Work und travel: „Lieber Freundin du fehlst mir!“

Kennt ihr das Gefühl jemanden zu vermissen? Ich habe eine Freundin, die sich dazu entscheiden hat für einige Zeit nach Australien zu gehen um dort für ein Jahr zu leben und zu arbeiten. Es war schwer für mich sie so gehen zu lassen, da es in meinem Leben nicht mehr allzu viele gute Freunde gibt. Viele kümmern sich nicht um das neue Leben mit Kind und die neue Weltansicht einer frisch gebackenen Mutter. Für sie muss es weitergehen wie bisher – Feiern am Wochenende, telefonieren, wenn einem grade danach ist und verfügbar sein, wenn die Probleme das eigene Leben übermannen. Mit Kind gestaltet sich das Leben leider anders. Krabbelgruppen bekommen die höchste Priorität, das Kind steht vor deinen Problemen. Die eigene Müdigkeit und der nächste Tag werden dem Feiern vorgezogen. Alles verschiebt sich in seiner Wichtigkeit und am Ende der Kette stehst irgendwo du mit deinen eigenen Bedürfnissen. Für andere ist das schwer zu verstehen.

Manchmal zieht man sich selbst vor, aber am Ende überlegt man nur, wie man alles am besten unter einen Hut bekommt. Manche Freunde verabschieden sich allerdings auch einfach so, weil ihnen deine ständigen Launen und Probleme auf den Senkel gehen und sie genau wissen, dass das Leben mit Kind – zur Zeit noch nichts für sie ist. Die Probleme von Eltern sind oft die uninteressantestes Dinge, die Kinderlose Menschen zu Ohren bekommen, denn wir haben keine Probleme über die Ausscheidungskonsistenz und Farbe unserer Kinder in langen  Tönen zu reden und diese zu analysieren, denn oft ist es das einzige, das wir überhaupt am Tag zu analysieren bekommen.

Auf diesem Weg verabschiedeten sich bei mir auf leisem Weg 90 Prozent der Freunde, doch hinter all den freundschaftlichen Sturmböen gab es immer die eine – die alles verstand. Als sie mir vor knapp einem Jahr erzählte, dass sie sich neu finden möchte und dafür nach Australien gehen wollte – ins Down Under, blieb mir fast die Luft weg, denn ich wusste gleich, dass dies ein schmerzhafter Abschied für mich werden würde. Ich liebte diese Herzen Freundin und als ihre Pläne immer mehr Realität wurden in dem sie sich einen Working Holiday Pass für Australien besorgte. Ihre Impfungen auffrischte und immer mehr Vorkehrungen traf um bald den ersten Schritt ins neue Leben zu wagen – da brach für mich jedes Mal aufs neue die Welt zusammen.

Kennt ihr dieses Gefühl?

Irgendwann machte sie sich dann, wie 21.000 andere Deutsche, auf den Weg nach Australien um dort zu leben und hier ist es wie erwartet: Ich vermisse sie. Ihre Art und das Leben mit ihr. Unsere Gespräche fehlen mir, denn ich hatte immer das Gefühl, dass ich bei ihr sicher bin. Es ist komisch solch einen Menschen aus den Augen zu verlieren.

Natürlich nicht aus dem Sinn, aber ich habe sie nicht mehr um mich herum und schon gar nicht weiß ich – was sie alles macht. Wir schreiben, erzählen, aber ihre beruhigende Art ist lediglich wie ein Schatten zurück geblieben. Als wir vor einiger Zeit Skypten, erzählte sie mir etwas länger von ihren Dingen die sie dort erlebt. Wie schwer es doch wirklich ist einen passablen Job zu finden, wie einsam sie sich fühlt und wie sie das Vertraute vermisst. Unterm Strich ist es jedoch die geilste Erfahrung die sie bisher je gemacht hat. Sie hat einfach ein wenig Heimweh bekommen, das Vertraute angefangen zu vermissen, den Raum in dem man sich ohne nachzudenken bewegen kann. Ich gönne ihr die Zeit in Australien und deswegen habe ich auch überlegt ihr einen kleinen Muntermacher in ihr zu Hause zu schicken.

Ihre Zeit, ihr jetziges Leben, das Gefühl einmal aus dem System ausgebrochen zu sein. Sie lebt einen Traum, den sie lange aufgeschoben hat und genau deswegen soll sie neue Kraft tanken. Freunde sind doch Menschen, die einen Unterstützen und einem dann Kraft schenken, wenn andere sie dir aus Vernunft verweigern. Freunde sind die verrückten Menschen an deiner Seite, die mit dir Lachen, wenn man gemeinsam hingefallen ist. Ich möchte ihr zeigen, dass die den richtigen gegangen ist und nur ein wenig Freude braucht um neue Kraft zu tanken.

Viele Wege bleiben nicht auf die Entfernung gesehen, entweder setze ich mich in den Flieger und fahre nach Down Under oder aber ich packe all das was unsere Zeit verbindet in ein kleines Päckchen und hoffe darauf, dass meine Gedanken bei ihr ankommen. Leider ist es nicht so einfach ein Paket nach Australien zu verschicken, denn Lebensmittel können auf diesem Weg beim Zoll große Probleme machen. Die Kennzeichnung, als Geschenk darf am Zoll auf keinen Fall nicht zu erkennen sein, denn dann hat man ein großes Problem. Andere Länder, andere Sitten – so empfiehlt es sich erst einmal genau die Zollbestimmungen des Landes anzuschauen – was man wie, auf welchem Weg, nach Australien einreisen lassen darf.

Mir war es wichtig ihr eine kleine Erinnerung an unsere gemeinsame Zeit zu schicken, denn nach ihrem Aufenthalt in Australien wir sie sich verändert haben und ich habe mich so wieso in den vergangenen Wochen und Monaten sehr verändert. Letztendlich sind wir beide nicht mehr die Menschen, die wir einst waren, als wir die Nacht zum Tage machten und in aller Unbeschwertheit des Lebens die Flasche Wein bis zum letzten Tropfen leerten und uns fragten wo wir in 30 Jahren einmal sein würden.

Kennt ihr auch diese Freundin? Dann zeig es ihr!

Alina
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Alina

Bloggerin bei Liebling, ich blogge - jetzt!
Hier schreibt Alina, Mama von zwei Kindern, 28 Jahre jung und wohnhaft am Stadtrand von Köln. Meine Leidenschaft gilt dem Schreiben, Reisen und Leben in meiner kleinen Familie.
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Schön, dass Du da warst! Sehen wir uns bald wieder?

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