Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Was passiert wenn Mama nach 12 Wochen Babypause zurück in den Beruf muss?

Meine kleine Tochter wird bald ein Jahr alt. Was bedeutet das für mich, die Mama? Ich muss bald wieder arbeiten gehen. Mein eigenes Geld verdienen und schauen, was ich nun eigentlich beruflich machen möchte. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass der Schichtdienst für mich persönlich mit Kind, Haushalt und Familie die Hölle darstellte. Oft hatte ich das Gefühl: “Ich schaffe das einfach nicht mehr.”

Dabei habe ich es vergleichsweise gut, denn was ist, wenn man nach nur 12 Wochen Babypause als Mama zurück in seinen alten Job muss, weil die alte Stelle, so wie sie war – so wie man sie wieder haben möchte nicht sicher ist, oder es rein finanziell nicht machbar ist, dass Mama ein Jahr lang zu Hause bleibt?

Birthe vom Blog Blumis – kreativ Blog möchte ihre Erfahrungen mit uns teilen. Dabei fordert sie: schärfere Gesetze, dass Mütter und auch Väter, die für ein Jahr Elternzeit nehmen, trotzdem voll bezahlt werden und dass sie auch wirklich in derselben Position wieder anfangen können (ohne Wenn und Aber).


Birthe von Blumis – kreativ Blog

Ich schreibe an einem Samstag im Juli. Endlich schläft der Knirps (Bastian, 10 Monate alt). Eigentlich wollte ich heute mit ihm zum Babyschwimmen, aber er hat die Nase etwas zu und so waren wir nur ein Stück spazieren. Bastian ist natürlich wach geworden, als wir wieder zu Hause ankamen. Schade, ich hätte mich gerne noch um die Wäsche gekümmert, oder ein Kapitel in meinem Buch gelesen. Aber der Wirbelwind erfordert nun meine ganze Aufmerksamkeit … und das ist auch gut so, denn die Wochenenden sind Familienzeit, ohne Emails und Anrufe.

12 Wochen nach Bastians Geburt habe ich wieder angefangen zu arbeiten, von 0 auf 100%. Zwei Wochen davor habe ich Rotz und Wasser geweint, weil ich so früh wieder in den Alltag zurückkehren musste. Vor zwei Jahren haben wir gebaut, wir brauchen also mein Gehalt.  Mein Arbeitgeber hätte nicht so lange auf mich gewartet und mir nach der Elternzeit wahrscheinlich eine Stelle in Bayern gegeben – so war es von Anfang an klar, dass ich keine lange Auszeit nehmen kann.

Ich bin im Außendienst für eine große Biotechfirma tätig, bin seit fast 7 Jahren in der Firma, kenne das Gebiet und meine Kunden, so dass eine kurze Auszeit mit Hilfe meiner Kollegin aus dem Innendienst möglich war. Als ich nach 12-wöchiger Babypause wieder zurück kam musste ich erst tausende Mails überfliegen, um mir ein Bild zu machen, was während meiner Abwesenheit passiert war. Meine Chefin hat mich weitgehend in Ruhe gelassen. Ich habe noch gestillt, also waren lange Tage von zu Hause auch noch nicht machbar, ich habe viel aus dem Homeoffice gestemmt. Ich war froh dass das mit dem Stillen endlich klappte (es hat ewig gedauert, bis Basti und ich endlich kompatibel waren), also wollte ich nicht nur abpumpen, sondern ihm meine Brust geben.

Familie und Beruf, nach 12 Wochen Babypause zurück in den Alltag

Die Nächte waren lang und die darauf folgenden Arbeitstage im Büro, der Autobahn und bei Kunden waren umso länger. Nicht selten habe ich mir gewünscht einfach für ein Stündchen auf einem Rastplatz halt zu machen, um etwas Schlaf nachzuholen. Aber irgendwie hat am Ende der Schlaf dann doch immer gereicht.

Da mein Mann im 24 Stunden-Dienst arbeitet, kann er an seinen freien Tagen auf unseren Sohn aufpassen. Im letzten Jahr ist mein Vater in Rente gegangen, er bot uns an den Kleinen an den anderen Tagen zu betreuen. Ja, unser Bastian wird vom Opa betreut und ich kann sagen dass das hervorragend funktioniert. So musste mein Vater während meiner Kindheit immer arbeiten und hat nicht viel Zeit mit mir verbringen können, jetzt hat er sich ganz bewusst dazu entschlossen den kleinen Bastian zu betreuen.

Meeting mit Mann und Baby

Beim ersten Geschäfts-Meeting, zu dem ich einmal quer durch Deutschland musste, hat mich mein Mann mit dem Kleinen begleitet und ihn mir dann regelmäßig zum Stillen gebracht. Zwischendurch hat er auch mal eine Pre-Nahrung bekommen, dann passte das ganz gut. Die Kosten für das Hotel für meinen Mann und den Kleinen mussten wir natürlich selber übernehmen, aber was macht man nicht alles, um seinen Job zu behalten. Beim zweiten Meeting kam der Opa mit, da wurde schon nicht mehr so viel gestillt.

Mit Hilfe unserer Familie ist es für uns möglich, dass Familie und Beruf vereinbar sind. Man muss sich einfach sehr gut organisieren, muss vielleicht mal auf Pausen verzichten um pünktlich Feierabend zu machen. Manchmal muss man sich auch nach dem zu Bett bringen (schwierig wenn man eine Nachteule als Kind hat) noch mal an den PC setzen und Präsentationen vorbereiten oder Emails an wichtige Kunden schicken. Es ist alles möglich, aber es kostet auch sehr viel Kraft und häufig habe ich auch das Gefühl, dass ich nicht mehr „Ich selbst“ bin, da man neben dem Fulltime Job ja Zeit mit dem Nachwuchs verbringen, Babybrei kochen (man will ja nicht eine der Gläschen-Mütter sein, wobei das Schwachsinn ist, wenn es mal nicht geht gibt es auch Gläschen) und den Haushalt schmeißen muss….. und dann kommt da noch der Partner, mein lieber Ehemann, der leider viel zu kurz kommt.

Mit meinem Hobby, dem Basteln, habe ich vor einigen Jahren selbstständig gemacht, ich vertreibe als „unhabhängige Demonstratorin“ für eine große amerikanische Firma Stempel, Stanzen und Papier (Stampin‘ Up!), das kommt leider viel zu kurz, klappt aber trotz treuer Kunden immer noch. Früher habe ich fast jeden Tag meinen Blog gefüllt, nun schaffe ich es nur noch ab und an. Mein Blog zehrt aber aus meinen vielen Beiträgen, die ich über die Jahre verfasst habe.

Wir hoffen auf einen Kitaplatz

Wenn Bastian 2 Jahre alt ist hoffen wir auf einen Platz in der Kita hier im Ort. Ein Platz ab dem 1. Geburtstag ist schon sehr teuer, das Geld „sparen“ wir uns durch die Betreuung meines Vaters. Bastian geht dann 35 Stunden in der Woche, so dass wir noch genug Zeit mit dem Kleinen verbringen können.

Und sobald Bastian etwas mobiler ist kann Opa auch bald mit ihm zum Spielplatz, um andere Kinder zu treffen.

Meine neue Chefin hat selber zwei Kinder und sie kann mich gut verstehen und für sie ist es ok wenn ich einmal die Woche während meiner Arbeitszeit eine Krabbelgruppe mit Bastian besuche. Das ist für mich eine sehr positive Entwicklung, so bin ich nicht immer die Mama, die nichts mit ihrem Kind macht. Aufgrund meiner Berufstätigkeit kommt leider auch das Treffen mit anderen Familien mit gleichaltrigen Kindern zu kurz. Alle Gruppen und Treffen sind vormittags, ich bin hier in meiner Umgebung eine Exotin und fühle mich manchmal mies, dass Bastian mehr Zeit mit Opa und Papa, als mit mir verbringt. Der Samstags-Babyschwimmkurs ist voll mit Männern, aber das stört mich nicht.

Ja, Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist möglich, aber es verlangt einem sehr viel Disziplin ab und ein wirklich intaktes Familien/Freunde -Netz für die Betreuung.

Ich finde, dass es schärfere Gesetze geben muss, dass Mütter und auch Väter, die für ein Jahr Elternzeit nehmen trotzdem voll bezahlt werden und dass sie auch wirklich in derselben Position wieder anfangen können (ohne Wenn und Aber). Auch wenn es Elterngeld gibt finde ich, dass man als Eltern benachteiligt ist. Ein Säugling/Baby zu betreuen ist ein Fulltime Job, zusätzlich arbeiten zu müssen häufig eine Qual. Aber es ist machbar, man muss nur durchhalten.


Wie lebt ihr das Zusammenspiel von Beruf und Familie? Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure pesöhnliche Geschichte zukommen lasst, denn ich möchte zeigen – am Ende geht es uns doch allen in etwa ähnlich, oder vielleicht hast Du sogar den ultimativen Tipp, wie es funktionieren kann ohne, dass man dabei das Gefühl bekommt “Ich muss nur durchhalten.”

Hier schreibt eine stille Mitleserin über ihre Gefühle zu ihrer persönlichen Vereinbarkeit:

“Da war er wieder… gestern so ein Tag, an dem ich das Gefühl habe, dass mir so gar nichts gelingt und noch viel schlimmer, dass ich auch nichts und Niemandem gerecht werde. Am allerwenigsten meinen Kindern.”

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Schön, dass Du da warst! Sehen wir uns bald wieder?

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7 comments

  1. Ich bin gerade im vierten Monat schwanger und arbeite selbstständig seit Januar. Leider nicht in einem Beruf, in dem ich Home-Office machen kann. Ich sehe der Zeit nach der Geburt mit Freude, aber auch mit etwas Bangen entgegen. Dank meiner Krankenkasse kann ich sechs Wochen vor der Geburt und acht danach draußen sein. Das ist immerhin eine Hilfe. Ansonsten werde ich Elterngeld beantragen, aber viel ist es nicht. Wir werden auch einen Kredit ab zu bezahlen haben, ich habe die laufenden Mietkosten meine Räumlichkeiten, die ich in den ersten Wochen nicht nutzen werde und natürlich die laufenden Versicherungen. Ich versuche mir jetzt ein wenig an zu sparen und hoffe, dass ich vielleicht neben den acht Wochen noch drei Monate anhängen kann. Es ist mein erstes Kind und ich habe noch keine Ahnung von den Dingen, die sich verändern werden. Aber ich freue mich darauf und es wird sicher machbar sein. Dir alles Liebe und vielen Dank für deinen Artikel

  2. Ich erlebe es in meiner Arbeit immer wieder, wie viele Frauen an diesem Dilemma leiden. An dem Wunsch alles richtig zu machen, alles unter einen Hut zu kriegen und am besten auch noch in allen Lebensbereichen die Beste zu sein. Etwas mehr Entspannung, weniger Perfektionismus, eine tolle Organisation und viel Unterstützung können Wunder wirken 🙂

    Viele Erfolg weiterhin und liebe Grüße aus Frankreich!

  3. Puh, wenn ich überlege wie stressig für mich Job und Haushalt und Freund alleine sind, dann ist es um so bewundernswerter, wenn jemand dazu noch ein Kind groß ziehen kann! Vielleicht liegt es an mir, aber ich habe schon oft das Gefühl, zu kurz zu kommen vor lauter Pflichten, und das stresst mich ungemein, ein Kind könnte ich so nicht angemessen versorgen. Und die Familie wohnt leider viel zu weit weg…

  4. Ich hatte das Glück, dass 1 Jahr zu Hause bleiben gut drin war (und das “Glück” eine Teilzeitstelle zu haben, auch vorher schon, ob ich jemals mehr Stunden bekomme wenn die Kleine größer ist weiß ich aber nicht). Meine spontane Antwort auf den Artikel: An alle Mamis die Arbeiten: Es ist sowieso schon stressig genug, lasst doch den Mist mit Brei selber kochen!!! Da spiel ich lieber mit dem Baby oder wir kuscheln und ruhen uns aus. Wenn du dich beim Breikochen total entspannen kannst, bitte. Aber @&&#+# drauf, was die anderen denken, deinem Baby Liebe geben und auch ein bisschen Zeit für dich ist 1.000.000 x wichtiger als wer den Brei gekocht hat. So. Just my 2 cents 🙂

  5. Birthe spricht einem richtig aus dem Herzen! Ich hatte zwar das Glück, dass ich 1 Jahr zu Hause bleiben konnte, aber jetzt arbeite ich wieder 40 Stunden und brauche hin und zurück insgesamt 2 Stunden zur Arbeit. Wir brauchen einfach mein Gehalt für den Lebensunterhalt. Den Kleinen zur Krippe zu bringen oder auch abzuholen schaffe ich nicht. Das macht zum Glück alles mein Mann. Man wird aber häufig schief von den Erzieherinnen angeschaut, wenn man nicht zu allen Festen und Elternnachmittagen kommen kann. Und auch so habe ich oft ein schlechtes Gewissen, weil ich den Kleinen an manchen Tagen nur zum Abendbrot sehe und ihn dann ins Bett bringe. Umso mehr genieße ich dann die Wochenenden und die Urlaube.

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