Ein Papa erzählt // Die erste Zeit zu Hause mit Baby aus Sicht eines Vaters

Das Leben als Papa // Die Sicht eines Vater über die erste Zeit mit Baby

Hallo liebe Mütter,

zunächst einmal möchte ich mich bedanken  für das positive und nette Feedback zu meinem ersten Artikel, es war auch für mich einmal schön das Erlebte zu reflektieren und von der Seele zu reden bzw. zu schreiben. Ich war sehr überrascht, dass es so gut angekommen ist und geehrt das ihr nun noch mehr von mir hören wollt.

Wie ihr wisst bin ich vor mehr als 8 Monaten, als frisch gebackener Papa aus dem Kreissaal stolziert. Naja stolziert ist wohl etwas übertrieben, ich bin im Wachschlaf über die Gänge des Krankenhausflures, in Richtung unseres Zimmers geschwebt. Nachdem wir aus unserem Koma erwachten, wurde mir erst so langsam bewusst, dass wir von nun an eine kleine Familie sind. Bis ich aber überhaupt realisiert hatte, dass ein kleiner Mensch von nun an immer an unserer Seite ist und bei uns einzieht, hat es seine Zeit gebraucht. Trotz der Vorbereitung und Planung ist es lange Zeit ein sehr ungewohntes Gefühl geblieben. Nun hieß es: erst einmal am lebenden Objekt das Windelwechseln zu üben. Im Nachhinein denke ich, es war so einfach, als er sich noch nicht so viel bewegen konnte, doch auch dies musste erst einmal gelernt werden. Nachdem der Stämmige Krankenpfleger mir auf der Entbindungsstation gezeigt hatte wie das Windelwechseln ohne großen Unfall funktionierte, ging ich mit einem gut riechenden Kind und neu erlangten Erkenntnissen zurück auf unser Familienzimmer.

papa und miniDer erste Besuch im Krankenhaus

Der tägliche Besuch von frischgebackenen Großeltern, Tanten und Onkels stand an. Zwischen Kaffee, Kuchen und Kinderspielzeug saßen wir in Joggingklamotten auf unseren Betten und verfolgten das Geschehen. Ich merkte noch jeden Knochen und Muskel von der Nacht der Nächte in meinem Körper, sodass der Weg ins Badezimmer schon zur Tortur wurde. Sobald ich meinen kleinen zerbrechlichen Sohn auf dem Arm hielt, verkrampfte ich aus Angst ihn fallen zu lassen so sehr, das jedes Fitnessstudioabonnement hinfällig wurde. Ja! Ich musste mich erst an die neue Situation gewöhnen, aber man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben. Ich bin im Nachhinein immer noch sehr glücklich darüber, dass wir das Familienzimmer im Severinsklösterchen gewählt haben und ich jede Minute der ersten Tage meines Sohnes miterleben konnte. Alleine zu Hause wäre ich durchgedreht, wobei das normalerweise gang und gebe ist.
Nun stand die zweite Nacht als stolzer Papa an und jeder, wirklich jeder, warnt einen vor der Geburt vor, das an schlaf nicht mehr zu denken sei; sobald das Baby da ist. An dieser Stelle sei gesagt, dass diese Information einfach niemand hören möchte!

Ich freute mich auf die neue Zeit mit Kind mit oder ohne Schlaf.

Ich würde keiner Schwangeren jemals sagen, wie hart die Zeit mit Baby doch wird und das sie sich warm anziehen soll. In meinen Augen muss jeder seine eigenen Erfahrungen leben und sammeln. Werdende Eltern wissen, dass es nicht immer ein Kinderspiel wird, aber jedes Kind ist anders und jeder sollte die Erfahrung selbst machen. Man gewöhnt sich an weniger schlaf.
Also: Liebe werdende Eltern, lasst euch nichts erzählen. Das musste einfach mal gesagt werden. Auf jeden Fall waren die Nächte wie erwartet kurz, aber nach einer kleinen Mahlzeit von Mama wurde wieder geschlafen. Am Anfang saß ich bei jeder Mahlzeit des kleinen neben den beiden und schaute fasziniert zu wie er langsam versuchte meine Freundin zu verschlingen. Ich wusste nicht was ich tun sollte und natürlich hat der Mann keinerlei Funktion in dieser Situationen, aber ich hätte nicht mit ruhigem Gewissen einfach nichts tun können und weiter schlafen. Zumal das Andocken des Kindes an die Brust der Mutter seine Zeit brauchte ohne zu schmerzen. Beide mussten sich erst einmal an diese Stillbeziehung gewöhnen.

DA SEIN

Ich weiß es zwar nicht, weil ich bisher noch nicht gefragt habe, aber ich denke wie bei der Geburt, reicht es oftmals einfach da zu sein und eventuell etwas Zuspruch zu geben. Nun müssen die kleinen am Anfang bekanntlich noch alle 2 Stunden ihre Mahlzeit bekommen und die regelmäßigen Unterbrechungen lassen eine Tiefschlafphase gar nicht zu, was sich natürlich erstmal auf den Geisteszustand auswirkt. Klare Gedanken fassen und grammatikalisch richtige/komplette Sätze reden, viel mir zunehmend schwerer. Natürlich, wie schon gesagt, ist dies alles eine Sache der Gewöhnung. Heute werde ich am Wochenende teilweise noch vor dem Mini wach und bin wirklich glücklich darüber. Das Wochenende, welches sonst viel zu kurz war, ist zwar immer noch kurz, aber nicht mehr so schlimm wie früher. Nachdem wir die ersten Tage, als neue kleine Familie im Krankenhaus verbrachten und sich alles bestens entwickelte, durften wir nach sieben Tagen den Weg nach Hause antreten.

Ein neues Familienmitglied

Ein richtiges Abenteuer stand uns bevor, denn jemand würde bei uns einziehen. Dieser jemand wird auch heute noch liebevoll als „der Einbrecher“ von uns bezeichnet.
Auf einmal war da jemand, der sich von nun an mit uns in unserer Wohnung aufhalten würde und gemeinsam mit uns das Bett teilte.
Das Gefühl wieder zu Hause gehört zu einen der schönsten Momente in dieser Zeit.

Ich fühlte mich nicht mehr so beobachtet und analysiert wie im Krankenhaus und die Anspannung lies langsam nach. Doch nun waren wir auch auf uns gestellt. Lediglich die Hebamme die alle zwei Tage bei uns vorbei kam, stand uns für Fragen und Sorgen zur Verfügung.

Natürlich hat jeder gut gemeinte Ratschläge

Und natürlich hat jeder den man trifft ein bis zwei ungefragte Ratschläge auf Lager oder sagt einem was man niiiiiiiieeeeemals machen darf; bei einem Baby in diesem Alter, aber auch das überstanden wir gemeinsam.

Letzten Endes muss jeder für sich entscheiden, welche Tipps man für gut befindet und welche vielleicht etwas zweifelhaft sind. So hab ich mir das Beste rausgepickt und in meine väterlich-moralischen Vorstellungen aufgenommen. Auch das spazieren gehen mit Kinderwagen war ein ganz neues Erlebnis für mich und brachte einen vor viele neue Fragen und Probleme. Zum Beispiel: „In welche Läden, in die man sonst so gerne geht, kommt man ohne Probleme noch hinein? In welchen Cafés sind Kinder bzw. Babys gerne gesehen?“ Ich finde es schlimm, das man in unserer Gesellschaft nicht mehr in jedem Café/Restaurant sitzen kann, ohne das man komisch angeguckt wird oder sobald der Kleine ein Laut von sich gibt, die Leute um einen rum das Weite suchen. Ich musste erst lernen diese Tatsache einfach zu ignorieren, aber traurig finde ich es trotzdem, das sollte auch einmal gesagt werden.

Zu Beginn fühlte ich mich nutzlos und hilflos.

Die eigentliche Funktion des Papas kommt nach und nach; doch daran musste ich mich erst einmal gewöhnen. Zu Beginn fühlte ich mich nutzlos und hilflos. Die zunächst wichtigste Aufgabe für mich: Mama den Rücken frei halten, damit sie sich voll und ganz auf das Füttern des kleinen Raubtieres konzentrieren konnte und natürlich von der Kräfte zehrenden Geburt erholen. Zeitweise kam ich mir dennoch sehr nutzlos vor, auch wenn ich meinen Part weitestgehend erfüllte. Eigentlich stellte ich mir vor- wie ich zu Hause direkt anfangen würde, wenigstens ein bisschen mit ihm zu spielen, aber natürlich war dies eine utopische Traumvorstellung.

Irgendwann kam der Tag, als aus einem noch etwas leeren Blick, ein fixierter lebendiger Blick wurde. Es kehrte nach und nach immer mehr Leben in unsere Wohnung und so wie er wächst, so wachse ich mit meinen Aufgaben. Einfach ist im Leben nur aufgeben, doch wer sich seinen Problemen stellt, der wird dafür belohnt! Es ist das schönste in das lachende Gesicht meines Sohnes zu blicken. Mittlerweile denke ich: es brauch nicht mehr in diesem Leben um glücklich zu sein, als das was ich meine eigene kleine Familie nennen darf.

Dank Euch, bin ich der glücklichste Papa!

 

PS: Du hast den ersten Artikel von mir verpasst? Hier findet du Teil 1 von- ein Papa erzählt.

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3 comments

    1. Mir ergeht es leider viel zu oft so, dass ich die Sicht meines Freundes verdränge oder vergesse. Oft sitze ich da in dem ganzen Alltags Stress und frage mich: ” Was soll ich denn noch tun.” Was aber die andere Seite denkt geht mir oft gar nicht durch den Kopf. Ich bin froh das man so mal ermahnt wird, auch die andere Partei mit einzubeziehen. Denn wie ich nun erneut lese, geht es ihm eigentlich auch wie mir und doch vollkommen anders:)

      LG

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