Mittwochsfrage | Warum muss es nur immer so schwierig sein?

Familie | Warum muss es immer so schwer sein?

Seit ich Mutter bin, hat sich mein Blick auf die Welt verändert. Meine Sicht auf die Politik. Auf das drum herum. Früher war es mir schlicht weg egal, ob und wie viele Steuern ich zahlen muss. Egal, ob ich eine Plakette für das Auto brauche ja oder nein oder die KFZ Steuer erhört wird. Natürlich sind all das nervige Umstände – auch als Singel. Selbstverständlich, aber es fühlt sich ander an. Schon damals empfand ich manches vielleicht als ungerecht, aber es bedeute lediglich einen Einschnitt in mein Leben. Vielleicht musste ich hiin und wieder sogar auf das ein oder andere Mittagessen in meiner Ausbildung verzichten, weil kein Geld mehr da war, aber ganz ehrlich? SO What!

Es fühlte sich nicht existentiell an.

Mit Kindern an der Hand sieht es anders aus. Es fühlt sich anders an auf ein Mittagessen verzichten zu müssen, weil kein Geld mehr da ist. Die Wahlen stehen an und auch wenn sicher ist, dass ich am 24.09 mein Kreuz setzen werde, denn ich liebe unser Recht zu Wählen. Ist noch lange nicht sicher WEN ich wählen soll. Denn wer befasst sich mit meinen Belangen? Mit der Situation von Familien?

Ich fühle mich im Stich gelassen. Familien kommen zu kurz und ich sehe nicht, dass sich das irgendwie ändern wird. Natürlich steht aktuell am Straßenrand groß auf Plakate gedruckt, dass Familien an erster Stelle stehen, aber nach der aktuellen Hebammensituation, empfinde ich diese Plakate mehr denn je als absolute Farce.

WO SEIT IHR?

Am Anfang einer jeden Familie steht die Geburt. Das Wochenbett. Das erste Lebensjahr. Hier werden die Weichen für die Zukunft des Kindes gelegt. Der Weg der Mutter wird mit Mut und Stärke oder Verunsicherung und Scham gepflastert. Die Weichen gelegt. Eine Hebamme? Der wohl essentiellste Faktor einer sich findenden Familie. Nun frage ich mich also: Wo sind all die Politiker, die aktuell mit ihren Familienslogans werben?

Wo greifen sie ein? Wo helfen sie jungen Müttern oder gar der Familie?

Ich schaue auf mein Leben und meine zwei Kinder. Wünsche mir nichts anders. Nur manchmal unseren Familienalltag etwas leichter. Ich wusste das es anstrengend werden würde. Wusste auch, dass wir nicht das große Geld haben, um uns ein großes Auto zu leisten oder gar ein Haus. Nun in der Realität anzukommen und verstehen zu lernen, dass manche Familien es so viel leichter hätten, wenn sie andere Außenumstände hätten: mehr Platz, mehr Rückhalt, mehr Eigenkapital, macht mich unendlich traurig.

Kitaplatz

Ich bin an einem Punkt angekommen an dem meine Gesundheit leidet, weil ich schlichtweg überfordert bin. Mit dem fehlenden Kitaplatz fing es an. Jetzt haben wir endlich einen Platz und zu sehen, wie ich als Mensch mit diesem Platz Tag für Tag mehr aufblühe machts mich auf der einen Seite unendlich dankbar. Auf der anderen Seite bin ich traurig, dass mir niemand vorher geholfen hat.

Gebettelt habe ich beim Jugendamt. Geföeht habe ich bei den Kitas, dass mein Sohn einen Platz benötigt. Die Antwort? „Sie sind in die falsche Stadt gezogen. Hätten Sie sich besser informieren müssen.“ Diese Zeit liegt hinter uns, also vergessen, dass es uns schon früher hätte besser gehen können, wenn wir mehr Unterstützung vom Staat bekommen hätten.

Familienauto

Nun das nächste Familienproblem. Ich quetsche seit graumen Zeiten meine Kinder in einen kleinen drei Türer, weil mehr einfach finanziell nicht drin ist. Es ist zwar nur ein Auto, aber ein anständiges Auto würde mir soooo unendlich viel Stress ersparen. Klingt doof, natürlich, ist aber so. Ich hätte auch niemals gedacht, dass mir so etwas mal Probleme bereiten würde. Ich denke, es bereitet mir auch nur so große Kopfschmerzen, weil ich inzwischen weiß, wie sich ein größeres Auto anfühlen würde. Rein und los. So brauchen wir oft ganze zehn bis fünfzehn Minuten bis erst einmal alles verstaut ist und dannach bin ich auch wirklich fix und fertig. Das ist ärgerlich, denn der Alltag mit zwei Kindern ist so schon anstrengend genug. Da macht es mich einfach sauer, wenn es Momente gäbe, die wir als Familie einfacher haben könnte, wenn man finanziell als Familie besser aufgestellt wäre.

Wohnen als Familie

Aber ohne Geld? Kein Familienauto! Und so kommt der nächste Punkt. Wir leben zu dritt auf 86cm². Die Kinder teilen sich ein wirklich kleines Zimmer und auch DAS ist okay, aber ein Haus würde unseren Alltag einfach um einiges leichter machen. Das Problem ist nur, wir kriegen nie-nie-niemals einen Kredit mit dem es uns nur Ansatzweise möglich wäre ein Haus in dieser Preiskategorie unserer Stadt abzubezahlen. Kaufen wir günstiger, ist sehr wahrscheinlich viel zu erneuern, also im Umkehrschluss? Brauchen wir auch hier einen Kredit.

Das Paradoxe ist nur: Wir kriegen zwar keinen Kredit, weil wir kein Kapitalhaben, aber von dem Geld, was wir an Miete monatlich bezahlen, könnten wir locker einen Kredit abbezahlen. Nur wer gibt einer Familie einen Kredit bei der, der Mann einen ganz normalen Bürojob hat und die Mutter zu Hause bei den Kindern ist und ab und an die Computertasten streichelt?

Zu all meinen Wünschen, die so viel einfacher machen würden, für die aber kein Geld da sind, weil keiner Familien so wirklich unterstützt, kommen dann plötzlich die monatlichen Fixkosten, wie Steuer, Kitabeiträge, Rente, KFZ Versicherung und schwupps bin ich an einem Punkt angelangt an dem diese Dinge mich nerven. Und zwar so richtig.

Der Wohlstand – natürlich ist er da!

Wir leben in Deutschland im Wohlstand. Natürlich. Ganz meine Meinung. Uns geht es gut. Wir haben zu essen. Wir sind Krankenversichert. Haben ein Dach über dem Kopf, eine Heizung und uns stehen Grundbedürfnisse zu. Ohne Krieg und Verfolgung. Dennoch, wenn ich an mein Leben ohne Kinder denke und dieses mit dem jetztigen vergleiche. Mich im Spiegel anschaue und sehe wie ich mich krank mit zwei Kindern durch meinen Alltag schleppe und nicht weiß wann das endlich mal wieder richtig bergauf gehen soll, dann finde ich, dass in unserem Land Familien zu kurz kommen.Es gibt Hilfen. Anspruch auf Hilfe. Ja! das weiß ich, aber es dauert bis das ins Laufen kommt.

Ich finde, unterm Strich wird leider nicht genug darauf geachtet, ob Menschen mit Kindern gut versorgt sind. Das sie ausreichend Wohnraum haben oder ihnen Mittel und Wege zur Verfügung gestellt werden, diesen zu finanzieren. Ebenso wie ein anständiges Familienauto. Oder Mütter gut versorgt sind, damit sie sich um ihre Kinder kümmern können.

Die Kinder waren meine Entscheidung. Nicht die, des Staates. Ich erwarte nicht, dass sich jemand um meine Kinder kümmern muss, aber dann muss auch niemand schreien, dass wir mehr Kinder brauchen oder gar jemand an den Belangen einer Familie interessiert zu sein scheint.

Kitabeiträge

Allein die neu hinzugekommene monatlliche Belastung von 250 Euro für die Betreuungsplätze meiner Kinder sind für uns ein gravirender Einschnitt in unser Haushaltskonto. Aber was soll man tun? Ohne Betreuung? Keine Arbeit. Ohne Arbeit? Kein Geld und ohne Geld kein Dach über dem Kopf, kein Essen, kein Leben, welches Kindern zusteht. Job und Familie unter einem Hut? Vielleicht Morgen, aber nicht heute. Und plötzlich verschwimmt diese Wohlstandgesellschaft wie ein blasser Schleier im dunsten Regen.

Dabei habe ich doch nur das Bedürfniss, dass ich für meine Kinder ein Leben möchte ,

Ohne Angst

Ohne Enge

Ohne Existensängste

 

Alina
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Alina

Bloggerin bei Liebling, ich blogge - jetzt!
Hier schreibt Alina, Mama von zwei Kindern, 28 Jahre jung und wohnhaft am Stadtrand von Köln. Meine Leidenschaft gilt dem Schreiben, Reisen und Leben in meiner kleinen Familie.
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Schön, dass Du da warst! Sehen wir uns bald wieder?

2 comments

  1. Liebe Alina, ich kann dir da voll und ganz zustimmen. Uns geht es da ähnlich und oft bekomme ich auch Wut über diese ganze Situation mit der Familien, Hebammen und Co. zu kämpfen haben! Als ich noch in Elternzeit war haben wir vom Staat den Kinderzuschlag bekommen. Nun natürlich haben wir 56 Euro zu viel und bekommen es nicht mehr…aber weißt du Das? Es gibt den kinderzuschlag, eventuell Wohngeld bzw Lastenzuschuss und die Kita kostenerstattung vom Staat für Familien mit geringen Einkommen. Viele wissen das ja gar nicht! Aber man muss es eben beantragen und sich und seine finanzielle Situation einmal komplett offen legen….:(
    Zwecks Wahl weiß ich auch nicht wen ich wählen soll…Pest oder Cholera-.-

  2. Ironischerweise gab es sehr vieles was du und andere bemängeln (dazu zähle ich auch) zu DDR Zeiten, weil Frauen wichtige Arbeitskräfte waren: Größere Wohnungen pro Kopfzahl, Zuschuss zur Miete, genug Kita- und Hortplätze und noch so einiges. Dafür wurde man auch über seinen Job definiert und eine reine Hausfrau und Mami war eher verpönt. Aber es zeigt, dass das Konzept des familienunterstützenden Staates gut funktionieren kann, denn daran ging die DDR nicht zu Grunde.
    Bei den heutigen Parteien muss man einfach raten und hoffen, ob sie ihr Wahlprogramm wirklich ernst meinen und umsetzen. :/ Absolut bekloppt, aber nicht wählen ist keine Alternative.
    Ganz liebe Grüße!

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