spurlos an einem vorbei. Kuscheln konnten wir erst nach 2 Woche miteinander und ich finde, dass hat schon sehr an der Bindung gekratzt. Dieses kennenlernen nach der Geburt hat einfach gefehlt. Wir haben eine Bindung, sie ist da, dass auf jeden Fall., aber manchmal Zweifel ich schon daran. Ich glaube, dass sie viel stärker wäre, wenn das alles nicht passiert wäre. Der erste richtige Körper Kontakt war erst nach 2 Wochen, das Bild wo wir zu dritt drauf sind war an dem Tag, als ich ihn das erste Mal halten durfte. Ich habe zwar immer meine Hand rein gehalten und ihn angefasst, aber das ist nicht dasselbe.“

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Und ihre Angst und ihre Sorgen werden sie noch lange Zeit prägen, denn ein weiteres Kind möchten sie erstmal nicht: „Ein weiteres Kind möchten wir im Moment nicht, da die Angst zu groß ist, dasselbe erneut zu erleben. “ Ihre Partnerschaft hat gelitten, sie gestärkt, aber auch viel kaputt gemacht.

Nichts ist mehr wie es einmal war. Wünsche sind zerplatzt, Hoffnungen zerrissen und neu entstanden. Weltsichten haben sich verändert, doch eins ist geblieben die Sorge um ihr Kind.

Selbst heute noch schläft der Kleine am Überwachungsmonitor, da er durch die lange Beatmung eine Verhärtung der Lungen hat, nicht sehr ausgeprägt, aber aus Sicherheitsgründen, ist es besser so.

nea5Eine Weeile zu Hause

Sie wurden entlassen mit einem Monitor: „Ein Frühchen hat ein erhöhtes Risiko am Kindstod zu sterben. Der Monitor wurde uns bereitgestellt und sollte 24 Stunden dran bleiben falls er aufhört zu atmen sollten wir reanimieren. Jetzt ist er nur noch nachts bewacht.“

Angst und Freude liegen so nah beieinander, dass sollte man niemals vergessen: „Ihm geht’s gut. Wir hatten großes Glück,dass wir trotz der Probleme ein gesundes und vor allem ein lebendes Kind haben. Leider haben nicht viele so ein Glück in der Woche.“

„Wichtig ist mir: es kommt nicht darauf an, wieviel das Kind wiegt, sondern wie reif es ist. Jeder Tag im Bauch zählt. Habe das am Anfang echt unterschätzt.“

Selbst heute hat sie noch jede Nacht Angst um ihren kleinen Kämpfer: „Der Monitor beruhigt mich sehr und gibt mir große Sicherheit. Ohne würde ich wohl immer gucken gehen. Wir haben ihn immer noch für nachts. Ich denke, dieses Jahr bleibt er noch dran. Danach kommt er in den Schrank, wenn er krank ist oder geimpft wird brauchen wir den dann -ob er noch atmet. Das ganze zerrt sehr an den Nerven.“

Ihre Geschichte hat mich sensibilisiert

Sie hat ein Wunder erlebt, aber auf ganz andere Weise, als man es erleben möchte. Man möchte den Moment der Geburt auskosten, es immer wieder erleben: diesen Moment in dem man sein kleines Wunder in die Arme gelegt bekommt. Diesen Moment in dem man sich kennen lernt. Immer und Immer wieder denkt man an diesen Moment zurück und freut sich seiner, aber dann auf einmal kommt alles ganz anders.

Nea hat mir die Augen geöffnet, dankbar zu sein für das was ich habe. Sie hat mir gezeigt, dass ich niemals das nachempfinden kann, was sie empfunden haben muss. Es wäre anmaßend von mir zu behaupten auch nur im kleinsten Detail verstehen zu können, welche Angst in ihr herrschte, zu jeder Minute, zu jeder Sekunde in der sie um das Leben ihres Sohnes kämpfte.

Ich mag keine Horror Geschichten, aber ich mag Geschichten von Frauen, die über sich hinaus wachsen und Großes tun. Ich mag Geschichten, die Hoffnung schenken und am Ende zeigen: “ Wir haben gewonnen!“

Liebe Nea, auch wenn dein Weg noch einige Steine für dich bereit halten wird, weiß ich, dass du sie beiseite legen wirst und am Ende eine riesige Schutzmauer für deinen Kleinen Löwen daraus bauen wirst. Ich danke dir für deine Worte, für deine Geschichte und den Mut sie mit uns zu teilen. Ich wünsche Euch, von Herzen alles erdenklich Gute auf eurem weiteren Weg, danke für deine Geschichte <3

 

Nea: „Man sollte nicht immer alles für selbst verständlich nehmen und jeden Tag genießen!“

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Ende

4 comments

  1. Ich bin selbst eine Früchenmutter und kann viele Empfindungen nachvollziehen . Ein harter Weg den ich niemanden gönne .
    Nichts ist so hart , wie um das Leben des eigenen Kindes zu bangen. Ich wünsche euch noch alles gut

  2. Ich kann Nea in ihrem letzten Satz nur zustimmen. Meine Schwangerschaften waren zwar relativ unkompliziert, habe aber trotzdem ein krankes Kind. Und ich werde es nie nachvollziehen können, wie Mütter die Gesundheit ihres Kinder durch Nikotin, Alkohol, etc. auf´s Spiel setzen können. Wird mir immer ein Rätsel bleiben.
    Genießt die Zeit mit euren Kindern!

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